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Gedächtnis

17.06.2018

In jedem schlummert ein Denksportler

Der Gedächtnismeister Boris Nikolai Konrad konnte sich mühelos 50 Spielkarten merken, die er sich nur anderthalb Minuten lang eingeprägt hatte.
Bild: Günter Stauch

Wie kann man die Leistung des eigenen Gehirns trainieren? Der Forscher und Gedankenakrobat Boris Nikolai Konrad bereitete den Gästen einen spannenden und lehrreichen Abend in Wertingen

An Tennissport denken, die Nikolausmütze sowie einen bekannten Elektronik-Markt: Schon hat man den Namen des Referenten auf der Bühne der Stadthalle beisammen und abgespeichert. Rund 100 Minuten ließ Boris Nikolai Konrad die Köpfe von mehr als 300 begeisterten Besuchern heiß laufen, während der er ihnen so manch kuriose – aber hilfreiche – Eselsbrücke vorstellte. Dieses Publikum, das von der ersten Minute an lebhaft ins Geschehen bei der Veranstaltung der Seniorengemeinschaft Wertingen-Buttenwiesen eingebunden wurde, ging nach der interaktiven Gedanken-Show aber nicht etwa mit einem Brummschädel nach Hause. Vielmehr konnte man sich nach etlichen kurzweiligen Denk-Spielen um etliche wertvolle Erfahrungen reicher fühlen.

Dazu gehört wohl auch Hans-Josef Berchtold, Vorsitzender der Organisation, einer Selbsthilfevereinigung, die in nur einem halben Jahrzehnt eine beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt hat und heute über 350 Mitglieder und viele aktive Mitstreiter verfügen kann. Noch bevor „Superhirn“ und „Guinness Buch der Rekorde“-Dauerweltmeister Konrad seine wichtigsten Memotechniken, also Lernstrategien, auspackte, outete sich Berchtold als vergesslicher Mensch: „Ich habe mich am vergangenen Sonntag mit meiner Frau auf den Weg zu einem Ausflug aufgemacht, nur um auf Höhe von Rieblingen darüber nachzudenken, ob daheim die Terrassentüre geschlossen, das Bügeleisen ausgeschaltet und der Küchenherd deaktiviert wurde.“ Nach der Rückkehr in die Zusamstadt hätten beide festgestellt, dass die Befürchtungen umsonst gewesen waren.

Dieses Verhalten habe ihm zu denken gegeben, gestand Berchtold. Was war da los? Nicht verzagen, Dr. Konrad fragen: Der renommierte Neurowissenschaftler weiß nur zu gut, dass die große Mehrheit die Ansicht teilt, von einem schlechten Gedächtnis geplagt zu sein. Der kluge Stargast des Abends, der ursprünglich Physik studierte und spät in die Hirnforschung überwechselte, zeigte, wie man seinen Gedanken mächtig Beine machen kann bis ins hohe Alter hinein. Kein Wunder, dass sich bei seiner „unfairen“ Frage, wer denn im Saal über ein gutes Gedächtnis verfüge, kaum eine Hand regte. Dafür stellte der Gedanken- und Rechenkünstler selbst, kaum dass er die Bühne betreten hatte, sein enormes Können unter Beweis. So rief Konrad mehr als vier Dutzend Spielkarten, die er sich im mucksmäuschen-stillen Raum nicht einmal anderthalb Minuten lang angesehen hatte, in der richtigen Reihenfolge wieder auf.

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Auch deshalb gehört der weit gereiste Denksportler zu den Großen der Gedächtnismeister auf dem Globus. Solche Meister würden woanders, etwa in Asien, nach ihren Erfolgen gebührend gefeiert und mindestens vom Staatspräsidenten empfangen. „Bei uns steht die Mama am Flughafen.“

Mit viel Witz und Elan führte der Gast sein Publikum durch eine fantastische wie facettenreiche Gedankenwelt, nur um ihm Mut zu machen: „Das Gehirn eines Denk-Athleten unterscheidet sich nicht von dem eines Durchschnittsmenschen.“ Eine der wichtigsten Botschaften an diesem unterhaltsamen Abend: Beim Einprägen von Zahlen und Namen in Bildern denken. Bei Ziffern von PIN- oder IBAN-Adressen etwa für die Eins eine Kerze, für die Vier ein Auto (mit vier Rädern), die Sechs ein Würfel, die Drei ein Dreizack sowie ein Schneemann für die Acht. Beim gestenhaften Erzählen einer Geschichte, die mit einem Heuhaufen begann und mit Stein und Eiern schloss, hatte Konrad den Zuhörern kurzerhand die Namensliste aller bisherigen deutschen Bundespräsidenten einfach „untergejubelt, von Heuss bis Steinmeier“.

Wer bei schwer auszusprechenden oder schwierigen Namen Probleme habe, solle ebenfalls gedanklich malen. Etwa beim Fußballer Podolski: „Wie wäre es mit ´man tut sich beim Skifahren den Po weh‘?“ Oder bei Herrn Aydin, den TÜV-Mann, der bei den Eiern die DIN-Norm prüft?

Die Gäste erlebten einen so vergnüglichen wie lehrreichen Abend. Unter anderem waren auch Landratsstellvertreter Alfred Schneid sowie die Bürgermeister Willy Lehmeier und Hans Kaltner gekommen, um dem Gedächtniskünstler zu lauschen. Der Erlös der Veranstaltung kam der Kartei der Not, dem Leserhilfswerk unserer Zeitung, zugute.

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