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Nachzucht

10.02.2018

Keine Bange um die Napoleonstanne

Verena und Winfried Heppner vor ihrer Napoleonstanne. Im Garten wächst der Baum, gezogen aus dem Samen der Original-Napoleonstanne, prächtig heran.
Bild: Hertha Stauch

In einem Garten in der Wertinger Märzenbachsiedlung wächst ein Nachkömmling prächtig heran. Kann er Ersatz sein für das Original?

 Keine Bange, die Fans der Napoleonstanne dürfen aufatmen: Sollte die über hundert Jahre alte mächtige Fichte, die auf der Anhöhe über Gottmannshofen an die Schlacht des französischen Eroberers von 1805 erinnert, aus Altersgründen gefällt werden, so ist bereits für ihr Erbe gesorgt. Denn in einem Garten in der Wertinger Märzenbachsiedlung gedeiht der Nachwuchs prächtig. Verena und Winfried Heppner nennen ihre stattliche, zehn Jahre alte Fichte „Napoleon“. Der Samen des Nadelbaumes stammt aus einem Zapfen der original Napoleonstanne – ein direkter Nachfolger also des ehrwürdigen Stammes, der da oben über Gottmannshofen seit über hundert Jahren steht und nun womöglich in absehbarer Zeit sein Leben lassen muss.

Der kleine Napoleon im Hause Heppner ist schon gar nicht mehr so klein. Selbstbewusst, breit und stämmig – ein echter Napoleon eben – behauptet sich die Pflanze zwischen Buchen und Forsythien seit nahezu 20 Jahren. Damals nahm sie als kleiner Steckling den Raum des ehemaligen Sandkastens der Heppner-Kinder ein. Heute gibt es den Sandspielplatz nicht mehr, der Baum schlägt breite Wurzeln im Rasen und bietet mit ausladenden Ästen gelben Winterlingen Schutz vor Frost und Kälte.

Verena Heppner erzählt die Geschichte, wie die Familie zu diesem besonderen Baum gekommen ist. Im Jahr 1997 machten die Heppners zusammen mit Schwager Arik Gotthardt einen Spaziergang rund um die Napoleonstanne. Der geschichtsinteressierte Schwager, heute wohnhaft in Hamburg, nahm als Souvenir einen Tannenzapfen mit nach Hause in den hohen Norden. Dort erntete er die Samen aus dem Zapfen und zog Stecklinge heran. Die zwei besten gewachsenen wählte er aus, sie auszupflanzen. So kommt es, dass ein Napoleonstannen-Nachfolger in Hamburg heranwuchs und der andere in Wertingen, der der Schwägerin verehrt wurde.

Den Baum in Hamburg gibt es seit einiger Zeit nicht mehr – er musste gefällt werden. Die Fichte in Heppners Garten aber entwickelt sich weiter in voller Pracht.

So sehr, dass die Heppners schon daran denken, was sie einmal tun könnten, wenn der Baum für den Garten zu groß werden sollte. Die Vorstellung, ihn einmal als leuchtenden Weihnachtsbaum auf dem Wertinger Marktplatz zu bewundern, finden Verena und Winfried Heppner gar nicht so abwegig. „Denn er ist ja so schön gewachsen“, sagt Verena Heppner. Vorerst aber darf „Napoleon“ den Heppners noch im Garten Gesellschaft leisten – als Weihnachtsbaum ist er noch nicht groß genug. Unterdessen schlägt die Kunde, dass die etwas marode Original-Napoleonstanne womöglich gefällt werden muss, weiter hohe Wellen.

Der Baum, bei dem es sich eigentlich um keine Tanne, sondern um eine Fichte handelt, wurde 1905 zum Gedenken an das Gefecht vom 8. Oktober 1805 bei Wertingen gepflanzt. Ganze Bibliotheken befassen sich mit diesem Ereignis, das in die Zeit der so genannten Koalitionskriege zurück geht. Der dritte Koalitionskrieg, auch zweiter Napoleonischer Krieg, wurde ausgetragen zwischen Frankreich und seinen deutschen Verbündeten, darunter auch Bayern.

Was trug sich an jenem denkwürdigen Datum wirklich im Zusam- und Donautal zu, wie erging es den Wertingern, und war Napoleon, dem die derzeitige Aufregung gilt, wirklich in Persona in Wertingen anwesend?

Aufschluss über die lokale Geschichte gibt das Buch „Das Gefecht von Wertingen 1805“ von Jürgen Fiedler, verstorbener Heimatkundler und Stadtarchivar.

Der Band wurde im Jahr 2005 anlässlich des 200. Gedenktages an die Schlacht bei Wertingen herausgegeben. Fiedlers Forschungen zufolge war Napoleon am Tag der Schlacht nicht selbst in Wertingen anwesend. Vielmehr brach er erst „am 9. Oktober um halb elf Uhr morgens von Donauwörth auf und begab sich über Wertingen nach Zusmarshausen. In Wertingen legte er einen kurzen Aufenthalt ein, um das Gefechtsfeld vom Vortage zu besichtigen. Auf dem Marktplatz hielt er an. Danach machte er auf der Höhe oberhalb Gottmannshofen halt, von welcher er einen hervorragenden Überblick über den gesamten Kampfplatz hatte.“

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