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Architektur

02.01.2019

Musiker haben ausgezeichnetes Probenheim

Er hat das Gebäude geplant: Architekt Johann Storr spielte selbst viele Jahre im Musikverein. Als die Gemeinde schließlich ein neues Probenheim bauen wollte, erklärte er sich bereit, dieses zu planen. Dafür wurde die Gemeinde, die Eigentümer ist, nun vom Landkreis ausgezeichnet. „Ich habe versucht, eine minimalistische Sprache in Form zu bringen.“
Bild: Alexander Millauer

Die Mitglieder des Binswanger Musikvereins proben im Anbau ans Schillinghaus. Was daran so besonders ist und warum der Neubau nun einen Preis bekommen hat

Von der Empore aus neigt sich die rund sechs Meter hohe Decke leicht nach oben. Wie im Innenraum einer Muschel sitzen die Musiker des Musikvereins Binswangen und blicken zum Dirigenten, der an der höchsten Stelle der Decke steht. Das eingeschossige Gebäude mit Flachdach ist direkt an das historische, vordere Haus angebaut. Um 1840 wurde das Schillinghaus vom jüdischen Kaufmann Baldauf gebaut. Es ist denkmalgeschützt. Ausgezeichnet wurde nun jedoch der Anbau, in dem Musik- und Gesangproben stattfinden.

Architekt Johann Storr rechnete nicht damit, als die Gemeinde Binswangen auf ihn zukam und das von ihm gestaltete Gebäude für den Preis des Landkreises für „Zeitgemäßes Bauen“ nominierte. „Weil es innovativ ist“, vermutet Storr, habe die Gemeinde den Preis gewonnen. Sie ist Eigentümer des Gebäudes. Gebaut wurde der Anbau jedoch von zahlreichen fleißigen Händen.

16000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit stecken in dem Neubau, der 2010 fertiggestellt wurde. Wöchentlich trifft sich während und vor der Bauphase ein Ausschuss. Sie planen, entwerfen und organisieren die Helfer. Dass Johann Storr als Architekt das Gebäude entwirft, ist aber von Anfang an klar. 45 Jahre lang ist er Musiker, zwölf Jahre Zweiter Vorsitzender, spielte Klarinette im heimischen Musikverein. Gemeinsam erörtern sie im Ausschuss, wie die Bedürfnisse der Musiker im neuen Gebäude bestmöglich erfüllt werden. Genug Platz müssen sie haben – jetzt stehen ihnen 160 Quadratmeter zur Verfügung. Die Decke muss ausreichend hoch sein – mit rund sechs Metern Höhe und der muschelartigen Form hat der Schall genug Platz, sich auszubreiten. Der Raum muss für eine gute Akustik sorgen – dafür wurden etwa nur zwei Fenster angebracht, eines davon recht hoch. Viele Fenster würden der Akustik schaden, erklärt Storr. Sogar eine Firma aus Österreich, die sich auf Akustik spezialisiert hat, liefert Teile für den Bau. Um ein möglichst modernes Probenheim zu bauen, fährt der Ausschuss auch nach Österreich. Was hier der Fußball ist, sei dort die Blasmusik, sagt Storr. Deswegen seien die Probenheime dort in einem viel moderneren Stil gebaut. Sie lassen sich inspirieren und entscheiden sich schließlich für ein Holzhaus. „Von Holzhäusern war ich schon immer ein Freund“, sagt Storr, der selbst in einem wohnt. Bei der Planung achtet Storr jedoch penibel darauf, dass sich der Neubau zurücknimmt. Schließlich steht vorne noch das historische Schillinghaus. Der Neubau soll das Denkmal nicht in den Schatten stellen.„Ich habe versucht, eine minimalistische Sprache in Form zu bringen“, erklärt Storr seine Planungen. Das ist ihm offenbar bestens gelungen.

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