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Lauterbach

03.04.2021

Internationale Dessous-Designerin hat nun ihr Atelier in Lauterbach

In Lauterbach hat sich Celiné Marie Wenninger ihr Atelier eingerichtet. Hier entwirft und näht sie Dessous für Boutiquen in der ganzen Welt.
Foto: Wenninger

Plus Céline Marie Wenninger kehrt nach ihrem Studium in London und Design-Jobs bei großen Marken wie Hunkemöller nach Lauterbach zurück. In ihrem Atelier entwirft sie feinste Wäscheträume für Boutiquen in der ganzen Welt.

Es ist dieser feine Akzent. Diese Sprachfärbung, die sich Menschen aneignen, die jahrelang Englisch gesprochen haben. Wenn Céline Marie Wenninger von ihren aufregenden Jahren in London und Amsterdam berichtet, lässt diese Akzentuierung aufhorchen.

Es ist nicht nur die Sprache, die sich bei der 26-Jährigen in den vergangenen Jahren verändert hat. Die zierliche Frau, die in Lauterbach aufgewachsen ist, tauchte ein in die kreativ-künstlerische Welt des Dessous-Design. Sie absolvierte das London College of Fashion mit einer erstklassigen Abschlussarbeit und arbeitete für renommierte Haute-Couture-Designer wie Iris von Herpen oder für die große und bekannte Dessous-Marke Hunkemöller.

In ihrem Elternhaus in Lauterbach hat sich die Designerin ihr Atelier eingerichtet

Die überraschende Wende in ihrem Leben zwischen Shows in Paris und dem Einkleiden von Stars wie Daphne Guinness ist die Heimkehr ins ländliche Lauterbach. Hier in dem hübschen Einfamilienhaus ihrer Eltern hat sich die Designerin mit den langen hellbraunen Locken im Dachgeschoss ein Atelier eingerichtet. Es gibt eine schwarze Wand mit ästhetischen Schwarz-Aufnahmen ihrer Kollektion, zwei Nähmaschinen stehen auf einem Tisch und vor dem Fenster steht der weiße Schreibtisch mit dem Laptop.

Es ist ein Raum, der zu dieser Frau passt. Céline Marie Wenninger trägt an diesem Tag schwarz, von den Pumps über den Rock bis zum Pulli. Der Hingucker ist neben ihren Tattoos ein breiter Gürtel mit Goldelementen, der an ein Mieder erinnert. „Ich liebe Corsagen und Mieder“, sagt sie.

Eine ruhige Hand und Können sind beim Nähen wichtig.
Foto: Wenninger

Innerhalb weniger Wochen hat sie sich diesen hellen Raum eingerichtet. „Ich bin ungeduldig, bei mir muss immer alles schnell gehen“, erklärt sie. Hinter der Ungeduld steckt ein gehörige Portion Energie und eine schier endlose Begeisterung für alles Kreative, Künstlerisches. Diese hat sie in den vergangenen Jahren ausgelebt. Im Studium, bei Fashion-Shows, in der Zusammenarbeit mit Models, Fotographen und anderen Künstlern. Die Folge: Viele Reisen, internationale Kontakte und Koffer und Kartons, die meist auf drei Länder verteilt waren. „Nun habe ich endlich einmal alles an einem Ort“, sagt sie. Nach all dem Trubel genieße sie es, Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Ein weiterer Pluspunkt: In Lauterbach kann sie sich voll und ganz auf ihre Arbeit und den Aufbau ihrer Marke konzentrieren.

Mit ihrem Label knüpft sie an die Familiengeschichte an. Sie, die sich in der Welt der Dessous als Céline Marie einen Namen gemacht hat, taufte ihre Marke „hervé“. „Das ist der Mädchenname meiner Mutter“, erklärt die Designerin. Dieser bretonische Begriff könne mit Kämpfer übersetzt werden. Genau das passe zu ihren Dessous. Sie will Frauen darin bestärken, sich anzunehmen und sich selbst zu lieben, auch wenn sie nicht perfekt seien. Dass Frauen „Kämpferinnen“ für ihre Sache sind und sich durchboxen. Die Designerin ist überzeugt, dass „man es ausstrahlt, wenn man schöne Unterwäsche trägt, weil es einem im Unterbewusstsein ein anderes Gefühl gibt.“

Die 26-Jährige aus Lauterbach hat sich in Fachkreisen einen Namen gemacht

Ein Teil ihres Talents wurde ihr vermutlich mit in die Wiege gelegt. Ihre Mutter ist eine gebürtige Französin aus der Bretagne, die der Liebe wegen nach Lauterbach kam. Ihre Mutter habe sie in ihrer Kreativität immer gestärkt und gefördert. Hinzu kommt, dass Céline Marie Wenninger eisern ihre Ziele verfolgt, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Als Jugendliche hatte sie beispielsweise gerne Porträts gezeichnet. Obwohl es ihr am Anfang schwer fiel, gab sie nicht auf. Sie übte so lange, bis sie es konnte.

Diese Geradlinigkeit gepaart mit dem Willen hart zu arbeiten und viel zu lernen, halft ihr auf dem Weg zur anerkannten Dessous-Designerin, die sich in Fachkreisen einen Namen gemacht hat.

Zeichnen, gestalten, kreativ sein – dafür brennt die 26-Jährige Designerin.

Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es internationale Erfahrung. Gleich nach dem Abitur, das sie am Bonaventura in Dillingen ablegte, ging Céline Marie Wenninger nach London. Sie arbeitet dort in einer Familie und stieß zufällig auf einen Kurs, bei dem es um das Maßschneiden von Unterwäsche ging. Eine Entdeckung, die sie nachhaltig prägte. Denn eigentlich wollte sie Modedesign studieren. Doch sie fand heraus, dass es einen kompletten Studiengang für Unterwäsche-Design gab. Sie setzte alles auf eine Karte und bewarb sich dafür. Mit Erfolg: Sie gehörte zu den 30 Glücklichen, die unter den rund 800 Bewerbern ausgewählt wurde.

Während des Studiums bekam Céline Marie Wenninger die große Chance für Iris von Herpen in Amsterdam zu arbeiten. „Die Zeit hat mich sehr inspiriert und ich lernte einige tolle Leute kennen. So habe ich beispielsweise die Game-of-Thrones-Schauspielerin Gwendoline Christie einkleiden dürfen.“ Hinzu kamen weitere Praktika, unter anderem bei „Agent Provocateur“ in London, einem der bekanntesten Unterwäsche-Häuser in England. Dort bekam sie einen Vertrag, noch bevor sie an ihre Abschlussarbeit in ihrem Studium ging.

An der Schneiderpuppe geht es an die Details.
Foto: Wenninger

Nach einem Jahr bei „Agent Provocateur“ wechselte sie zu Hunkemöller in Amsterdam und somit von Haute Couture in den kommerziellen Bereich. Sie lernte das Entwerfen und Zeichnen unter enormen Zeitdruck. Für sie kein Problem. „Stress ist für mich nicht negativ“, sagt sie. Bereits bei Hunkemöller arbeitete sie nebenbei am Aufbau ihrer Marke. Im Studium hatte sie gelernt, wie man ein eigenes Label aufzieht und am Markt etabliert. So setzt Céline Marie Wenninger bei hervé unter anderem auf Nachhaltigkeit. Sie verwendet nachhaltige Stoffe wie Bambus und Peace-Silk. Die spezielle Spitze bezieht sie aus Frankreich und eben nicht aus China. Sie will Nachhaltigkeit und Ästhetik kombinieren. Ihr Konzept scheint aufzugehen. „Ich habe gerade mehr als genug Aufträge.“ Ihre Dessous verkauft sie weltweit an spezielle Boutiquen. Derzeit näht sie ihre Produkte alle selbst, da diese von der Machart her sehr speziell sind. Ein BH kann da schon mal aus 30 Teilen bestehen.

Obwohl sich die 26-Jährige in Lauterbach wohlfühlt, hat sie einen Traum. „Ich will mich in Paris etablieren. Dort fühle ich mich einfach wohl.“ Wenn dieser Wunsch in Erfüllung gehen sollte, wird sich der Akzent von Céline Marie Wenninger wohl noch einmal verändern.

Übrigens: Dessous von Celiné Marie Wenninger sind im Internet unter www.celine-marie.com zu sehen.

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