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Wertingen

19.05.2019

Jugendhilfe in Bliensbach bietet Raum und Zeit für Beziehung

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Feierten zusammen: (von links) Susanne Treischl (Gruppenleitung Vorschulgruppe HPT Bliensbach), Festrednerin Prof. Dr. Eva Matthes, und Kurt Nießner (Regionalleiter) mit Kindern der Vorschulgruppe der HPT in Bliensbach.
Bild: Marion Buk-Kluger

Die St. Gregor-Jugendhilfe in Bliensbach feierte 30 Jahre. Warum die Erziehung letztendlich die Aufgabe hat, sich selbst überflüssig zu machen. Und was es braucht, um pädagogisch sinnvoll und zielorientiert wirken zu können.

Einen Beitrag zu leisten, dass Kinder und Jugendliche eigenständig in der Gesellschaft teilhaben können, mit einem Konzept, das die Individualität des Einzelnen und nicht nur dessen Probleme beleuchtet, das ist das Credo der St. Gregor- Jugendhilfe-gGmbH. Drei Jahrzehnte arbeitet innerhalb damit auch erfolgreich die St. Gregor Jugendhilfe Region Nord, die sich zudem die Leitworte „Raum, Zeit, Beziehung“ gegeben hat. Solch ein Jubiläum muss und darf gefeiert werden. Und wie kann ein Festakt besser beginnen als mit Gesang derer, für die sich die Mitarbeiter(innen) engagieren: 16 Jungen und Mädchen der Vorschulgruppe der Heilpädagogischen Tagesstätte (HPT) in Bliensbach begrüßten musikalisch die Gäste. In Worten machte das – für den erkrankten Geschäftsführer Otto Bachmeier – Michael Ender, der stellvertretende Geschäftsführer: „Die Kinder stehen im Mittelpunkt, und das ist das Wichtigste.“ In der Jugendhilfe Region Nord werde dieses Credo gelebt und nicht jedem pädagogisch neuen Weg gefolgt, sondern den Kindern und Jugendlichen Raum und Zeit gegeben und eine Beziehung aufgebaut.

Ein partnerschaftliches Miteinander

Doch was braucht es zudem, um eben drei Jahrzehnte pädagogisch sinnvoll und zielorientiert wirken zu können. Auf jeden Fall ein Miteinander aller Akteure, wie es treffend mit ihrem musikalischen Beitrag des Joe Cocker Klassikers „With a little help from my friends“ die Musiker Manfred Bertuleit und Paul Rothuizen zum Ausdruck brachten.

Im kurzen Talk von Beate Sigl (stellvertretende Regionalleiterin, Fachbereich Jugendsozialarbeit) mit Sonja Domler und Alexander Böse vom Amt für Jugend und Familie im Landkreis Dillingen wurde das partnerschaftliche Miteinander unterstrichen. „Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch und die heimelige, liebevolle Atmosphäre, die mir bereits damals hier in Bliensbach begegnete“, so Domler. Böse, der die Jugendhilfe als kompetenten Träger und Kooperationspartner stets nur empfehlen könne, wünschte sich für die Zukunft mit einem Augenzwinkern auch einen Mann in der ambulanten Erziehungshilfe, ohne die wertvolle Arbeit der meist weiblichen Helferinnen schmälern zu wollen. Und tatsächlich stehe für diese Aufgabe schon ein Mann in den Startlöchern, wie Beate Sigl verriet.

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„Let it grow“ – lass es wachsen – sang schon Eric Clapton, und diese Einlage symbolisierte den weiteren Verlauf der Feier. Zum Ausdruck kam nämlich, dass Mitarbeiter(innen) im pädagogischen Bereich, etwa Praktikanten, wichtig und nötig seien, um die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen und zu gewährleisten, wie Kurt Nießner (Regionalleiter) betonte.

Eine Studie für die Einrichtung in Bliensbach

Doch was wiederum brauchen diese, damit sie eine Stelle in der Jugendhilfe überhaupt erst interessiert? Hierzu hat Alexandra Rehberger (pädagogische Fachkraft der Vorschulgruppe Bliensbach) eine Studie erstellt. Für ihr Studium „Soziale Arbeit“ an der Hochschule Kempten hatte sie für ihre Projektarbeit nicht nur zum Thema die 30-Jahr Feier, sondern auch die „Attraktivitätssteigerung bei der Praktikantengewinnung“. Sie zitierte den Philosophen Aristophanes: „Menschen bilden heißt nicht, ein Gefäß zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen.“ Und um das zu erreichen, bedürfe es neben einem guten Betriebsklima auch einer optimalen fachlichen Ausbildung. Diese beiden Aspekte seien nach ihren Untersuchungen vor Ort gegeben. Weitere Gäste des Festaktes waren unter anderem Landrat Leo Schrell, der eine Skulptur zum Motto „Zusammen, die Sache auf die Beine stellen“ als Geschenk überreichte sowie Prof. Dr. Eva Matthes, (Lehrstuhl für Pädagogik an der Universität Augsburg). Sie formulierte in ihrer Festrede „Die pädagogische Ausbildung – Ethos, Nähe und Distanz“ ein pädagogisches Ethos, das auch beinhalte, pädagogisch sehen zu können.

„Ein bewusster Umgang mit Macht ist wichtig“, erklärte sie. So solle das Handeln der Erzieher grenzbewusst und reflektierend sein. Gleichzeitig sei ein tief sitzender Respekt vor den Erziehenden geboten und zu beachten, dass es nicht darum gehe, eigene Interessen als Erziehender durchzusetzen. Erziehung habe letztendlich die Aufgabe, sich selbst überflüssig zu machen, denn sonst bestehe die Gefahr, dass Erziehung zu Manipulation würde.

Ebenfalls unter den Gratulanten waren der ehemalige Bezirkstagspräsident und frühere Direktor der St. Gregor-Jugendhilfe Jürgen Reichart, Bürgermeister und Rektoren, Maria-Anna Immerz (Administrationsvorsitzende der Katholischen Waisenhausstiftung) sowie deren Vorgänger Anton Mille mit Gattin Eva-Maria und aktive wie ehemalige Mitarbeiter(innen).

Wie die St. Gregor-Jugendhilfe im Raum Wertingen wirkt:

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