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Kleinkunstbühne

13.05.2019

Humorvolle, charmante Lehrstunde für Mann und Frau

Der „Weihnachtsversteher“ wurde zum „Frauenversteher“: Erneut begeisterte Carsten Höfer in Pfaffenhofen.
Bild: Helmut Sauter

Carsten Höfer bietet als „Frauenversteher“ in Pfaffenhofen ein exzellentes Kabarett

Wer vor eineinhalb Jahren Carsten Höfer aus dem westfälischen Münster als „Weihnachtsversteher“ bei der Kleinkunstbühne Lauterbach erlebt hat, ließ sich das Muttertagsprogramm des Kabarettisten im Gasthaus Straub nicht entgehen und brachte noch Freunde mit. Kein Wunder, dass der Saal aus allen Nähten platzte und die Temperatur halbstündlich an Wärmegraden zunahm.

Carsten Höfer zeigt von Beginn an eine überragende Bühnenpräsenz, nicht nur durch seine stattliche Größe von fast zwei Metern, die ihn immer wieder zwingt, den Kopf vor dem Deckenträger zu schützen, der die Bühne quert und die Decke des historischen Saales stützt. Seine omnipotente Bühnenpräsenz speist sich vor allem aus seiner präzisen, geschliffenen und pointenreichen Sprache, seiner punktgenau gespielten Mimik und Gestik und seinem engagierten Körpereinsatz, denn er muss ja bei seinem Dauergang auf der Bühne mit rechtzeitigem Abtauchen des Kopfes beide Hälften des Saales bedienen. Wie er dabei die Kommunikation von Männern und Frauen „wissenschaftlich abgesichert“ erklärt, rührt das Publikum zweieinhalb Stunden zu Tränen – Tränen vor lauter Lachen und Begeisterung.

Weder Mann noch Frau im Saal wussten bisher, dass sich bei Männern unterhalb des Kehlkopfs die „Biernebenhöhle“ verbirgt, die über die „Bieranhangdrüse“ direkten Kontakt zum Sprachzentrum des männlichen Gehirns findet. Erst wenn diese „Höhle“ mit Bier gefüllt ist, in der Männergruppe angestoßen und getrunken wird, erst dann beginnt einer das Gespräch, und alle anderen hören zu. Denn der Mann kann nur eine Sache und nicht mehrere gleichzeitig. Er ist „monotasking“ veranlagt. Bei den Frauen ist das Sprachzentrum autark und immer bereit, da sie keine „Biernebenhöhle“ besitzen und sofort reden, trinken, whatsappen, googeln und dabei noch zuhören können – und alles gleichzeitig und alle miteinander als ausgezeichnete „Multitaskerinnen“. Dass diese satirisch überspitzten und mit exzellentem Sprachwitz ausgezeichneten pseudowissenschaftlichen Erkenntnisse immer wieder zu wahren Lachor-gien führen, noch gesteigert durch spontane Wiedererkennungseffekte aus dem Publikum, bringt auch den rampensicheren Carsten Höfer ab und zu aus dem Rhythmus, was aber seine Sympathiewerte nur noch steigert und ihm Standing Ovations einbringt.

Wer in der kurzen Verschnaufpause glaubt, es gäbe keine Steigerung des Humor- und Lachpegels mehr, der sieht sich rasch eines Besseren belehrt. Denn Carsten Höfers Plauderei über die Nächte eines jungen Vaters, dessen „Frucht der Liebe“ seinen ganzen Einsatz fordert, steigert sich zu einer burlesken Geschichte, die alle Lachmuskeln im Dauereinsatz fordert. Der „kleine Prinz“, eigentlich ein „Schwerpflegefall“, weil er immer auf Hilfe angewiesen ist, benimmt sich wie ein König und ruft nächtens alle zwei Stunden nach dem Gesinde, sprich nach seinem Erzeuger. Was sich dann zwischen den beiden abspielt, persifliert Carsten Höfer lustvoll und mit mimisch-gestischer Höchstleistung ohne Rücksicht auf die Lachmuskeln und Tränensäcke des Publikums. Apropos Tränensäcke! Mit seiner schwarzhumorigen Hommage an die „Körperpoliturphase“ der Frauen mit diversen Cremes, von Urea (zehn Prozent urinhaltig) bis hin zur Augencreme, läuft der „Frauenversteher“ noch einmal zur Höchstform auf. Achtung Männer! Augencreme ist nur für Tränensäcke und hilft auch da nix! Stürmischer Applaus und großer Andrang am Bücherstand belohnen nach zweieinhalb Stunden seinen hochkarätigen Auftritt.

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