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15.07.2010

Kein Anschluss mehr unter dieser Nummer

Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehört: Diese Telefonzelle wird bald abgebaut.
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Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehört: Diese Telefonzelle wird bald abgebaut.

Osterbuch Veronika Eser (52) erinnert sich noch gut daran, als in ihrem Elternhaus das allererste Telefon in Osterbuch war. "Wenn eine Nachricht zu überbringen war oder jemand einen Bewohner sprechen wollte, dann hat man die Leute immer zu uns geholt."

Auch ihre gleichaltrige Freundin Luise Pfurtscheller kennt die Zeiten, als man noch kein öffentliches Telefonhäuschen im Ort hatte und anfangs nur bei Veronikas Eltern, dann im Gasthaus und später nur bei wenigen Privatleuten ein Telefon stand. Das Eser-Telefon, ein nostalgisches altes Gerät hatte sogar eine zweite Ohrmuschel für eine weitere Person zum Mithören. "Da war immer etwas los, wenn das Telefon geklingelt hat. Man musste freudige, aber auch traurige Nachrichten überbringen", erzählt Veronika Eser.

Tor zur Welt vor 30 Jahren

Dann kam vor über 30 Jahren die erste öffentliche Telefonzelle auch nach Osterbuch. Da waren die beiden Frauen gerade zwölf Jahre alt.

Kein Anschluss mehr unter dieser Nummer

"Das war ein richtiges Highlight mitten im Dorf, ganz in Gelb. Es hatten ja wirklich nur wenige ein eigenes Telefon" Pauline Miller (90), die Mutter von Veronika Eser war da bereits 50 Jahre alt. Und nun wird die öffentliche Telefonzelle, mittlerweile in Weiß-Pink und nur mit Telefonkarte zu bedienen, auch wieder abgebaut. Befürchtungen, dass jetzt erneut alte Zeiten anbrechen und ganz Osterbuch zu ihrer Familie zum Telefonieren kommt, hat Veronika Eser nicht. "Heutzutage hat ja jeder Telefon und Handy", meint sie lachend. Und auch im Hause Eser, können die vier Kinder, die Eltern, sowie Oma Pauline auf zwei Festnetzanschlüsse und natürlich Handys zurückgreifen, obwohl man für einen guten Mobilfunk-Empfang in Osterbuch oftmals erst einen geeigneten Platz finden muss.

"Die Kinder gehen dann eben im Haus auf den Dachboden!"

Das erste Telefonhäuschen wurde übrigens alle vier Wochen von Anna Wiedemann, der Großmutter von Luise Pfurtscheller gereinigt. Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, jetzt wo es verschwindet. "Das Telefonhäuschen war schon wichtig. Damals das Tor zur Welt! Doch seit nur noch mit Karte telefoniert werden konnte, wurde es kaum noch benutzt."

Seit Kurzem ist das Telefon nun tatsächlich abgeklemmt, nur das Häuschen steht noch als stummer Zeuge einer Zeit, als es in Osterbuch ein öffentliches Telefon gab.

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