Perspektive

05.07.2017

Kloster sucht Mieter

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Oberin Eva Ortner rechnet damit, dass die Restaurierungsarbeiten in der Margaretenkapelle mindestens noch zwei Jahre dauern werden. Von der Sakristei drang der Rauch über dieses Fenster der Kapelle in die Flure des Klosters.
Bild: Berthold Veh

Vor zwei Jahren hat ein Brand in Maria Medingen gewütet. Eine Schwester starb, der Schaden lag in zweistelliger Millionenhöhe. Was den Franziskanerinnen Sorgen bereitet

Von außen erinnert aber auch gar nichts an den katastrophalen Brand, der das Kloster Maria Medingen vor zwei Jahren heimgesucht hat. Hortensien und Rosen blühen im Innenhof. Im Hintergrund entfaltet die imposante Fassade des Franziskanerinnen-Klosters ihre Wirkung. Und die Stille, die an diesem Sommertag über dem Areal liegt, gibt dem Ort wie so oft eine friedvolle Aura. Kaum zu glauben, dass es hier vor zwei Jahren zum größten Feuerwehreinsatz im Landkreis Dillingen nach dem Krieg gekommen ist. Etwa 300 Helfer rückten an jenem Sonntag, 5. Juli, kurz vor Mitternacht beim Kloster an, um noch Schlimmeres zu verhindern. Eine Schwester starb, den Sachschaden gab die Versicherungskammer Bayern mit 20 Millionen Euro an. „Und es vergeht bis heute kaum ein Tag, an dem wir nicht an diesen Brand denken“, sagt die Oberin Eva Ortner.

Stück für Stück haben sich die Franziskanerinnen ihr Kloster zurückerobert. Restauratoren und andere Handwerker leisten eine Sisyphus-Arbeit, um die Spuren des Feuers vergessen zu machen. Eine brennende Kerze im Nebenraum der Sakristei, so ergaben es die Ermittlungen, hatte den Brand ausgelöst. Die Margaretenkapelle, das spirituelle Herzstück des Klosters, hatte es besonders getroffen. Unter dem Gewölbe holen Restauratoren den Ruß von der Decke. Den Altar hat eine Firma mitgenommen, die Kosten für die Wiederherstellung liegen bei einer Million Euro, informiert Schwester Eva. Die Franziskanerinnen wären mit einer einfacheren Lösung zufrieden. Das Denkmalamt bestehe aber darauf, dass der Altar restauriert wird. „Wir wissen nicht, wie wir diese Summe aufbringen sollen“, sagt die Oberin. Die Kosten für die Wiederherstellung des Altars übernehme die Versicherung nicht.

Am 4. Oktober des vergangenen Jahres haben die Franziskanerinnen mit Bischof Konrad Zdarsa die erste heilige Messe nach dem Brand in der Klosterkirche gefeiert. Und seit dem 9. Dezember wohnen die Schwestern wieder in ihren Zimmern. „Es ist inzwischen wieder einigermaßen Normalität eingekehrt“, sagt Schwester Eva Ortner. Allerdings haben die Franziskanerinnen nur den Südostflügel des großen Klosterkomplexes bezogen. „Wir konzentrieren uns auf einen Trakt“, erläutert die 76-Jährige.

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Der Großbrand hat ein drängendes Problem der Franziskanerinnen in den Vordergrund gerückt. Im Klostergebäude wohnen nur noch 21 Schwestern, viele von ihnen haben bereits ein höheres Alter erreicht. Die Franziskanerinnen unterhalten das Kloster zusammen mit einem Hausmeister und zwei Helferinnen. Deshalb suchen die Schwestern schon seit Jahren nach Interessenten, die Teile des Klosters Maria Medingen nutzen wollen. Dazu wurde eine Kommission für die zukünftige Nutzung des Klosters gebildet, die Ideen sammelt. „Das Kloster Maria Medingen soll weiterhin einen geistlichen Charakter haben“, betont die Oberin. Den Schwestern schwebt „etwas Ganzheitliches für Leib und Seele“ vor. Auch auf ökologisches Wirtschaften legen die Franziskanerinnen Wert. „Wir brauchen einen Investor, der Bezüge zur christlichen Ausrichtung dieses Orts hat“, sagt die Oberin.

Derzeit staunen immer wieder Besuchergruppen über die restaurierte Medinger Klosterkirche. Die Schwestern können über die Margarete-Ebner-Kapelle ins Gotteshaus gelangen. „Betreten strengstens verboten!!!! Lebensgefahr!!!“, steht dort an der Tür. Die Franziskanerinnen haben sich aber zusichern lassen, dass sie den kürzeren Weg benutzen dürfen und nicht ins Freie müssen, um zur Klosterkirche zu gelangen. Dort werden sie heute einen Dankgottesdienst feiern. Und morgen gedenken die Franziskanerinnen in einer heiligen Messe ihrer verstorbenen Mitschwester. Am Freitag folgt ein dritter Gottesdienst – Beginn ebenfalls um 7 Uhr. „Dort wollen wir unsere Dankbarkeit gegenüber den Feuerwehrleuten und anderen Einsatzkräften zum Ausdruck bringen“, teilt Schwester Eva Ortner mit. Die Helfer hätten in jener Schreckensnacht vor zwei Jahren eine noch größere Katastrophe verhindert.

Damit solch ein Inferno nicht mehr vorkommen kann, wurden überall in den Klostergängen Brandschutztüren aus Glas installiert. Am Pfingstsonntag haben die Franziskanerinnen erste Erfahrungen mit dem neuen Brandschutz-Konzept gemacht. Mitten in der heiligen Messe tönte das Alarmsignal, berichtet Schwester Eva. „Der Weihrauch löste den Alarm aus“, sagt die Franziskanerin. Jedenfalls könne man jetzt sicher sein, dass das Brandschutz-System funktioniert.

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