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20.01.2017

Keine Freiheit für Hühner

Im ganzen Land muss Geflügel dauerhaft eingeschlossen sein und darf nicht mehr ins Freie. Schuld ist der Vogelgrippeerreger H5N8. der immer noch regelmäßig festgestellt wird. Wenn die Tiere den freiheitsentzug nicht gewohnt sind, schlägt ihnen das oft aufs Gemüt.

Seit zwei Monaten müssen Halter wegen der Vogelgrippe dafür sorgen, dass ihr Geflügel nicht im Freien herumläuft. Das führt mancherorts zu immer größeren Problemen

Der Frieden im Stall ist schon lange vorbei. Seit mittlerweile zwei Monaten müssen die 50 Hühner von Rainhard Frank und Josef Liebert tagein, tagaus in ihrem Verschlag im Marienfeld in Wertingen ausharren. Nach wie vor gilt die Stallpflicht für Geflügel, die aufgrund des Auftretens des Vogelgrippeerregers H5N8 in Deutschland verhängt wurde. Dass die Tiere, die Freilauf gewöhnt sind, ganztags eingesperrt waren, sei von Anfang an problematisch gewesen. Doch nun ist es schlimm geworden, erzählt Frank. „Die Tiere sind aggressiv und verstört. Sie gehen manchmal aufeinander los, und Eier legen sie überhaupt nicht mehr.“

Liebert und Frank fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen. „Vor zwei Monaten mussten wir von einem Tag auf den anderen eine Unterkunft für die Tiere bereitstellen, da musste es ganz schnell gehen“, klagt der Tierhalter. „Jetzt bekommt man gar nichts mehr mit. Wir wissen überhaupt nicht, wie lange das noch so gehen soll.“

Für die Überprüfung der Einhaltung der Stallpflicht ist Peter Alefeld vom Landratsamt in Dillingen zuständig. „Wir kontrollieren anlassbezogen“, sagt er. Eine flächendeckende Kontrolle sei nicht möglich – man baue auf die Hilfe der Bevölkerung. Echte Probleme habe es bislang nicht gegeben. Als die Stallpflicht am 18. November 2016 eingeführt wurde, habe er einige wenige Gespräche führen müssen mit Geflügelhaltern, die nicht damit einverstanden waren, ihre Vögel wegzusperren. „Eskaliert ist allerdings keine Situation“, sagt Alefeld. Das heißt, dass die Veterinäre bislang nicht ausrücken mussten, um vor den Augen der Nachbarn ein Wegsperren der Tiere zu veranlassen. Alefeld verweist darauf, dass die Risikoeinschätzung nicht vonseiten des Dillinger Landratsamtes vorgenommen wird, sondern deutschlandweit vom Friedrich Löffler Institut.

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Auf der Webseite des Instituts kann man die Risikobewertung einsehen – der letzte Eintrag ist allerdings schon einen Monat alt. In dem Schreiben vom 22. Dezember 2016 heißt es, dass die Ausbreitung des Virus in „großer Dynamik“ erfolge. Die Risikobewertung erfolgt dabei nicht in regelmäßigen Abständen, sondern nur, wenn sich die Situation maßgeblich ändere. Davon könne derzeit nicht die Rede sein. Beim bayerischen Landesamt für Gesundheit gehen immer noch regelmäßig Befunde ein. Am Dienstag wurde eine Probe aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen positiv auf den Vogelgrippeerreger H5N8 getestet, teilt das Ministerium mit.

Was Frank und Liebert stört, ist vor allem der Informationsfluss. Die Gefahr werde nicht genügend konkretisiert – was bleibe, sei eine vage Gefahrenlage, welche die Tierhalter einfach hinnehmen müssten. „Die Stallpflicht steht für mich nicht im Verhältnis zu der Gefahr. Die Tiere leiden enorm darunter, dauernd eingesperrt zu sein“, sagt Frank.

Auch beim Bayerischen Bauernverband ist die Stallpflicht nach wie vor ein großes Thema, sagt der Dillinger Kreisvorsitzende, Eugen Bayer. „Je länger diese andauert, desto mehr schwindet bei manchen das Verständnis dafür“, so schätzt er es ein. Es bestehe aus seiner Sicht dennoch ein Konsens darüber, dass die latente Gefahr einer Ausbreitung nach wie vor besteht. Man sei sich im Verband weitgehend einig, dass die Stallpflicht das kleinere Übel für die Halter von Freilandgeflügel sei, als im schlimmsten Fall massenweise Tiere „keulen“ zu müssen, wie es im Veterinärdeutsch heißt. Man müsse Verständnis haben, eine Alternative gebe es ja ohnehin nicht.

Rainhard Frank und Josef Liebert hoffen, dass ihre Tiere bald wieder ins Freie dürfen. Manchmal entwischen die Hühner, dann sind die beiden stundenlang damit beschäftigt, sie wieder einzufangen. Sie fütterten die Tiere mehr als sonst, gäben ihnen Beschäftigung durch das Picken von Körnern, eine echte Lösung haben sie nicht.

Das Virus wird primär durch Wasservögel verbreitet. Deshalb könnte die Gefahr im wahrsten Sinne bald wegfliegen. Harald Böck, Zweiter Vorsitzender der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz, weiß um das Verhalten der Zugvögel.

Bald komme erfahrungsgemäß die Zeit, in der einige Arten, die hier überwintern, wieder verschwinden. „Ein Großteil der Wintergäste ist meist Ende März wieder fortgeflogen“, sagt Böck. Und weniger Wasservögel bedeuteten grundsätzlich auch weniger Verbreitungsgefahr für das Vogelgrippevirus.

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