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Literatur
24.11.2021

Die Zuhörer erleben ein Abenteuer in Buttenwiesen

Peter Dempf las aus seinem außergewöhnlichen Jugendbuch „Das Geheimnis von Buttenwiesen“ vor.
Foto: Ritter

Der Autor Peter Dempf aus der Region reißt im Zehentstadel sein junges Publikum mit.

„Wie schön wäre es, wenn die Gebäude beginnen würden, zu erzählen, was sie schon alles in unserer Gemeinde erlebt haben.“ Das hat sich Bürgermeister Hans Kaltner immer wieder gewünscht, als er im Rahmen seines Amtes mit der Renovierung verschiedener alter Bauwerke in Buttenwiesen befasst war, etwa mit dem Zehentstadel und aktuell mit dem Rathaus.

Bernhard Hof, Beauftragter der Gemeinde Buttenwiesen für jüdisches Erbe und Erinnerungskultur, hatte die Idee, ein Buch darüber in Auftrag zu geben – ein Buch für Kinder und Jugendliche. Der passende Autor war schnell gefunden, denn sein ehemaliger Kollege Peter Dempf vom Justus-von-Liebig-Gymnasium Neusäß hat schon mehrere historische Romane, die in der Region spielen, geschrieben. Archivar Johannes Mordstein suchte einige historische Quellen für ihn zusammen, und so entstand in viermonatiger Arbeit der Abenteuerroman „Das Geheimnis von Buttenwiesen“, in dem sich Fiktion und Wirklichkeit vermischen. Zwei Kinder erleben darin eine Zeitreise in die Vergangenheit und lernen verschiedene Stationen der 370-jährigen jüdischen Geschichte der Gemeinde kennen.

Spannende Zeitreise in Buttenwiesen

Drei dieser Stationen wurden am Sonntag im Rahmen einer Lesung im Zehentstadel Pfaffenhofen präsentiert. Es war spannend, zu hören, was an Orten, die man persönlich kennt, passiert sein könnte oder vielleicht sogar wirklich passiert ist. Vor dem inneren Auge wurde das Gelesene Wirklichkeit, und man wird womöglich beim nächsten Besuch in Binswangen nach der „Judenhecke“ Ausschau halten oder nachforschen, wo die Krämer wohl ihre Waren feilgeboten haben.

Die Zeitreise der Kinder startet auf dem Dachboden der ehemaligen Synagoge, wo Noah und Deliah geheimnisvolle, verschmutzte Schriftstücke finden. Sie erkennen sofort: „Das sind keine normalen Buchstaben. Ein merkwürdiges Gekritzel.“ Die Papiere sind „leicht vermodert, zerbröselt und steckten in einer Art Erde“, aber Noah ist überzeugt, dass es sich um einen wahren Schatz handelt. Die Kinder verbergen sie unter ihrer Kleidung. Lehrer Hempel, der sie erwischt, warnt sie noch voller Panik: „Lasst die Finger von den Sachen!“ – doch da sind sie schon auf dem Weg in eine andere Dimension.

Den Juden blieben einst nur harte Entscheidungen

Sie wachen auf zu der Zeit, als die Markgrafschaft Burgau einigen Juden erlaubt hat, sich in der Gemeinde Buttenwiesen niederzulassen. Eine Gruppe verarmter jüdischer Siedler will im alten Zollhaus einziehen. Nicht alle Bewohner sind davon begeistert, und so schlägt ihnen von Anfang an Hass entgegen: „Haut ab! Wir wollen euch Pack hier nicht! Keine Juden in Buttenwiesen!“ Doch nach dem Motto „Lieber hier angefeindet, als in Wertingen totgeschlagen werden“ bleiben die Juden da, trotz gewisser Einschränkungen: „Häuser ja (…). Aber keine Ställe, keine Äcker, kein Handwerk. Nur Gärten zur Eigenversorgung.“

Die dritte Episode spielt zur Zeit des Dritten Reichs. Vor der Kirche in Buttenwiesen steht eine Schautafel mit der Aufschrift „Die Rassenfrage ist der Schlüssel zur Weltgeschichte. Frauen und Mädchen – die Juden sind euer Unglück.“ Vier Männer, die Deliah nicht geheuer sind, treffen mit ihrem Wagen in Buttenwiesen ein. Sie fragen nach dem jüdischen Krämer Hugo Lammfromm. Deliah und Noah versuchen noch, die Männer auf eine falsche Fährte zu locken und den Gesuchten zu warnen, können ihn aber nicht retten und müssen vom Lagerraum seines Ladens aus tatenlos zusehen, wie die Männer mit den schweren schwarzen Mänteln bei ihm eintreffen …

Nach einer spannenden Lesung mit musikalischer Begleitung von drei Schülern und vier Schülerinnen der Musikschule Wertingen blieben einige Fragen offen: Was passiert mit Hugo Lammfromm? Gelingt es Noah und Deliah, nach Hause – oder besser: ins Buttenwiesen der Gegenwart – zurückzukehren? Und werden sie das außergewöhnliche „Tattoo“ auf ihrem Bauch wieder los?

Die jugendlichen Zuhörer sind mitgerissen

Und wie kam die Geschichte bei den Kindern an? „Ich frage mich, wie sich die Juden gefühlt haben. Alle waren fies zu ihnen!“, meint Jonas Rieß. Seine Saxofonpartnerin Nina Reiter ergänzt: „Ich fand cool, was man über das jüdische Leben damals erfahren hat.“ Jakob Baier (Saxofon) und sein Bruder Johannes (Posaune) loben den Schreibstil, weil man sich alles gut vorstellen kann, und fanden auch die Verteilung von Lese- und Musikstücken sehr gelungen. Und die Querflötistinnen Sarah Steger, Lina Rieß und Larissa Burkard sind gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Da passt es perfekt, dass alle jungen Musiker als Dankeschön das Buch bekommen haben, natürlich mit einer persönlichen Widmung des Autors. Auch bunte Illustrationen von Karlheinz Uhl und ein Rätsel befinden sich darin, was die Lektüre für Kinder umso abwechslungsreicher macht. Aber auch Erwachsene fesselt das Buch, wie Bürgermeister Kaltner betont: „Ich bin nicht mehr davon losgekommen und finde faszinierend, dass man mit einer schönen, spannenden, keineswegs belehrenden Lektüre so viel über die jüdische Geschichte Buttenwiesens lernen kann.“ Wer auch hineinhören möchte, kann über die Homepage www.lernort-buttenwiesen.de den YouTube-Link mit der Lesung finden, denn die Veranstaltung wurde zusätzlich gestreamt.

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