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Wertingen

26.01.2019

Mit der Säge gegen den Eichenprozessionsspinner

Nur noch zwei Eichen stehen an der Hecke in Rieblingen, an der die restlichen, vom Eichenprozessionsspinner befallenen Bäume gefällt wurden. In Rieblingen protestierten etliche Bürger gegen die Fällaktion.
Bild: Alexandra Fiebig

Die Stadt Wertingen geht dem Schädling, der allergische Reaktionen erzeugt, zu Leibe. Naturfreunde sind entsetzt.

Das Entsetzen ist groß in Rieblingen an der schmalen Straße zum Weiler Neuschenau. Heute Morgen fällten die Mitarbeiter des städtischen Betriebshofes die Eichen, die aus der Hecke entlang der Straße wachsen, weil sie vom Eichenprozessionsspinner befallen sind. Vergebens versuchten etliche Gegner der Aktion die Fällarbeiten zu blockieren, indem sie ihre Autos unter den Bäumen parkten – eine Protest-Reaktion, die sogar dazu führte, dass die Polizei in Rieblingen vor Ort war. Letztendlich konnten die Gegner nichts ausrichten, die Bäume wurden in Richtung Feld umgesägt.

Alexandra Fiebig, die im Vorfeld schon mit Plakaten gegen die Aktion protestiert hatte (wir berichteten), fragt sich, ob die Fällaktion nachhaltig ist und andere Methoden der Bekämpfung des Schädlings so wirkungslos sind, dass nur die Säge als Allheilmittel eingesetzt werden kann. Auch in den sozialen Medien gibt es harsche Reaktionen. Eine Anwohnerin schreibt in Facebook: „Ich bin Anwohnerin, gesundheitlich nicht betroffen und deswegen unendlich traurig, dass alle Eichen gefällt werden. Muss es denn so eine radikale Lösung sein, wünsche mir mehr gesunden Menschenverstand.“ Ein anderer Kommentar: „Als ob das was bringt. Sinnlos Geld verbrennen ist das. Schon mal was von Mandelöl gehört, liebe Stadt Wertingen. Verhindert die Verpuppung der Raupen.“

Bürgermeister Willy Lehmeier nimmt Stellung

Bürgermeister Willy Lehmeier winkt ab. Die Fällung müsse sein, „momentan gibt es keine andere Lösung, sonst ist das Problem nicht in den Griff zu bekommen.“ Selbstverständlich habe die Stadt auch das Spritzen der Bäume mit chemischen Substanzen in Erwägung gezogen. Doch die Chemie richte weiteren Schaden an – andere Insekten gingen kaputt.

Auch mit dem dauerhaften Einsetzen von Firmen, die den Raupenbefall absaugen, sei es nicht getan: „Da geben wir viel Geld aus und kriegen die Sache nicht in den Griff.“ Die Auswirkungen des Schädlingsbefalls seien problematisch, vor allem im Umfeld von Siedlungen, denn das mit den allergie-erzeugenden Raupenhaaren befallene Laub weht es in die Gärten. Die Raupenhaare seien so ätzend, dass die gefällten Bäume sogar als Sondermüll entsorgt werden müs-sen, berichtet Lehmeier: „Das Eichenholz kann nicht verwertet werden, wir müssen es verbrennen.“ Die Fällaktion sei sicher für viele Rieblinger dramatisch gewesen – „es bleibt uns aber nichts anderes übrig“, sagt Lehmeier. Auch an anderen Stellen, wo es Risiko gibt, müsse eingeschritten werden. Der Bürgermeister beteuert: Wenn es irgendwo auf dem Markt ein Mittel gegen den Schädling gäbe, dann würde es die Stadt einsetzen. Er wünscht sich, dass die Menschen trotz der Fällaktion „vernünftig miteinander umgehen“.

Und so handelt die Gemeinde Buttenwiesen

In Buttenwiesen wurde bisher noch nicht gefällt. Die Gemeinde lässt die Eichen zur Vorbeugung gegen den Prozessionsspinner spritzen. So können sich die Larven nicht entwickeln, ist im Bauamt zu erfahren. Ob Bäume gefällt werden müssen oder nicht, sei Ermessenssache. Gerade wenn die Eichen im Bereich einer Hecke stehen, wie in Rieblingen, könne das Fällen sinnvoll sein. Denn dann könne sich die Hecke von unten herauf mit den bestehenden Pflanzen erneuern. Wenn der Schädlingsdruck zu hoch sei, würde man aber auch in Buttenwiesen mit Fällungen reagieren müssen, so die Auskunft im Bauamt. Meistens seien Eichen, die schon vom Schädling befallen sind, dann durch diesen schon so geschwächt, dass auch die Wurzeln schwach würden und der Baum einen dauerhaften Schaden erleidet. Und wenn Bäume in Siedlungsnähe stark in Mitleidenschaft gezogen sind, müssten sie sowieso gefällt werden. Das Wohl des Menschen sei hier dem Schaden der Natur vorzuziehen.

Auch im Landratsamt ist das Problem „als schwierige Sachlage“ bekannt. Christa Marx, Leiterin der Rechtsabteilung, betont, dass die Raupe „extrem allergieauslösend“ ist. Das dürfe man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Menschen, die unmittelbar betroffen seien, hätten sehr darunter zu leiden. Die Entscheidung der Stadt Wertingen, jetzt vor dem Frühjahr zu fällen, sei richtig. Denn im Frühjahr während der Brutzeit dürfe nicht mehr gefällt werden. Entscheidungen dieser Art, weiß Marx, würden immer ein Streitfall bleiben.

Lesen Sie weitere Berichte über die Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner und einen Kommentar von Hertha Stauch:

Keine Angst vor der Natur! Schädlinge bringen Eichen in Rieblingen zu Fall Eichenprozessionsspinner: Im Frühjahr droht die nächste Invasion
Schmerzhafter Ausschlag: Prozessionsspinner rächt sich am Bürgermeister


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Die Diskussion ist geschlossen.

27.01.2019

So so, sägen wir jetzt alle Eichen um wenn der EPS festgestellt wird? Und wie geht es dann weiter? Kommen dann die Hainbuchen drann usw.?
Wenn Leib und Leben (und Gesundheit) gefährdet ist kann das Umsägen als letzte Maßnahme in Frage kommen. Und dann gleich auf 500 Meter?
Wieder Mal wie schon oft ein Vorgehen ohne Maß und Verstand. Hier fehlt den Verantwortlichen jegliche Sensibilität für ihr Tun.

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