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Brauch

31.12.2017

Hier knallt’s, dort klingt’s

Markus Brose lässt es an Silvester krachen: Er schießt gerne und viele Raketen in den Himmel. Kein Wunder: Online verkauft er die Feuerwerkskörper.
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Markus Brose lässt es an Silvester krachen: Er schießt gerne und viele Raketen in den Himmel. Kein Wunder: Online verkauft er die Feuerwerkskörper.
Bild: Karl Aumiller

Seit Jahren spielt Dekan Dieter Zitzler, kurz bevor das neue Jahr anbricht, in Unterglauheim die Orgel. Markus Brose dagegen lässt es Sonntagnacht richtig krachen. Wie unterschiedlich die beiden Silvester erleben

Während draußen schon die ersten Raketen abgefeuert werden und den Nachthimmel bunt erleuchten, dehnt Dekan Dieter Zitzler in der kühlen Kirche seine Finger. Dann breitet er die Noten vor sich aus, atmet noch einmal tief durch und lässt schließlich seine Finger über die schweren Tasten der riesigen Orgel gleiten. Seit 2003 begleitet der Dekan die Kirchengemeinde im kleinen Blindheimer Ortsteil ins neue Jahr. Auch heuer wieder – von 23.30 Uhr bis kurz vor Mitternacht. „Ich habe mir gedacht, ich setze mich einfach mal an die Orgel und lasse die Kirche geöffnet“, erinnert sich der bescheidene Dekan an die Anfangszeit.

Doch, dass so viele Besucher kommen – damit habe er nicht gerechnet. Zitzlers spontanes Silvester-Orgelspiel erweist sich als voller Erfolg. Rund vierzig Menschen kamen in der Vergangenheit eine halbe Stunde vor dem Jahreswechsel in die Kirche und lauschten den Klängen Zitzlers Orgel. Auch Helmut Gerstmayer, Zweiter Bürgermeister und Kirchenpfleger in Unterglauheim, kommt jedes Jahr zu Silvester mit seiner Frau in die Kirche. „Es sind immer mehr Menschen, die an Silvester in die Kirche kommen“, stellt er fest. Denn im Laufe der Jahre habe es sich immer mehr herumgesprochen, welch besonderer Brauch in der Unterglauheimer Kirche stattfindet. Besonders gefalle Gerstmayer, dass man in der Silvesternacht in der Kirche so viele Leute vom Ort treffen könne.

„Viele Ehepaare kommen an Silvester in die Kirche“, bemerkt Zitzler. Im Großen und Ganzen seien es aber diejenigen, die man auch sonst in der Kirche sehe, die zum Jahreswechsel kommen. Auch in diesem Jahr lässt Zitzler die Pforten seiner Kirche wieder geöffnet. Was er spielt, das habe er sich noch nicht genau überlegt. „Das mache ich immer spontan“, sagt er. Meistens seien es aber diverse Kirchen- und Volkslieder, die von der Empore, auf der die Orgel steht, erklingen. Auch sein Bruder sei schon öfters dabei gewesen – denn auch er spielt Orgel.

In den letzten Jahren hätten einige Besucher Sekt mitgebracht. Als draußen der Himmel in bunten Farben erleuchtete und die Kirchturmuhr Mitternacht schlug, wurde dann vor den Toren der Unterglauheimer Kirche angestoßen. „Wenn das Wetter schlecht war, waren die meisten aber recht schnell wieder weg“, sagt Zitzler und lacht. Das wird in diesem Jahr wohl anders sein. Denn glaubt man der Wettervorhersage, bleibt der Regen wohl aus und es erwarten uns auch um Mitternacht Temperaturen im einstelligen Plusbereich.

Optimale Bedingungen, um es krachen zu lassen. Wie das geht, weiß Markus Brose ganz genau. Der Bächinger verkauft Raketen, Böller, Fontänen oder ganze Feuerwerksbatterien – eben alles, womit man das neue Jahr feiern kann. Kein Wunder, dass er gerade gut beschäftigt ist. Rund eine Tonne explosive Masse verkauft er pro Jahreswechsel über seinen Online-Shop und vor Ort in seiner Halle in Bächingen. Ein privater Kunde bestellte in diesem Jahr Silvesterausrüstung für 2500 Euro. Auch Brose selbst wird es Sonntagnacht ordentlich krachen lassen, wenn er zu Gast bei Freunden in Syrgenstein ist. Da kleine Kinder dabei sind, wird er eine erste Batterie bereits am Abend zünden. „Ansonsten können die Kinder kein Feuerwerk sehen, weil sie mitternachts schon im Bett sind“, sagt er.

Trotzdem, kurz vor dem Jahreswechsel wird Brose einiges zu tun haben. Bis zu zehn Minuten Feuerwerk will er in die Luft bringen, das erfordert einiges an Vorbereitung: ein Gelände finden und absperren, die Feuerwerksbatterien aufstellen, aufpassen, dass niemand zwischen die Sprengsätze läuft, und schließlich die Zündschnüre aktivieren. „Da ist man ein bisschen im Stress“, sagt der 44-Jährige. „Aber der Aufwand lohnt sich.“

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