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23.03.2009

Mehr Lehrer, kleinere Klassen

Landkreis Augsburg "Grundschule ganz stark", das ist das Motto einer Aktion des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), die jetzt anläuft und auch eine Unterschriftenaktion beinhaltet. Im Sommer soll eine Petition an den Bayerischen Landtag gerichtet werden. Der Vorstand vom BLLV-Kreisverband erläuterte beim Gespräch in unserer Redaktion, was genau gefordert wird.

"Der Druck auf die Schüler wird immer größer, und das bereits in der Grundschule", sagt Gabriele Ullersberger, Konrektorin an der Volksschule in Langweid. Wenn die neuen Übertrittsregeln zum nächsten Schuljahr greifen, werde das Ausleseprinzip noch härter. "Wir beraten dann die Eltern von Drittklässlern, die acht bis neun Jahre alt sind, über deren schulische Zukunft", so Stefan Blümelhuber, Grundschullehrer an der Parkschule Stadtbergen.

Und damit waren die Lehrer gleich mitten im Thema, die Neuerungen, die aus dem Kultusministerium kommen. Wie berichtet soll ja der Übergang von der 4. zur 5. Klasse vereinfacht werden. Ziel ist es, dass Schüler in der Fünften noch mal die Schulart wechseln können - und zwar in alle Richtungen, vom Gymnasium auf die Realschule, von der Volksschule auf weiterführende Schulen.

Dass das funktioniert, bezweifeln die Lehrer. Karin Klos, Konrektorin an der Eichenwaldschule in Neusäß, hat das anhand der Fremdsprache Englisch überprüft. In der Realschule hat der Stoff, den die 5. Klasse lernt, ein Niveau, das dem der achten Jahrgangsstufe der Hauptschule entspricht. "Die Durchlässigkeit ist nur für Gymnasien und Realschulen gegeben", sagt Gabriele Ullersberger. Um die Grundschule, die ja die Grundlage für das weitere Lernen der Kinder bildet, zu stärken, müssten mehr Lehrer her. Das ist eine zentrale Forderung des BLLV. "Wir haben viel zu große Klassen", so die Vorsitzende Ullersberger. Als Lehrerin in Langweid macht sie die Erfahrungen, wie schwierig es gerade in der 4. Klasse ist, auf der einen Seite Kinder mit Migrationshintergrund und auf der anderen Seite Hochbegabte gemeinsam zu betreuen.

Mehr Lehrer, kleinere Klassen

Um beiden Gruppen gerecht zu werden, wünscht sich Stefan Blümelhuber sowohl mehr Förderunterricht für die eher schwächeren Schüler als auch einen, wie er es nennt, Forderunterricht für die lernstarken Buben und Mädchen. "Es ist wichtig, die für das G 8 fit zu machen." Stichwort G 8. Die hohen Anforderungen würden dazu führen, dass die Zahl der Rückkehrer auf andere Schularten steigt. Ullersberger: "Schon jetzt machen 36 Prozent der Gymnasiasten kein Abitur."

Mit Sorge betrachten die Lehrer Schüler, die sie für viel zu jung und noch nicht reif für den Übertritt auf das Gymnasium halten. Deshalb wünschen sie sich eine längere Grundschulzeit. "Gerade Finnland, das ja in der Pisa-Studie am besten abgeschnitten hat, belässt die Kinder bis zur 9. Klasse zusammen", erklärt Karin Klos. Sie wünscht sich wenigstens sechs gemeinsame Jahre. Im Alter von zwölf oder 13 sei es einfacher, eine Entscheidung zu treffen.

Dass dieser Wunsch in Erfüllung geht, wagen die drei nicht zu hoffen. Das sei seit der Einführung der sechsstufigen Realschule in weite Ferne gerückt.

Die Unterschriftenlisten gibt es im Internet unter

www.grundschule.bllv.de

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