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23.11.2017

I bims – Jugendwort oder Marketing?

Aus 30 Wörtern konnten Jugendliche übers Internet für ihren Favoriten stimmen. I Bims schaffte es aufs Treppchen. Kritik zur Wahl eines Jugendwortes gibt es schon lange. Oft seien die Begriffe – wider Erwarten – nicht zeitgemäß, heißt es.
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Aus 30 Wörtern konnten Jugendliche übers Internet für ihren Favoriten stimmen. I Bims schaffte es aufs Treppchen. Kritik zur Wahl eines Jugendwortes gibt es schon lange. Oft seien die Begriffe – wider Erwarten – nicht zeitgemäß, heißt es.
Bild: Judith Roderfeld, Linha, Millauer, Wolfram

Jetzt steht der Favorit fest. Was bleibt, ist die Frage nach dem Sinn der Wahl: Drei Jugendliche aus dem Landkreis nehmen Stellung

Jugendwörter sind Begriffe, die Jugendliche besonders oft benutzen. Wörter, die den Geist der Zeit treffen, für Erwachsene wie Fremdwörter klingen. Wörter, mit denen junge Menschen eine Geheimsprache entwickeln.

So weit zur Annahme. Doch stimmt das? Entspringen I bims, Noicemail, Squad, napflixen und selfiecide in den Räumen eines Klassenzimmers, sind es die kreativen Ideen von Schülern, die sich dahinter verbergen? „Nein“, sagt Patrick Linha aus Hausen. Der 19-Jährige ist überzeugt: „Das ist wie bei der gesamten Vong-Sprache.“ Einem Sprachstil, der 2010 etabliert wurde, mit absichtlich falscher Rechtschreibung und Grammatik – wie I bims. „Solche Wörter entstehen, weil irgendwelche Influencer auf Youtube sie etablieren.“ Das hinterlasse einfach Eindruck bei deren Zielgruppe.

Hinter der Wahl zum Jugendwort verbirgt sich der Langenscheidt Verlag. Dem konnten junge Menschen vorab Wörter schicken, die ihrer Meinung nach den Kriterien entsprechen. Aus dem großen Topf voller Ideen wählte eine Jury 30 Wörter aus. Via Internet konnten Kinder und Jugendliche anschließend abstimmen. I bims war der Gewinner dieser Abstimmung und wurde vergangenen Freitag zum Jugendwort des Jahres gekürt. Schon der Wortlaut verrät, dass I bims nichts anderes heißt als „Ich bins“. „Ich finde das Wort wie jedes Jahr nicht repräsentativ, da die Jugend von heute solche Wörter eher im ironischen Sinne benutzt“, sagt Simon Millauer aus Lauingen. Ernsthaft integriere kaum jemand I bims & Co. in seinen Sprachgebrauch – da ist sich der 15-Jährige sicher.

Ob der Begriff bereits vor dem Ergebnis bekannt war, ist nach Ansicht von Florian Wolfram fraglich. „Ich glaube, der eigentliche Hype entstand erst nach der Bekanntgabe“, sagt der Lauinger. Der breiten Bevölkerung sei I bims vorher kein Begriff gewesen. Auch er ist wie Linha und Millauer davon überzeugt: „Die Jugendwörter spiegeln nicht den tatsächlichen Sprachgebrauch von Jugendlichen wider.“

Im Zuge der Abstimmung wird immer wieder der Vorwurf laut, dass es am Ende nur um Marketingzwecke des Verlags geht. Kritik an der Wahl des Jugendwortes bestehe schon genau so lange wie die Wahl selbst, sagt Wolfram. Da gäbe es die einen, die sagen, dass es dem Verlag nur um Eigenwerbung und Verkaufszahlen gehe, und die anderen, die denken, dass Phrasen wie I bims oder unfly das Sprachniveau vieler Jugendlicher verzerren würden. „Letztere Kritik kann ich gut verstehen“, sagt der 21-Jährige. „Niemand in meinem Umfeld spricht so.“

Patrick Linha stimmt den Ansichten des Lauingers zu. Die meisten Begriffe, die zur Auswahl standen, habe er erst nach der Wahl des Jugendwortes zum ersten Mal gehört. „Nur ein paar der Wörter kannte ich vorher.“ Der Sinn hinter dem Großteil der Begriffe ist ihm allerdings nicht bekannt.

Bei der Wahl gehe es nicht vorrangig um die deutsche Sprache. Nicht darum, die Wörter der Jugendlichen zu verstehen. Aus einem anderen Grund sei die Abstimmung etabliert worden: „Es geht um Marketing für Langenscheidt“, betont Linha.

Generell haben beide den Eindruck, dass diese Form der Jugendsprache im Alltag keine Verwendung findet. „Aber in sozialen Netzwerken lese ich oft solche Begriffe“, sagt Patrick Linha. Dort finde die Jugendsprache eher statt. Vor allem auf Facebook lese er immer wieder Kommentare, die so geschrieben sind. „Das finde ich meistens aber eher traurig als lustig“, sagt er. Florian Wolfram denkt, dass die deutsche Sprache unter solchen Begriffen leidet.

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