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16.05.2018

Karl Marx in Wertingen?

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Peter Seefried

Die Grünen wollen Straßen benennen

Ein ungewöhnlicher Vorschlag zur Benennung neuer Straßen kommt von den Wertinger Stadträten der Grünen: Ludwig Klingler brachte einen Antrag ein, nach dem zwei Straßen in neuen Baugebieten am Marienfeld nach Karl Marx und Friedrich Engels benannt werden sollen. Diese beiden verfassten 1848 das „Kommunistische Manifest“, welches maßgeblich zur Entstehung der politischen Richtung des Kommunismus beitrug.

Für Klingler ist speziell Marx ein großer Philosoph und Humanist. Deshalb ist es für den Stadtrat und Volkswirt kein Problem, in Wertingen eine Straße nach dem Denker zu benennen. Klingler will das nicht als unreflektierte Huldigung verstehen: „Wir wollen ihm kein Denkmal bauen“, sagt er. „Es soll auch ein Denkanstoß sein, sich mit Marx und seinem Werk auseinanderzusetzen. Natürlich kann man vieles bei ihm kritisch sehen.“ Letztlich seien die Ideen von Marx und Engels von unmenschlichen Diktatoren wie Stalin oder Pol Pot missbraucht worden. Ihre Ideen, wie die zu den Rechten der Arbeiter, seien aber gerade im Zeitalter der Globalisierung immer noch relevant, auch für die Bürger Wertingens.

Scharfe Kritik kommt von Peter Seefried, der über die Bürgerinitiative Wertingen in den Stadtrat einzog. Für ihn wäre eine Karl-Marx-Straße in Wertingen ein „Schandmal“. Das Gedankengut von Marx und Engels hält er für menschenverachtend. Seefried wirft den Wertinger Grünen – auch Peter Hurler unterstützt den Antrag – Geschichtsvergessenheit vor. Der Kommunismus sei eine „Irrlehre“, die 100 Millionen Todesopfer gefordert habe. „Die Grünen betreiben mit ihrem Antrag Schönfärberei. Das brauchen wir hier nicht“, sagt Seefried. Klingler sagt, er sei Sachpolitiker, politisch weder links noch rechts einzuordnen. Die kritische Auseinandersetzung mit Marx sei sinnvoll. Sie sei aber nicht möglich, wenn er nur als „Reizwort“ empfunden werde. In der heutigen Stadtratssitzung wird über den Antrag abgestimmt. (br) Fotos: ews

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