1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Knochenmarkspende als Weihnachtsgeschenk

Buttenwiesen

25.12.2019

Knochenmarkspende als Weihnachtsgeschenk

Pierre Süß bei der Knochenmarkspende. Der Fußballer hat zusammen mit der SSV Höchstädt eine Typisierungsaktion organisiert.
Bild: Andrea Maier

Plus Ein Fußballspieler aus Buttenwiesen hat gespendet und hofft, dass ein kleiner Junge irgendwo in Deutschland jetzt gesund werden kann. Was er zusammen mit der SSV Höchstädt nun initiiert hat

Sein schönstes Weihnachtsgeschenk kommt vielleicht noch. Pierre Süß hat alles dafür getan, was in seiner Macht stand. Jetzt bleibt ihm ein Hoffen, das über die Weihnachtstage hinausgehen wird. Denn Ende Januar/Anfang Februar erfährt der 32-Jährige aus Hinterried, ob ein sechs- bis zwölfjähriger Bub, der irgendwo in Deutschland lebt, aufgrund seiner Hilfe gesund werden kann. Ob das Knochenmark, das Pierre Süß im Oktober gespendet hat, vom Körper des krebskranken Kindes angenommen wurde. „Das wäre das Schönste,“ sagt Pierre, „zu wissen, dass es geholfen hat.“ Einem Kind das Leben zu retten, einem Kind, das vielleicht genauso alt ist wie der sechsjährige Ben-Luca, der kleine Sohn von Süß.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Pierre Süß ist noch immer ganz überrascht, wenn er daran denkt, was sich im vergangenen halben Jahr in seinem Leben ereignet hat. Eigentlich hatte er am Anfang alles ganz leicht genommen. Schon 2016 hatte sich Pierre mit weiteren 96 Turnierteilnehmern und hilfsbereiten Menschen aus Binswangen als Fußballspieler des SV Roggden beim VR-Bank-Cup mit einem Wangenabstrich bei der Deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) registrieren lassen. „Man gibt seinen Abstrich ab – ich dachte mir, das war’s dann,“ erzählt Pierre. – War es nicht. Dieses Jahr im Juli bekam er die Nachricht, dass sein Abstrich ein „Volltreffer“ war und seine genetischen Daten genau zu denen eines jungen Patienten passen, der das Knochenmark braucht – ein genetischer Zwilling also.

Ein Gesundheitscheck ist notwendig

„Das geht einem schon nahe, wenn man erfährt, dass man einem Kind mit einer Stammzellspende helfen kann“, bemerkt der junge Vater. Jetzt lief die Aktion Schritt für Schritt an. Die Stammzellspende war schon für September angedacht, aber der kranke Junge bekam eine Erkältung, sodass die Spende verschoben werden musste. „Da fiebert man im wahrsten Sinne des Wortes mit“, erinnert sich Pierre. Im Oktober war es dann so weit. Nach einem umfangreichen Gesundheitscheck setzte sich der Hobby-Fußballer fünf Tage lang die kleinen Spritzen, welche die zusätzliche Stammzellbildung im Körper anregten. Am sechsten Tag wurden im Klinikum in Stuttgart die überschüssigen Stammzellen aus seinem Blut herausgefiltert und in einem Beutel zu „seinem“ kleinen Patienten gebracht.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Zweimal musste Süß in die Klinik fahren, übernachtete jeweils im Hotel. Die Stammzellenspende erlebte er ähnlich wie eine Blutspende. „Ich war schon ein bisschen nervös“, gibt der 32-Jährige zu. Er wurde natürlich im Vorfeld umfangreich über die Vorgehensweise aufgeklärt, erzählt er. Letztendlich sei es gar nicht schlimm gewesen. Im Klinikum wurde ihm an einem Arm Blut abgenommen. Das Blut läuft dann durch Maschinen, in denen die Knochenmarkzellen herausgefiltert werden. Am anderen Arm bekam Süß sein Blut dann wieder zurück. „Bei mir dauerte das drei Stunden.“ Und wie hat er sich dabei gefühlt? „Ein bisschen geschwächt, aber nicht kaputt.“

Der Spender hofft auf gute Nachrichten

Das war alles, was Süß tun musste. Seither wartet er und hofft auf gute Nachrichten, dass der Junge die Stammzellen angenommen hat und sein Körper neue kräftige Stammzellen bilden konnte. Pierre Süß wollte aber nicht nur warten, sondern selbst weiter aktiv werden. Deshalb hat er zusammen mit der DKMS und der SSV Höchstädt, wo er bis zum Ende dieser Saison Fußball spielte, eine Typisierungsaktion initiiert. Jeder im Alter von 17 bis 55 Jahren kann sich bei der DKMS per Wangenabstrich, also mit einer Speichelprobe, die er abgibt, registrieren lassen. Das geht ganz einfach, sagt Süß: „Mund auf und Stäbchen rein.“

Aus dem Landkreis Dillingen sind von 96000 Einwohnern mittlerweile 12800 über die DKMS typisiert. „Das ist mit 13,3 Prozent Typisierten eine stolze Zahl, zeigt aber, dass noch sehr viel Potenzial vorhanden ist“, hofft Brigitte Lehenberger von der DKMS zusammen mit Pierre Süß auf viele weitere hilfsbereite Spender.

Spendenaktion Gelegenheit für die Spende und damit zur Aufnahme bei der DKMS gibt es am Freitag, 27. Dezember, von 17 bis 20 Uhr in der Nordschwabenhalle Höchstädt im Rahmen des Fußball-Hallenturniers. Auch jeder Euro ist willkommen auf dem DKMS-Spendenkonto bei der VR-Bank Neuburg-Rain, IBAN: DE80 721 69756 0000 627569, Stichwort: Höchstädt.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren