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WZ-Gespräch

07.04.2014

„Kinder sind alltagstauglicher als wir Erwachsene“

Winfried Heppner

Winfried Heppner appelliert bei möglicher Rückkehr zum G9: Umstellungen gründlich planen!

Das Gymnasium als „Eliteschule“ des deutschen Regelschulsystems steht immer wieder im Fokus. So gibt es Vorstellungen, das achtstufige Gymnasium (G8) erneut in ein G9 umzuwandeln. Bei den jüngsten Pisa-Erhebungen waren kreative Lösungen für Alltagsprobleme gefragt. Und Eltern betonen den Wert des Dialekts als gute Grundlage für das Erlernen von Fremdsprachen. Zu diesen aktuellen Themen (wir berichteten) sprach die WZ mit Winfried Heppner, dem stellvertretenden Schulleiter des Gymnasiums Wertingen.

Wie sehen Sie die Aussichten für die Rückkehr zum G9?

Wenn man die Presse verfolgt – mehr weiß ich auch nicht – führt der Weg offensichtlich zum G9 zurück. Das scheint politisch beschlossen. Vom Philologenverband liegen Pläne auf dem Tisch, die okay sind. Einfach wieder ein Jahr anhängen, das geht allerdings nicht. Wir müssen wissen, was wir in diesem zusätzlichen Jahr machen.

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Empfinden Sie die Rückkehr zum G9 als sinnvoll?

Das G9 war auch kein Freizeitpark. Wichtig ist in jedem Fall zu wissen, wohin wir wollen. Für Fünftklässler muss bereits klar sein, wann sie welche Fremdsprache wählen können, was am Ende von ihnen abverlangt wird, wohin der Weg führt. Das gibt Sicherheit.

Was setzt das voraus?

Eine sorgfältige Planung und gründliche Überlegung, wie Stundentafeln, Stoffverteilung – was macht man wann – und die Oberstufe aussehen sollen. Hier waren die Naturwissenschaften bei der Umstellung vom G9 aufs G8 die großen Verlierer.

Wer kann hier sinnvoll entscheiden?

Ich finde durchaus richtig, dass der Eltern- und der Gymnasialverband sowie die Direktorenvereinigung sich zu Wort melden. Warum nicht auch der Schülerbeirat? Ich hoffe auf jeden Fall stark, dass Einzel- und Verbandsinteressen zurückstehen werden. Es muss um die Schüler gehen!

Themenwechsel. Bei der jüngsten Pisa-Erhebung mussten Schüler unter anderem Alltagsprobleme kreativ lösen und hatten dabei teilweise Probleme.

Junge Menschen lösen Alltagsprobleme kreativer als wir Erwachsene. Solche Untersuchungen sind verschwendete Zeit.

Haben Sie ein Beispiel?

Wie viele Erwachsene können einen Stadtplan lesen, und wie viele ein Smartphone bedienen? Ich bin unlängst mit meiner 27-Jährigen Tochter nach Spanien geflogen und habe gestaunt, wie sie die Koffer aufgegeben hat. Ich bin hier nicht alltagstauglich. Das ist der Lauf der Dinge: Wir Eltern und Lehrer können von den Kindern lernen.

Sie meinen vor allem im Alltag?

Ja, im Alltag sehe ich es als Aufgabe innerhalb der Familien, gegenseitig voneinander zu lernen. Mir stößt sauer auf, dass alles auf die Schulen abgewälzt wird.

Zum Lernen in den Familien gehört sicherlich auch die gesprochene Sprache. Muss das reines Hochdeutsch sein oder ist Dialekt im Unterricht willkommen?

Natürlich. Wir sprechen alle mit einer Färbung. Wo ist das Problem?

Der Bund Bairische Sprache sagt, der Dialekt sei die beste Grundlage für die Mehrsprachigkeit. Wie wär’s, ihn als Unterrichtsfach anzubieten?

Hier gilt das Gleiche wie für die Alltagstauglichkeit. Der Dialekt kommt von Daheim. Es ist wunderbar, wenn ihn jemand noch sprechen kann. Und aus Erfahrung weiß ich, dass Kinder überhaupt kein Problem haben, vom Dialekt auf Hochdeutsch umzuschalten. Wir haben alle Dialekte, auch innerhalb des Kollegiums.

Hat ein ländlichen Gymnasium hier vielleicht sogar Vorteile?

Es ist wohl tatsächlich so, dass Leute, die hin- und herwechseln, einen kleinen Vorteil haben, weil sie eben ständig flexibel wechseln.

Woher kommen Sie und welchen Dialekt beherrschen Sie?

Ich komme ursprünglich aus München, lebe allerdings schon lange in Schwaben. Ich kann mich daher bayerisch und schwäbisch verständigen.

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