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Lauingen

23.10.2017

Im Garten fühlt er sich zu Hause

Weil er immer viel Zeit mit seiner Oma verbringt, entdeckte Fabian Kleebaur aus Lauingen seine Liebe zur Gartenarbeit. Auch beruflich will er mal in die Richtung gehen.
Bild: Judith Roderfeld

Fabian Kleebaur ist im Obst- und Gartenbauverein Lauingen – mit seinen zwölf Jahren ist er das jüngste Mitglied im Landkreis. In dem Metier kennt er sich aus und hat Tipps für eine ertragreiche Ernte.

Stundenlang auf dem Fußballplatz stehen, vor der Spielkonsole sitzen oder am Handy hängen – für Fabian Kleebaur ist das nichts. Der Zwölfjährige ist kein typischer Teenager. Glücklich ist er, sobald die Schule aus ist und er in seinen Garten darf. Die Arbeit mit Schaufel, Harke & Co. erfüllt den Schüler aus Lauingen.

Das bemerkte auch Hermann Ehnle, der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Lauingen. Alle vier Wochen treffen sich die Mitglieder im Schlösslekeller, dem Landgasthof von Familie Kleebaur und Glass. Fabian selbst hielt sich zu dem Zeitpunkt oft in der Wirtsstube seiner Eltern auf. „Sie wollten, dass ich Mitglied werde“, erinnert sich der Zwölfjährige an den Kontakt mit dem Verein. Er wollte. Seit einem Jahr ist er nun dabei. Damit gilt er als das jüngste Mitglied im Landkreis. Zusammen mit den anderen Aktiven geht er zu Bauernmärkten, unternimmt Ausflüge, besucht Messen oder hilft bei besonderen Aktionen.

Angefangen hat seine Liebe zur Gartenarbeit bei Oma Marianne Glass. „Sie ist meine Bezugsperson“, sagt der Siebtklässler. Seine Eltern hätten im Gasthaus immer viel arbeiten müssen. Die Nachmittage nach der Schule verbrachte er daher meistens nicht daheim. Mithilfe seiner Oma lernte er, Gemüse anzubauen, Blumen einzupflanzen und alles so zu pflegen, dass die Gewächse am Ende blühen und gedeihen. Mittlerweile kennt sich der Siebtklässler aus. „Nur beim Unkrautzupfen hilft meine Oma.“

Selbst zur Fußball-Weltmeisterschaft vor drei Jahren zeigte Fabian Kleebaur kein wirkliches Interesse für den Sport. Georg Rebele, ein Bekannter der Familie, habe sich darüber gewundert, erinnert sich der Zwölfjährige. „Ich habe ihm erzählt, dass ich mich nicht für Fußball interessiere, sondern lieber draußen im Garten bin.“ So kam es, dass Rebele vom gleichnamigen Hausmeisterservice ihm 40 Quadratmeter seines Brachlandes überließ. „Da habe ich meinen eigenen Garten“, sagt Fabian stolz. Seither pflanzt der junge Lauinger dort Kartoffeln, Kohlrabi, Salat, Bohnen und Karotten an. Die Fläche hat er in drei kleine Felder unterteilt.

Dass Fabian Kleebaur eigenes Gemüse anbaut, hat sich mittlerweile rumgesprochen. „Ich hab meine eigenen Abnehmer“, erzählt er und lacht. Die Servicemitarbeiter des Schlösslekellers kriegen zum Beispiel einen Teil und die Reinigungskräfte. Dass er in Zukunft einen eigenen Hofladen besitzt, kann sich Fabian nicht vorstellen. „Das rentiert sich einfach nicht“, sagt er. Mit vielen Landwirten habe er schon gesprochen. Die fixen Kosten seien einfach zu hoch.

Fabian Kleebaur eignet sich täglich neues Wissen an. In dem Garten-Metier fühlt er sich zuhause. „Man kriegt den Kopf frei.“ Er freut sich, wenn er nach der Schule zur Schippe greifen kann oder zur Grabgabel. „Die habe ich mir vor Kurzem gekauft.“ Sein Erspartes nutzt er gerne für neue Utensilien. Am liebsten hätte er 365 Tage im Jahr Zeit für sein Hobby. „Von Frühjahr bis Herbst ist Fabian jeden Tag im Garten. Er findet immer Arbeit“, sagt Mama Sylvia Kleebaur. Sie ist stolz auf ihren Sohn, auch wenn die Gartengeräte manchmal im Weg herumstehen würden.

Jede freie Fläche um den Schlösslekeller, die nicht als Parkplatz dient, gehört Fabian. „Nächstes Jahr soll hier ein Kräutergarten hin“, sagt er und zeigt auf eine freie Fläche. In einem hölzernen Hochbeet an der Hauswand wachsen bereits einige Kräuter. An anderen Stellen ragen noch einige Blumen in die Höhe. Nebenan liegt ein mit einer Plastiktüte umhüllter Johannisbeerstrauch liegt auf dem Boden. Bekannte würden ihm manchmal Pflanzen bringen, die sie nicht mehr benötigen, erzählt der Schüler. „Den muss ich nur noch einpflanzen.“ Bis zum Winter hat er ohnehin einiges zu tun. Bevor der erste Frost kommt, sei es wichtig, nicht winterfeste Pflanzen rein zu holen. Ein heller Raum müsste es sein. „Und Gießen nicht vergessen.“ Bei winterfesten Gewächsen hingegen reiche es, sie bis auf fünf Zentimeter über der Erde zu kürzen und mit Laub zu bedecken. „Wenn der Frost vorbei ist, dann sprießt es wieder.“

Sollte eine Pflanze mal nicht so wachsen, wie gewünscht: „Dann probiere ich es einfach beim nächsten Mal.“ Tomatenpflanzen zum Beispiel, die seien schwierig. Sie dürfen nicht zu trocken und nicht zu nass sein und müssten außerdem gut gedüngt werden.

Von einem Chemie-Einsatz hält er nichts. „Ich dünge mit einem Brennnessel-Sud, Hühnermist oder einer Mischung aus Grasschnitt und Laub.“ Vier Wochen muss die mit Wasser aufgegossene Mischung ziehen. Damit eine ertragreiche Ernte eingefahren wird, hat der junge Lauinger einen weiteren Tipp: „Alle zwei Wochen muss die Erde in den Zwischenräumen aufgelockert werden, damit der Boden Regenwasser aufnimmt.“ Konkrete Pläne für die Zukunft hat Fabian noch nicht. Vielleicht wird er Landschaftsarchitekt oder Gärtner. „Hauptsache irgendwas, dass mit Natur zu tun hat.“

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