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22.01.2019

Mit Sprachwitz gegen Modediktat und Beauty-Industrie

Inka Meyer zerpflückt eine Mode-Zeitschrift nach allen Regeln der Kabarettkunst – und muss selber darüber lachen.
Bild: Helmut Sauter

Kleinkunstbühne Inka Meyer, ein neuer Stern am Kabaretthimmel, hatte in Pfaffenhofen die Lacher auf ihrer Seite

Pfaffenhofen Wieder einmal hatte die Kleinkunstbühne Lauterbach ein feines Näschen für junge, unver-brauchte Talente der Kabarettszene. Mit Inka Meyer aus dem hohen Norden der Republik zogen die Brettl-Macher einen „dicken Fisch“ an Land, der bisher in südlichen Gefilden Bayerns so gut wie unbekannt war. Im brechend vollen Wirtshaussaal beim Straub, denn keiner wurde vom Brettl-Chef Gerhard Sauter nach Hause geschickt, spielten sich zweieinhalb Stunden Lach- und Klatschorgien ab, die den Wirbelwind Inka Meyer zu sprachlicher und komödiantischer Höchstleistung trieben.

Inka Meyer vereint alle Waffen, die eine exzellente Kabarettistin ausmachen: sprachliche Eloquenz und Schärfe, originelle und freche Pointen, komödiantisches Talent und vor allem eine unbefangene, authentische Publikumsnähe, die niemals bloßstellt, sondern immer partnerschaftlichen Konsens anbietet.

Ihr aktuelles Programm „Der Teufel trägt Parka“ zielt schon in der Schlagzeile auf ein Thema, das Frauen und Männer gleichermaßen beschäftigt: Das allmächtige Modediktat, das tagtäglich durch eine Vielzahl von Hochglanzzeitschriften, überzogene Werbeversprechen der Schönheitsindustrie auf allen Kanälen und das Hochschaukeln eines persönlich makellosen Körpers im Freundeskreis angeheizt wird. Den Feldzug gegen die Pelzindustrie, die unzählig angepriesenen Diätkuren oder die unsäglichen Nahrungsergänzungsmittel führt die Wortkünstlerin nicht mit dem Holzhammer, sondern mit feiner Klin-ge, witzigen Vergleichen und zauberhaften Sprüchen, und nicht zuletzt mit jugendlicher Leichtigkeit, die verrät, dass ihr Körper und ihr seelisches Gleichgewicht all diese verqueren Schönheits- und Gesundheitserhaltungsmittelchen nicht brauchen. Sie brauchen keinen „Moschusduft“ à la Helene Fischer, keinen „Aroniasaft“ gegen freie Radikale, keinen Algenschleim gegen Falten und keinen Weizengrassmoothie. Denn Inkas Motto lautet: „Trinkst du Friesentee, hast du klaren Geist“ – ein Motto, das schon ihre Oma und die Queen von England sehr alt und „abgebrüht“ werden ließ.

Inka Meyer spielt exzellent auf der Klaviatur von Satire und Poesie, von Wirklichkeit und Fantasie. Mit ihrem intelligenten Humor und ihrem natürlichen Charme mischt sie die Erfahrungen eigener Körperlichkeit mit vergnüglicher, zeitweise auch satirischer Gesellschaftskritik, ohne die Grenzen des guten Geschmacks zu verletzen. Ohne Zugabe lassen sie die begeisterten Besucher nicht von der Bühne. Der E-Mail-Verkehr der Eltern mit ihr als Leiterin einer Kindertheatergruppe gerät noch einmal zu einer gnadenlosen, aber ungemein witzigen Abrechnung zwischen grünen „Gemüsekisten-Eltern“ und sorglosen „Aldi-Vätern“, die sich ideologiebeladen gegenüberstehen. Noch einmal eine humorvoll verpackte, doch durchaus ernst gemeinte Kritik an der spürbaren Spaltung unserer Gesellschaft.

Im Saal war davon nichts zu spüren, denn unisono waren sich die Brettl-Fans einig: Eine originelle, sprachlich ungemein gewandte und inhaltlich fesselnde Kabarettistin, deren Aufstieg in die erste Garde der Wort- und Bühnenkünstler nicht aufzuhalten ist.

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