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Wertingen

23.02.2021

Im Wertinger Kunstkanal sind wegen Corona die Rollläden unten

Wegen des Lockdowns findet seit Mitte Dezember im Kunstkanal Wertingen , dem KUK, kein Präsenzunterricht statt. Die Künstlerinnen Barbara Mahler und Ursula Echl freuen sich schon jetzt auf den Zeitpunkt, wenn das wieder möglich sein wird. Sie haben sich mit Sicherheitskonzepten vorbereitet. In der stillen Zeit während der Zwangspause entstehen neue Projekte.
Bild: Ulrike Walburg

Plus Die Atelierräume des "KUK" in der Wertinger Kanalstraße geschlossen. Es finden keine Konzerte und Kurse statt. Der Corona-Lockdown bringt auch ein neues künstlerisches Format mit sich.

Auf die Frage, wie es denn in Zeiten der Pandemie der Kunst in Wertingen geht und ob diese zu den Verlieren dieses Jahres gehört, reagiert die Lauterbacher Musikerin und Sängerin Ursula Maria Echl vom „Kunstkanal“ (KUK) mit beißendem Spott „ Ach, gibt es denn überhaupt noch eine Kunst?“ hinterfragt Echl mit Humor die aktuelle Situation.

Ein beliebter Treffpunkt für Künstler und Kunstinteressierte

Der Kunstkanal in Wertingen ist ein beliebter Treffpunkt für Künstler und Kunstinteressierte und war bis zur Pandemie ein gut besuchter Ort für kulturelle Begegnungen und kulturellen Austausch. Angeboten wird hier Kunst- und Musikunterricht für Kinder und Erwachsene, Kulturveranstaltungen, Theater, Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Figuren- und Schattentheater. Kooperationen mit anderen Künstlern, Schulen, Museen, Städten, Gemeinden und Bildungseinrichtungen finden hier statt.

Wegen der Pandemie haben die Künstlerinnen Ursula Maria Echl und Barbara Mahler seit Mitte Dezember die Atelierräume zugeschlossen und die Rollläden heruntergelassen. „Meine Kurse finden nun schon insgesamt über sieben Monate nicht statt“, bedauert Barbara Mahler. Die Kunst habe es nie leicht, sagt Echl. „Sie fällt immer hinten runter, besonders in schweren Zeiten.“ Sie wolle nicht klagen. Echl reagiert bescheiden und abwägend. Sie habe Dezemberhilfe erhalten und lebe derzeit von Rücklagen. Die aktuelle Situation sieht sie gespalten. „Diese Zeit ist für alle schwer, viele Menschen sind hart betroffen“, stellt Echl fest. Sie berichtet von Kollegen, denen es viel schlechter gehe. Sie kenne erfolgreiche junge KünstlerInnen, die sich vor der Pandemie über prall gefüllte Terminkalender freuten und bei denen seit Monaten die Angebote ausbleiben. Aus der Not heraus hätten diese sogar ihren Beruf gewechselt. Ein Kollege habe seinen Künstlerberuf notgedrungen aufgegeben und auf Hundetrainer umgesattelt, andere Kollegen hätten sogar Hartz IV beantragt, berichtet Echl. „Wie wird es für sie bei Lockerungen möglich sein, erste Engagements anzunehmen und gleichzeitig nicht gegen die behördlichen und bürokratischen Auflagen zu verstoßen?“, beobachtet die Musikerin das Geschehen mit kollegialem Interesse.

Ursula Maria Echl

Die beiden Künstlerinnen vom Kunstkanal Wertingen sehen besonders in dieser schwierigen Zeit die Vorteile ihres Low-Budget-Konzepts. „Wir arbeiten als selbstständige Künstler ohne Netz und ohne doppelten Boden“, sagt Echl. „Wir halten unsere Ausgaben möglichst gering.“

Nach kreativen Lösungen für den Unterricht gesucht

Nach dem ersten Lockdown haben die Künstlerinnen nach kreativen Lösungen für den Unterricht gesucht und auch gefunden. Echl hat einen mobilen Kleiderständer in einer örtlichen Glaserei zu einem fahrbaren Aerosolschutz von zwei Metern Höhe und einem Meter Breite umbauen lassen. Damit und mit geöffneten Fenstern und einem Gerät für die Luftreinigung war während der Lockerungen Einzelunterricht möglich. Doch jetzt während des aktuellen Lockdowns helfe auch diese Lösung nicht weiter. Präsenzunterricht und Präsenzveranstaltungen sind nicht möglich. Echl unterrichtet Gesang und Klavier. Der Unterricht ist ihrer Erfahrung nach mit Online-Methoden „unmöglich“. Sie macht an einem Beispiel, dem Singen einer Arie, die Notwendigkeit von Präsenzunterricht deutlich. Die Tonqualität des Internet reiche nicht aus. Sich ergebende Zeitverzögerungen bei der Übertragung wirkten störend. „Die Körperspannung ist beim Singen ein wesentliches Merkmal und dazu braucht es den direkten Kontakt von Lehrer und Schüler,“ sagt sie. Als Musikerin fühle sie sich selbst während der Kontaktbeschränkung reduziert und abgeschieden. „Ich schätze die Gemeinsamkeit, den Austausch und die Spannung die entsteht, wenn ich gemeinsam mit anderen einen Abend gestalte“, sagt Echl und schwärmt von der Kraft, die dabei entsteht und durch ein Konzert trägt. Voller Zuversicht blickt die Musikerin in die Zukunft und freut sich schon heute darauf, wieder in einem Gottesdienst und vor einem Publikum singen zu können.

Auch Barbara Mahler trifft das Verbot des Präsenzunterrichts. „Eine Hilfe sind für mich die Zoom-Yoga-Kurse. Für die Kunstkurse habe ich noch keine befriedigende Lösung gefunden. Ich denke aber in Zukunft werden wir uns damit auseinandersetzen müssen und dürfen“, sagt sie. Dass keine Veranstaltungen im KUK stattfinden können leuchte ihr ein, obwohl auch sie extra ein Hygienekonzept erarbeitet und einen Luftreiniger gekauft hat. Bei ihren Kunstkursen zweifelt sie die Sinnhaftigkeit der Schließung an. „Es befinden sich maximal sieben Personen in einem 100 Quadratmeter großen Raum, alle haben mindestens zwei Meter Abstand zueinander und – wie beim Malen üblich – sprechen sie so gut wie nichts“, sagt sie. Sie zeigt Verständnis für die verantwortlichen Politiker. „Es ist sicher sehr schwierig, die richtige Entscheidung zu treffen. Ich möchte nicht an ihrer Stelle sein“, sagt sie.

Spenden haben dem KUK aus dem Gröbsten herausgeholfen

Sehr berührend sei es für sie und Echl, zu erleben, „dass den Wertingern das KUK am Herzen liegt“. Viele hätten ihre Hilfe angeboten. „Wir haben spontan und unbürokratisch Spenden erhalten. Dafür möchte ich mich auf diesem Wege auch noch gerne bedanken,“ sagt Mahler. „Das hat uns sehr geholfen, die Spende der Buhl Stiftung und die Spende von einem privaten Paar haben uns aus dem Gröbsten rausgezogen,“ zeigt sich auch Echl dankbar und erleichtert.

Barbara Mahler

Die Künstlerinnen blicken trotz der Schwierigkeiten mit Optimismus in die Zukunft und freuen sich darauf, wieder Konzerte veranstalten zu können, wieder in direktem Kontakt zu unterrichten. „Die Zwangspause lässt auch neue Ideen reifen“ berichtet Mahler.

Wie es der Zufall will, habe es für sie ausgerechnet im Lockdown eine große, künstlerische Chance gegeben. Ein gemeinsames Improvisationsprojekt mit dem Tänzer Marco Jodes aus Mainz, dem Cellisten Lukas Dreyer aus Leipzig und mit Malerei von Barbara Mahler sei entstanden. „Wegen des Lockdowns betreiben wir unsere ungewohnten und interessanten Improvisationen online im Zoom-Meeting-Format. Auch wenn das Medium anders funktioniert als Live-Kontakt, zeigt es eine große Bandbreite an Möglichkeiten“, sagt Mahler. Das Projekt Malen, Tanzen, Musizieren wachse und gedeihe. Und ein Ende ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Mahler sagt: „Wir stehen erst am Anfang.“

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