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Trinkwasser

15.06.2017

Nitrat-Debatte ärgert Landwirte

Wird Wasser bald teurer?
Bild: Leitenstorfer

Der Landkreis soll die Belastung senken. Der Bauernverband hält die Angaben für falsch und spricht von einem „Zerrbild“

Landwirte in der Region kämpfen in diesen Tagen an mehreren Fronten. So ärgern sich Bauern, dass sie mit ihren Gefährten nicht auf der neuen Bundesstraße 16 in Dillingen fahren dürfen (wir berichteten). Nach dem weiteren Ausbau des „Nordschwaben-Highways“ zwischen Günzburg und Manching, der 2030 vollendet sein soll, müsse dies anders sein, hieß es. Ein weiteres Thema, das den Kreisverband des Bayerischen Bauernverbands (BBV) auf die Palme bringt, ist die umstrittene Studie des Umweltbundesamtes zur Nitratbelastung des Grundwassers, für das die Landwirtschaft verantwortlich sei. Nitrat ist in Gülle, Mist oder mineralischen Düngern enthalten, die auf den Feldern ausgebracht werden. Gelinge es nicht, die Belastung zu senken, könnte Trinkwasser erheblich teurer werden, warnt das Amt.

Eine vierköpfige Familie, so das Szenario, könnte für die Entfernung des Nitrats aus dem Trinkwasser bis zu 134 Euro pro Jahr mehr zahlen müssen. In der von uns am Mittwoch veröffentlichten Grafik zählt der Landkreis Dillingen zu den Regionen in Schwaben, in denen bei der Düngung der Felder am meisten Nitrat eingespart werden müsse. Dies wären zwischen 80 und 100 Kilogramm pro Hektar. BBV-Kreisobmann Klaus Beyrer bringt die Nitrat-Debatte in Rage. „Hier wird ein Zerrbild gezeichnet“, schimpft der Landwirt.

Der Grund für Beyrers Erregung: „Im Landkreis Dillingen pflegen alle Wasserwerksbetreiber bereits seit 1990 einen kooperativen Wasser- und Umweltschutz und die Bauern im Landkreis Dillingen leisten auf der Grundlage von freiwilligen Rahmenabkommen enorm viel für den Schutz unseres Wassers.“ Der Bauernsprecher weist darauf hin, dass die Belastung des Rohwassers in allen Anlagen der Wasserwerksbetreiber im Landkreis unter dem Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter liege. Erbost ist auch BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer. Das Umweltbundesamt produziere „wider besseres Wissen reißerische Schlagzeilen“ und stelle damit die Bauern an den Pranger. Durch die freiwillige Kooperation der Landwirte mit den Wasserversorgern sei die Nitratbelastung im Trinkwasser in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. „Wir haben bereits vor 30 Jahren erkannt, dass wir etwas tun müssen“, sagt Bayer. „Der Landkreis Dillingen hat wahrlich kein Trinkwasserproblem.“

Christof Lautner ist Werkleiter der Bayerischen Rieswasserversorgung (Nördlingen), die im Raum Schwenningen, Blindheim und Steinheim Wasser für etwa 130000 Menschen fördert. Das Trinkwasser habe beste Qualität, versichert Lautner. „Wir haben kein Problem mit dem Nitrat“, betont der Werkleiter. Die Vereinbarungen mit den Landwirten zur wasserschonenden Bewirtschaftung in den Wasserschutzgebieten zahlten sich aus. „Wir haben eine Nitratbelastung von zwölf Milligramm pro Liter, das ist wenig“, teilt Lautner mit.

Wie kommt es dann dazu, dass der Landkreis laut Studie Handlungsbedarf hat? Kreisgeschäftsführer Bayer vermutet, dass die Messpunkte nicht repräsentativ seien. Am Messpunkt in Burgmagerbein etwa werde gar kein Trinkwasser gefördert, erläutert Bayer.

Das Dillinger Landratsamt, konkret der Fachbereich Gesundheit, ist für den Vollzug der Trinkwasserverordnung zuständig und in dieser Funktion auch immer wieder mit der Problematik von Nitrat im Grundwasser konfrontiert, heißt es nach einer Anfrage unserer Zeitung bei der Behörde. Das Amt bestätigt die Angaben des Bauernverbands, dass die zulässigen Nitrat-Grenzwerte meist deutlich unterschritten werden. „Die Nitratwerte im Trinkwasser, das an die Verbraucher von den Trinkwasserversorgern abgegeben wird, liegen im Landkreis zwischen circa zwei Milligramm und 30 Milligramm pro Liter“, teilt Oberregierungsrätin Christa Marx mit. In keiner Trinkwasserversorgung im Landkreis Dillingen werde der Nitrat-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten. Bei zwei Wasserversorgern im Landkreis werde das Wasser aus jeweils zwei Flachbrunnen mit Tiefenwasser gemischt. Danach weise das Wasser einen Nitratgehalt von 20 bis maximal 25 Milligramm pro Liter auf.

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