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Landwirtschaft

15.06.2012

Kostenloser Dünger aus dem Atomkraftwerk

„Die Leute wollen wissen, was das ist.“Johannes Rigel, Landwirt aus Binswangen

Bauern aus der Region nutzen Donaukalk aus Gundremmingen

Binswangen/Gundremmingen 55000 Tonnen Kalk fallen laut Pressesprecher Tobias Schmidt im Kernkraftwerk Gundremmingen jährlich an. Etwa die Hälfte davon landet auf den Äckern und Wiesen unserer Region. Die andere Hälfte wird in den Kreisen Günzburg und Neu-Ulm an Landwirte verteilt. Auch derzeit leuchten wieder die okergelben Kalkhaufen an den Ackerrainen, so wie in Binswangen. Johannes Rigel, ein junger Bauer, wird oft danach gefragt: „Die Leute wollen wissen, was das ist.“ Bedenken gegen den Donaukalk aus Gundremmingen hat er selbst nicht. Denn, wie auch Atomkraftgegner bestätigen, sei der Donaukalk nicht mit radioaktiven Stoffen kontaminiert. Der Kalk wird dem Donauwasser entzogen, das die Sprüh- und Verdunstungsverluste in den beiden Kühltürmen ersetzt. „Der Wasserkreislauf der Kühltürme hat keinen Kontakt zum nuklearen Teil der Anlage“, so Pressesprecher Schmidt.

Seit drei Jahrzehnten bieten die Betreiber des AKW den anfallenden Kalk kostenlos dem Maschinen- und Betriebshilfsring in Dillingen an. Geschäftsführer Werner Müller freut sich über diese langjährige Kooperation. Von den über 1100 Mitgliedern nutzen etwa zehn Prozent den Donaukalk als günstiges Düngemittel. Für den Transport vom AKW zum Acker zahlt der Landwirt lediglich einen kleinen Unkostenbeitrag, die Fracht bezahlen die AKW-Betreiber. Im Vergleich: Kalk kostet im freien Handel etwa das Zehnfache, Brandkalk das Zwanzigfache.

Zu Beginn der Kooperation habe es durchaus Vorbehalte gegen den Donaukalk aus Gundremmingen gegeben, schildert Werner Müller die Anfänge. Doch mittlerweile sei eine breite Akzeptanz da. Der Kalk werde zudem regelmäßig von den Kernkraftwerksbetreibern untersucht und dem Maschinenring vorgelegt. Ohne Zweifel: „Donaukalk ist ein hochwertiger Dünger und hält die Anforderungen der Düngemittelverordnung ein.“

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Zu 60 bis 65 Prozent besteht er laut Kraftwerkssprecher aus basischem Calciumcarbonat, 30 bis 35 Prozent seien Restfeuchte, fünf bis zehn Prozent Feinsand und Schwebstoffe aus der Donau sowie ein Prozent Magnesium.

Warum der Donaukalk von den AKW-Betreibern verschenkt wird, erklärt Pressesprecher Schmidt so: „Man will damit der Region etwas Gutes tun.“ Diese Praxis solle weiter betrieben werden, auch wenn es durchaus Alternativen gäbe. Beispielsweise könnte der Donaukalk zum Verfüllen von Baggerseen verwendet werden. Außerdem gibt es in Günzburg die Möglichkeit einer Deponie. Die sinnvollste Verwendung sei jedoch, so Schmidt weiter, die Abgabe an Landwirte der Region rund um das AKW. Für Raimund Kamm, seit Jahrzehnten Atomkraftgegner und Kenner des Gundremminger Atombetriebes, sieht in der Aussage Ironie: „Zuerst gibt man der Region die radioaktiven Abgase und dann den Kalk.“

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