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Bocksberg

25.06.2017

Markt läuft perfekt, Sonnwendfeuer abgesagt

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3 Bilder
Welcher Hut passt zu wem? Die Modistin Margreth Bilger (mit Kappe) berät (von links) Anita Liebert, Rosmarie Marquart und Christine Ohm. 
Bild: Hassan

 Als es am Samstag losging, hatte einer der Organisatoren seine Arbeit quasi beendet. Teilweise von weit her kamen Aussteller wie Besucher. Was den Reiz des Marktes ausmacht.

Von seinem Haus sieht Hermann Jäckle auf den Burgberg. Und der Bocksberger freut sich, wenn’s dort oben lebendig wird. Ob’s ihm zuhause irgendwann zu laut wird, kann er nicht sagen. Denn der 56-Jährige feiert jedes Mal aktiv mit. Und das seit 14 Jahren. Damals luden die heimischen Vereine samt Kirche und Jugend das erste mal ein zum Bocksberger Burgmarkt. 40 Aussteller verteilten sich auf dem weitläufigen ehemaligen Burggelände. Mittlerweile sind’s gut 70, jeder von ihnen froh, einen Platz bekommen zu haben. Denn Bewerbungen hatte Hermann Jäckle 170 auf seinem Schreibtisch liegen. Als er am Samstagnachmittag froh gelaunt zwischen den Marktständen dahinschlendert, liegt die meiste Arbeit bereits hinter ihm. Täglich hatte der Lehrer und stellvertretende Bürgermeister von Laugna in den vergangenen Wochen Zeit auf dem Burggelände und mit dem Markt verbracht. Zum Endspurt wies er die einzelnen Aussteller ein, zog den einen mit dem Traktor das letzte Stück des Berges hoch, erteilte den anderen letzte Infos. Am Freitagabend war für ihn der Markt quasi abgeschlossen. „Ab da denke ich bereits an den nächsten Markt“, sagt er grinsend. So hat er gerade zwei schattige Plätzchen für weitere Aussteller gefunden. Damit kann er nächstes Jahr auf 74 aufstocken. „Doch damit ist Schluss – wir wollen den heimeligen Rahmen bewahren“, betont Hermann Jäckle.

Und genau das scheinen Aussteller wie Besucher zu schätzen. Sie kamen am Wochenende teilweise von weither nach Bocksberg, die 58-jährige Silke Schröder aus dem nördlichsten Deutschland, kurz vor der dänischen Grenze. Sie arbeitet sehr viel mit Mooreichen, gestaltet zusammen mit anderen Naturmaterialen Türkränze und Herzen. Alles trägt eine persönliche Note, teilweise auch ihre Handschrift.

„Kunst und Garten“ – unter diesem Titel läuft der Bocksberger Markt. Und darauf legt Hermann Jäckle großen Wert. Acht Gärtner waren in diesem Jahr dabei. Die gehören für den Organisator eindeutig dazu – „auch wenn sie wesentlich mehr Platz brauchen“. Bei den übrigen Ausstellern setzt Jäckle auf Vielfalt, Handwerk und Qualität. „Wir wollen keinen Kruschtmarkt!“

Das hat sich herum gesprochen. Beispielsweise nach Todtenweis, jenseits des Lechs. Dort haben Christine Ohm ihre Arbeitskollegen bereits voriges Jahr von dem Bocksberger Markt vorgeschwärmt. Daruafhin mobilisierte sie kurzerhand ihre Cousine Anita Liebert aus Geratshofen. Dieses Jahr kamen die beiden „natürlich wieder“, und brachten noch eine Freundin mit. „Hier gibt’s Sachen, die’s woanders nicht gibt“, bringt’s die 54-jährige Christine Ohm auf den Punkt. Einen neuen Hut trägt sie bereits auf dem Kopf. Gleich am Eingang hat sie auch schon ein Geburtstagsgeschenk für ihren Mann erstanden: ein Löwe, der majestätisch auf einem Stein steht. Jetzt probieren die drei Frauen weitere Strohhüte und Leinenkappen am Stand von Margreth Bilger aus. Die Hutmacherin kommt zum dritten Mal nach Bocksberg. Ihr gefällt die Atmosphäre unter den grünen Bäumen. Von ihrem Stand kann sie ihren Blick ins Laugnateil schweifen lassen. Doch dafür bleibt im Moment wenig Zeit. Viele interessieren sich für ihre handgenähten ausgefallenen und gleichzeitig alltagstauglichen Kopfbedeckungen. Manch eine(r) bleibt stehen und gibt einen Kommentar ab. „Den müssen Sie nehmen, der sieht super aus.“ Das ist es, was den drei Freundinnen gefällt: Sich zeitlos treiben lassen und mit den Menschen in Kontakt kommen. Das gönnt sich zwischendurch auch Organisator Hermann Jäckle. Er hat bereits einen Brunnen aus aufgeschichteten Steinen gesehen, den er gerne kaufen möchte. Erst will er sich noch mit seiner Frau absprechen und bei den anderen Helfern – drei Hauptorganisatoren und 160 Unterstützer – erkundigen, ob sie was brauchen. Eines steht am Nachmittag bereits fest: Das Sonnwendfeuer muss in diesem Jahr ausfallen, auch wenn das Holz bereits aufgeschichtet ist. „Es besteht Waldbrandgefahr – Warnstufe fünf“, erzählt Jäckle. „Die Besucher werden’s verstehen“, ist er sich sicher. Immerhin wollen alle diesen schönen Platz bewahren, den auch Michaela Gronmayer sehr schätzt. Gemeinsam mit ihrer Familie ist die 49-Jährige vor 15 Jahren nach Bocksberg gezogen. Seit zehn Jahren bietet sie auf dem heimischen Markt ihre Glaskunstwerke und Silberschmuck an. Sie hatte die kürzeste Anreise, wohnt sie doch gleich am Aufgang zur Burg. Regelmäßig nimmt sie an Märkten teil. Den Bocksberger empfindet sie als etwas ganz Besonderes, nicht nur weil sie auf dem Gelände oft spazieren geht. „Toll, wie hier alle zusammen helfen, keiner ist Profi und dennoch läuft alles professionell – das wirkt.“

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