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Unterhaltung

16.01.2020

Kabarettist oder Opernsänger? Martin Frank glänzt in Lauterbach

Der Kabarett-Nachwuchsstar Martin Frank kann auch singen.
Bild: Sauter

Auf der Kleinkunstbühne Lauterbach offenbart Martin Frank verschiedene Qualitäten. Das Publikum feiert den Kabarettisten.

Schon seit Wochen war der Kabarettauftritt des bayerischen Senkrechtstarters Martin Frank in der Lauterbacher Turnhalle ausverkauft. Weit über 200 erwartungsfrohe Besucher strömten in den, zum Konzertsaal aufgehübschten Sporttempel. Viele Fans konnten keine Karte mehr ergattern. Die Kleinkunstbühne Lauterbach hatte schon vor eineinhalb Jahren erkannt, welches Kabarettjuwel da heranreift und Martin Frank vertraglich an das untere Zusamtal gebunden.

Die Besucher werden zum Warm-up aufgefordert

Welchen Glücksgriff die Brettlmacher um Gerhard Sauter getan haben, zeigt sich schon in den ersten Minuten, als der Kabarettist die große Besucherschar zu einem „Warm-up“ auffordert, das er aber gleich wieder abbricht, um von der Bühne zu stürmen und direkten Kontakt zum Publikum aufzunehmen. Eine Slapstick-Nummer, die begeisterten Beifall auslöst und von Martin Frank mit einer Arie aus Händels „Wassermusik“ belohnt wird. Das atemlose Staunen über seine beeindruckende Opernstimme wird durch lang anhaltenden Applaus abgelöst. Eine solch großartige Stimme sollte keine Aufnahme am Salzburger Mozarteum gefunden haben? Kaum zu glauben für das Publikum, das mit einem mitleidigen, lang gezogenen „Oooh“ reagiert, als der Jungstar dieses Detail aus seinem noch jungen Leben zum Besten gibt. Eigentlich ein Glücksfall für die große Schar seiner Anhänger im Saal, dass der Bauernbub aus Niederbayern auf dem Weg zu den Opernbühnen der Welt beim Vorsingen im Mozarteum den Text vergisst und geistesgegenwärtig niederbayerische Gstanzl als Ersatz einfügt. Schon allein die musikalische Persiflage auf diesen Misserfolg ist das Eintrittsgeld wert.

Pointiert, geradlinig, unverblümt

Martin Frank versteht es zweieinhalb Stunden lang, pointiert, geradlinig, unverblümt und mit urkomischem Humor die Hürden und Stolpersteine des täglichen Lebens zu benennen – und das auch noch authentisch mit Erfahrungen aus seinem gerade 27 Jahre jungen Leben zu belegen. Dabei reiht er Pointe an Pointe, nimmt sich selbst als pickelbesetzter Pubertierender, modetechnisches Schlusslicht oder als Landei beim ersten Blind Date mit einer Frau auf die Schippe und zieht durchaus ernst gemeint gegen überdrehte Zeiterscheinungen zu Felde, immer mit einem Schuss Humor, mit sprachlicher Kreativität und frecher Direktheit gewürzt. Als „Bub vom Lande“ hat er mit seinem Erdbeermarmeladebrot keine Chance gegen hippe Foodkreationen wie Avocado-Smoothies oder sonstige exotische Gerichte. Er fragt sich natürlich schon, ob die Menschen in den Ländern, aus denen die exotischen Früchte kommen, jeden Tag eine Leberkässemmel „fressen“. Auch den übertriebenen Körperkult spießt er mit einem frechen Zweizeiler auf: „Wenn du wegen deines Körpers weinst, schau mal nach Bad Füssing, Therme eins!“ Natürlich darf das Thema „Tattoo“ nicht fehlen. Ihm graust es, wenn oberhalb der „Männlichkeit“ einfallslos „Kein Trinkwasser“ eingestochen wird, dann doch lieber „Ozapft is!“ Immer wieder muss der bereits mit mehreren Kabarettpreisen ausgezeichnete Wortkünstler sein Programm unterbrechen, weil sich das Publikum vor lauter Lachen kaum beruhigen kann.

Kabarettist oder Opernsänger? Martin Frank glänzt in Lauterbach

Er greift auf die Alltagsweisheiten der Oma zurück

Martin Frank versteht es meisterhaft, seine Schauspiel- und Gesangsausbildung in spielerische Szenen umzusetzen, sein authentisches Landleben als erfolgreiches Schild gegen Anfechtungen der absurden Großstadtwelt einzusetzen, und wenn das nicht mehr hilft, kann er immer noch auf Alltagsweisheiten seiner Oma zurückgreifen, die sich wie ein roter Faden durch das Programm ziehen und für Vergleiche und Bewertungen herhalten müssen. Die herzzerreißende Schlussarie über den „Tod eines Hendls“, das in seiner niederbayerischen Heimat nicht stirbt, sondern „verreckt“, inszeniert er als skurrile Beerdigungszeremonie für Urlaubsgäste aus dem Norden, die das Publikum noch einmal zu minutenlangem Applaus animiert. Kein Wunder, dass die Lauterbacher Brettlmacher Martin Frank für das 40-jährige Jubiläum in drei Jahren an der Angel haben.

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