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Buttenwiesen

11.10.2019

Neue Energie aus dem „Bürgerwind am Rohrholz“

Seit 2013 stehen auf den Fluren vor Wortelstetten drei Windanlagen. Nun gibt es ein weiteres Projekt, das für Gesprächsstoff sorgt. Die Firma GP Joule plant ein interkommunales Windprojekt für Buttenwiesen, Ehingen und Kühlenthal.
Bild: Andreas Dengler

Die Firma GP Joule, ein heimischer, weltweit agierender Spezialist, plant eine interkommunale Windanlage für Buttenwiesen, Ehingen und Kühlenthal. Wie die Firma die Akzeptanz für das Projekt bei den Menschen sucht.

„Irgendwoher muss die Energie ja kommen.“ Franz Schlögel wundert sich nicht, dass das Thema Windkraft rund um Buttenwiesen und seine Nachbardörfer noch nicht abgeschlossen ist. Jüngst wurde der Bürgermeister von Ehingen zusammen mit seiner Kollegin Iris Harms aus Kühlenthal und Hans Kaltner aus Buttenwiesen eingeladen. Im Firmensitz auf dem Maierhof bei Illemad machten die Mitarbeiter eines inzwischen über deutsche Grenzen hinaus agierenden Spezialisten für erneuerbare Energien die Bürgermeister mit einem Projekt bekannt, das seit wenigen Wochen für Gesprächsstoff sorgt: Oben auf dem Höhenzug zwischen Zusam und Schmutter plant die Firma GP Joule einen interkommunalen Bürger-Windpark.

Da die Firma ihre Wurzeln in der Gegend hat, ist ihr bekannt, dass sie das Thema mit Samthandschuhen anfassen muss. Denn im Buttenwiesener Ortsteil Wortelstetten laufen seit fast zehn Jahren drei Windräder, die eine Entstehungsgeschichte mit Turbulenzen haben. Etliche Stürme haben sich inzwischen gelegt, die drei Windanlagen zwischen Wortelstetten und Neuweiler sind akzeptiert, wenn auch von einem Teil der Bevölkerung – ausgewiesenen Windkraftgegnern – nicht gerne gesehen.

Diffizile Aufgabe für den Bürgermeister

Buttenwiesens Bürgermeister Hans Kaltner obliegt nun die diffizile Aufgabe zwischen dem Anliegen der Firma und der Bevölkerung zu vermitteln. Denn – wie seine Kollegen in Ehingen und Kühlenthal – ist für Kaltner klar, dass an der Windkraft kein Weg vorbei führt: „Ich denke, wir sind alle froh, dass die Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden.... Und ebenso erleichtert, dass die Kohlekraftwerke bis 2030 komplett abgeschaltet werden,“ sagte Kaltner jüngst in einer Gemeinderatssitzung. „Ohne Kohle und Kernenergie fehlen 51 Prozent der bisher erzeugten Strommenge. Es dürfte allen klar sein, dass ohne Steigerung der erneuerbaren Energien der Strom dann womöglich nicht mehr so einfach aus der Steckdose kommt, wie bisher“, meinte Kaltner.

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Auch seine Kollegen aus Ehingen und Kühlenthal sehen das so. Franz Schlögel sagt, die Grundstimmung für Windkraft und für das Projekt von GP Joule sei im Gemeinderat positiv: „Der Gemeinderat kann sich das vorstellen.“ Und die Kühlenthaler Bürgermeisterin Iris Harms ist sich sicher, dass derzeit ein Umdenken stattfindet, die Akzeptanz in Richtung erneuerbare Energien geht: „Es wird immer Menschen geben, die für oder gegen Windräder sind. Aber wenn wir unsere Jugend und ihre Proteste anschauen, dann wird klar, dass wir etwas tun müssen.“ Ob das Projekt von GP Joule verwirklicht werden könne, hänge von vielen Faktoren ab. Der Gemeinderat Kühlenthal, dem die Pläne bereits vorgestellt wurden, wolle sich weiter informieren.

Im Hause GP Joule sind die Pläne offen, dennoch ein Stück weit vorbereitet: „Wir befinden uns in einem offenen Prozess. Wir wollen unser Projekt zusammen mit den Menschen hier entwickeln“, betont Simone Braun vom Öffentlichkeits-Management. Auch mit den Windkraftgegnern wurde bereits gesprochen. Den Planern sei es wichtig, auf die Umstände in Wortelstetten Rücksicht zu nehmen.

Geplant sind drei Windanlagen

So wurde für die Anlagen ein 100 Hektar großes Gebiet ermittelt, das 1000 Meter von Bebauung entfernt ist und sich zwischen den drei beteiligten Orten befindet. Es gibt bereits Grundeigner, die ihre Flächen zur Verpachtung zur Verfügung stellen und Interessenten, die sich am „Bürgerwindrad“ beteiligen wollen. Gedacht ist an drei Windanlagen – jeweils ein Windrad für Buttenwiesen, Ehingen und Kühlenthal. Die Pachtverträge will die Firma zusammen mit den Grundbesitzern formulieren. Es ist an ein „Poolmodell“ gedacht – jeder bekommt einen Anteil an der Pacht. Alle Modalitäten sollen gemeinsam ausgehandelt werden.

Simone Braun sieht das Projekt als große Chance – auch als wirtschaftliche – für alle Beteiligten: „Jeder soll etwas davon haben“. Auch die Gemeinden könnten nur profitieren. Zum Zeichen, dass die Firma mit den Beteiligten eng kooperiert, haben diese bereits einen Namen ausgesucht: „Bürgerwind am Rohrholz“ soll die Anlage heißen. Benannt nach einem Wäldchen, das an das Gebiet grenzt. \u0009"Diese Woche

Bei einem Energiefest am Sonntag, 27. Oktober, ab 10.30 Uhr in der Riedblickhalle Buttenwiesen informiert die Firma über ihr Projekt. Neben Informationen zum Bürger-Windpark gibt es eine offene Fragerunde, eine Tour zu einem bereits bestehenden Windrad in Kühlenthal, Vorführungen und Vorträge zum Thema erneuerbare Energien und ein Kinderprogramm.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar:Windkraft ist Klimaschutz

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