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Typisierung

09.02.2018

Mit Wattestäbchen in Wertingen gegen Leukämie

Mit Wattestäbchen gegen Leukämie. Am 17. Februar findet in der Wertinger Stadthalle im Rahmen der Endrunde zur bayerischen Hallenfußballmeisterschaft der Frauen eine Typisierungsaktion der Stiftung Knochenmarkspende Bayern statt, um an Leukämie erkrankten Menschen helfen zu können. Im Bild unten der siebenjährige Lukas aus Mörnsheim im Landkreis Eichstätt. Der Fan des TSV 1860 München war schwer erkrankt, kann nun aber wieder mit seinem Bruder völlig gesund auf den Fußballplatz gehen.
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Mit Wattestäbchen gegen Leukämie. Am 17. Februar findet in der Wertinger Stadthalle im Rahmen der Endrunde zur bayerischen Hallenfußballmeisterschaft der Frauen eine Typisierungsaktion der Stiftung Knochenmarkspende Bayern statt, um an Leukämie erkrankten Menschen helfen zu können. Im Bild unten der siebenjährige Lukas aus Mörnsheim im Landkreis Eichstätt. Der Fan des TSV 1860 München war schwer erkrankt, kann nun aber wieder mit seinem Bruder völlig gesund auf den Fußballplatz gehen.
Bild: Marcus Merk

Große Aktion bei bayerischer Hallen-Endrunde der Frauen im Futsal am 17. Februar in Wertingen. Eine Stammzellenspende rettete einem siebenjährigen Buben das Leben, für den kleinen Maxim kam jede Hilfe zu spät

Eines hat der siebenjährige Dominik aus Mörnsheim im Landkreis Eichstätt mit Stefan Czerwenka aus Stadtbergen gemeinsam. Beide sind Fußballfans. Doch es gab Zeiten, da war bei ihnen und ihren Familien der Fußball völlig außen vor. Dominik litt unter MDS – einer schweren Erkrankung des Knochenmarks. Bei ihm wurde eine Autoimmunthrombozytopenie diagnostiziert; eine Krankheit, bei der der Körper unter einem Mangel an Blutplättchen leidet. Anfang 2015 kam mit einer neuen Diagnose der nächste Schock. MDS – das Myelodysplastische Syndrom. Typisch für die Erkrankung ist, dass das Knochenmark nicht mehr in der Lage ist, vollständig funktionstüchtige Blutzellen zu bilden. Besonders tückisch: Nicht selten folgt auf MDS eine akute Leukämie. Die Rettung für Dominik war eine Stammzellenspende. Er ist inzwischen wieder völlig gesund geworden.

Es kann aber leider auch anders laufen. Im Februar 2015 kam für den fast vierjährigen Sohn von Stefan Czerwenka, der mit seiner Familie lange Zeit im Altenmünsterer Ortsteil Hennhofen lebte, jede Hilfe zu spät. Maxim hatte Leukämie und starb. Eine große Typisierungsaktion im Winter vor vier Jahren in der Schulturnhalle in Altenmünster, an der sich 2278 Menschen beteiligten, brachte nicht den erhofften Erfolg. Eine lebensrettende Stammzellenspende konnte bei Maxim nicht mehr durchgeführt werden. Zu lange dauerte die Suche nach einem passenden Spender. Maxim starb wenige Tage vor der Typisierungsaktion an einer Lungenentzündung.

Vater Stefan Czerwenka vergleicht im Nachhinein die Aktion wie das oft zitierte Suchen einer Stecknadel im großen Heuhaufen. Und dennoch ist der 43-Jährige dankbar, dass sich damals so viele Menschen aus der Region zwischen Dillingen, Wertingen, Günzburg und Augsburg an der Aktion beteiligt haben. Alle Teilnehmer wurden in ein weltweit vernetztes Spenderregister aufgenommen. „Je mehr Namen registriert sind, desto mehr besteht die Chance, für Erkrankte einen passenden Spender zu finden“, erklärt Manuela Ortmann von der Stiftung Aktion Knochenmarkspende in Bayern (AKB).

Um einige Personen erweitert werden soll die Datei nach dem 17. Februar dieses Jahres. An diesem Tag findet nämlich ab 11 Uhr in der Wertinger Stadthalle die Endrunde um die bayerische Futsal-Meisterschaft der Frauen statt. Ausrichter ist die Fußball-Abteilung des TSV Wertingen. Unterstützt wird die Aktion vom Bayerischen Fußballverband.

Dabei sein wird am 17. Februar auch TSV-Abteilungsleiter Christoph Krebs. Nicht nur um organisatorische Dinge rund um das sportliche Geschehen wird sich Krebs an diesem Tag kümmern. „Ich werde mich selbst auch typisieren lassen“, verspricht der 42-Jährige. In den kommenden Tagen möchte Krebs im privaten und im sportlichen Umfeld des TSV Wertingen dafür werben, dass nach Möglichkeit viele Menschen aus der Region im Alter zwischen 17 und 45 Jahren ins Foyer der Stadthalle kommen. Dort wird durch zwei Mitarbeiterinnen der AKB bei den potenziellen Lebensrettern lediglich eine Speichelprobe mit Wattestäbchen durchgeführt wird. Die Speichelprobe und die Aufnahme der Personalien dauert nur wenige Minuten, verspricht Manuela Ortmann. Und das alles zum Nulltarif. Die Kosten für die nachfolgenden Untersuchungen übernimmt die Stiftung Knochenmarkspende Bayern.

Beteiligen an der Aktion in Wertingen sollen sich auch die Spielerinnen der acht Frauenmannschaften der Futsal-Endrunde während einer Spielpause. Damit die Spielerinnen hinterher sofort wieder bei Kräften sind, wird auf eine ansonsten übliche Blutentnahme bei Typisierungen verzichtet. Die wichtigen Gewebemerkmale eines möglichen Spenders, so Manuela Ortmann, können auch aus den Zellen der Mundschleimhaut untersucht werden. Wird man bei einer Testperson fündig, wird hinterher Blut entnommen und untersucht. Die Ergebnisse werden in anonymer Form von der Datenbank weltweit für Suchzentren zur Verfügung gestellt. Die Registrierung umfasst eine aufwendige molekulargenetische Gewebeuntersuchung.

Bei dem kleinen Maxim war die Leukämie nicht mehr heilbar. Für ihn wurde kein passender Spender gefunden. Das Leid, das Maxims Eltern ertragen müssen, soll anderen Angehörigen erspart bleiben. Deshalb sind Typisierungen so wichtig, betont Manuela Ortmann. Insgesamt betreut die Stiftung AKB knapp 310000 Spender aus Bayern, bislang wurden schon an die 4000 Stammzellspenden vermittelt, täglich kommen drei bis vier neue dazu. Die Zahl der registrierten Spender müsse laut AKB nicht nur erhöht werden, sondern es gilt auch, den altersbedingten Schwund in der Datei – immerhin 10 000 Menschen pro Jahr – aufzufangen.

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