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25.06.2014

Kichererbsen kontra Fleisch

Udo Eppinger und seine Ochsen Kajetan und Anton. Der gebürtige Frauenstettener, der heute in Hessen lebt, hat für sich Konsequenzen aus der umstrittenen Massentierhaltung gezogen. Er ist Tierschützer und lebt vegan.
Bild: Wertinger Zeitung

Warum der gebürtige Frauenstettener Udo Eppinger sich vegan ernährt. Und was er über Tierhaltung in Agrarfabriken denkt

Die „Zeit“ befasste sich in ihrem Titelthema vor wenigen Wochen mit der Frage des besseren Tierschutzes und der Rechte für Tiere. Sie spricht von der „Ethik des Schinkenbrots“. Zwei Philosophen unterhalten sich in diesem Zusammenhang kritisch über die massenhafte Haltung von Nutztieren. Die WZ sprach zum Thema Massentierhaltung mit Udo Eppinger, gebürtig in Frauenstetten, ein aktiver Tierschützer, der sich seit wenigen Jahren vegan ernährt.

Wann haben Sie Ihr letztes Schinkenbrot gegessen, Herr Eppinger?

Das muss nun fast drei Jahre her sein. Habe es nie vermisst…..

Kichererbsen kontra Fleisch

Wie kam es dazu, dass Sie zur veganen Ernährungsweise wechselten – hatten Sie ein Schlüsselerlebnis?

Ja… ich kaufte 2009 zwei Ochsenkälber (Kajetan und Anton) und begann mich intensiv mit der Thematik „Tierrechte“ zu befassen. Was ich da erfuhr, das heißt, vorher ignorierte, widerte mich derart an, dass ich von einem Tag auf den anderen Veganer wurde. Zudem: meine Hunde streicheln, aber Rinder essen – wo ist da die Logik?

Sollen Schinkenbrotesser ein schlechtes Gewissen haben oder genügt es, seinen Schinken aus artgerechter Tierhaltung zu beziehen?

Schlechtes Gewissen ist so eine Sache und meist kurzlebig. Mein Credo ist, dass jedes Lebewesen (weiter-)leben will und das auch soll – ganz im Sinne Albert Schweitzers! Klar, notfalls besser artgerecht (solche Haltungen gibt es aber kaum) als aus der Fabrik. Aber tot ist eben tot – nur zumindest vorher nicht auch noch erniedrigt und gequält und zur Ware degradiert.

Die Anzahl der Veganer macht laut „Zeit“ nur ein Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Geben Sie mir einen Tipp, wie man sich diesen ein Prozent anschließen kann, ohne ständig rückfällig zu werden…

Selbst vegan kochen und entdecken, wie gut das schmeckt und wie vielfältig das ist – und garantiert auch viel gesünder. Und dann immer realisieren, wie schön „Leben“ ist – für alle LEBEwesen! Man kann schlemmen und genießen ohne Ende, ohne dass dafür jemand sterben musste.

Verraten Sie mir uns Ihr Leibgericht?

Kichererbsen mit CousCous oder Quinoa, gaaanz scharf gewürzt, dazu ein eiskaltes Felsenbräu aus Franken…. In knallharter Konkurrenz zu fast allem aus Kartoffeln…

Eine Frage am Rande: Wie füttern Sie ihren Hund oder Katze. Das sind doch von Natur aus Fleischfresser…

Hunde kann man bedenkenlos vegan ernähren, wenn sie es denn akzeptieren, was nicht immer der Fall ist. Dann kann man den Fleischanteil aber trickreich minimieren. Bei Katzen bestehen größere Bedenken, aber ich habe keine Katzen.

Sie gehören der Tierschutzorganisation Peta an. Auf welche Weise arbeiten Sie dort mit? Haben sie selbst schon Tiere „befreit“ oder gerettet?

Mein Hauptengagement liegt (finanziell) beim Komitee gegen den Vogelmord und bei Animal Aid. Daneben unterstütze ich ca 15 weitere Tierrechts- und -schutzorganisationen in Deutschland, Großbritannien und Irland. Ja, meine beiden Ochsen habe ich quasi (legal) befreit/gerettet… Von (illegaler) Befreiung halte ich nicht sehr viel… Ich verstehe zwar, wenn jemand aus Verzweiflung auf diese Weise „helfen“ will, aber dieser symbolische Akt ändert nichts am System der Tierausbeutung. Es bleibt nur der mühsame Weg über Aufklärung, Bloßstellung des Tierausbeutungssystems und Veränderung von (Konsum-) Gewohnheiten.

Haben Sie von den Tierskandalen bei der Massen-Putenhaltung im Landkreis Dillingen gelesen oder gehört?

Generell zur Massentierhaltung: Das Baurecht gäbe den Kommunen hier durchaus Hebel, um das Ganze massiv einzudämmen, zum Beispiel via Brandschutzauflagen. Bei fast jedem Brand in solchen Anlagen verenden alle Tiere qualvoll, weil keiner diese Auflagen einfordert. Oder will man das gar nicht? Lässt man sich ködern von wenigen und miesen Arbeitsplätzen im Tausch gegen Tierqual und Vergiftung des Bodens durch Milliarden Tonnen von Gülle plus Gestank, plus Keimbelastung der Luft, plus Naturzerstörung durch hemmungsloses Bauen im Außenbereich? Und inzwischen alles für den Export.

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