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Wertingen

18.11.2019

„Oben ohne“ auf dem tierischen Laufsteg in Wertingen

Die studierte Landwirtin Christina Hauk aus Tapfheim hatte in Wertingen allerhand zu tun: vom Sauberhalten des Stalls für die Töchter von Zuchtbulle „Vollgas PS“ bis zur Präsentation der Tiere in der Arena. Unser Bild zeigt sie mit der ausgezeichneten Kuh „Delight“.
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Die studierte Landwirtin Christina Hauk aus Tapfheim hatte in Wertingen allerhand zu tun: vom Sauberhalten des Stalls für die Töchter von Zuchtbulle „Vollgas PS“ bis zur Präsentation der Tiere in der Arena. Unser Bild zeigt sie mit der ausgezeichneten Kuh „Delight“.
Bild: Günter Stauch

Erste Tier-Show mit hornlosem Vieh in der Wertinger Schwabenhalle. Die vierbeinigen „Damen“ standen am Samstagabend im Mittelpunkt. Das Motto des Abends regte zum Nachdenken an.

Modenschau auf vier Beinen: Bei der bundesweit ersten Präsentation von ausschließlich natürlich hornlosen Tieren sind in Wertingens Schwabenhalle mehr als vier Dutzend Prachtexemplare aus ganz Schwaben über den „Laufsteg“ gegangen. Unter dem Motto „Wertinger Nacht – oben ohne“ lud mit dem Zuchtverband für das Schwäbische Fleckvieh eine der ältesten Organisationen ihrer Art zu dieser Premiere, bei der die über 400 Gäste stundenlang viel Haut bestaunen und anschließend bei einer „Jungzüchterparty“ ausgiebig feiern konnten.

Trend hält seit Jahren an

Laut Zuchtleiter Friedrich Wiedenmann, der die stundenlange Tier-Show moderierte, hält in den Milchviehbetrieben der Trend zu hornlosem Vieh seit Jahren an und wird in der Landwirtschaft stärker nachgefragt. Viele Betriebe gehen dazu über, „Oben ohne“-Bullen bei der Zucht und Besamung einzusetzen, um Alternativen zur bisherigen thermischen Enthornung der Kälber zu bekommen. Letzteres soll dadurch vermieden werden, weil die Tiere dann keinerlei Schmerzen oder Stress mehr ausgesetzt seien.

„Die Zucht auf natürliche Hornlosigkeit ist ein aktiver und nachhaltiger Beitrag zum Tierschutz“, betonte dann auch Georg Kraus als Vorsitzender des Verbandes mit einem Einzugsgebiet von Donau-Ries bis ins Unterallgäu bei der Begrüßung. Tierschauen wie diese böten eine ideale Möglichkeit, den Nichtlandwirten, die heute bewusst eingeladen wurden, die Rinderhaltung und die Tiere näherzubringen. „Selbst in unserer ländlich geprägten Region ist der direkte Kontakt vom Landwirt zum Verbraucher oft schon verloren gegangen, in nicht wenigen Dörfern gibt es bereits keine Milchkuh mehr“, beklagte er.

„Oben ohne“ auf dem tierischen Laufsteg in Wertingen

Mehr Augenmerk auf das Tierwohl

Dass neben zahlreichen Fachleuten auch viele Besucher mit Kind und Kegel den Weg nach Wertingen fanden, gibt in dieser Hinsicht wohl Anlass zur Hoffnung. Aber in den mit Diskolichtern und dynamischen Musiktönen untermalten „Model“-Reigen, bei dem verschiedene Altersklassen prämiert wurden, mischte sich auch manch Kritisches wie Nachdenkliches zur aktuellen Diskussion über den bäuerlichen Alltag. Nachdem für die aus dem Rieser Möttingen stammende Kuh Roxi als Erste der Vorhang gehoben worden war, sprach selbst die Bayerische Milchprinzessin Miriam Weiß Klartext. Die Oberallgäuerin ging auf die Forderungen aus der Gesellschaft nach mehr Augenmerk auf das Tierwohl ein und lobte die Darbietung an Zusam und Laugna als guten Beitrag dazu. Landrat Leo Schrell reagierte auf den Hinweis von Verbandschef Georg Kraus, wonach „in jüngster Zeit vieles auf die Landwirte hereinprasselt, was belastet und wehtut“. Kommunalpolitiker Schrell bemängelte, dass in der Debatte um den Artenschutz diesem Berufsstand gerade zu vieles „ans Bein geheftet“ werde, was ungerecht sei. Der Agrarsektor stelle als eines der Kulturgüter Bayerns dagegen eine wichtige Säule dar und ihn freue es, dass man sich der Diskussion stellen würde.

Oberbayerische Preisrichterin in Wertingen

Die 26 Jahre alte Marina Estelmann aus Oberbayern richtete als gefragte Preisrichterin den Fokus dann wieder auf die „Hauptpersonen“ der gut besuchten Veranstaltung. Diese geriet – drei Tage vor dem internationalen Männertag – angesichts der auflaufenden Kühe unterschiedlicher Jahrgänge beinahe zur reinen Frauensache. Oder, wie Hausherr Georg Kraus schmunzelnd angekündigt hatte, „zu einem Abend, der den vierbeinigen Damen“ gehöre. Die zweibeinigen im Publikum schienen sich dagegen an dem mit einem Augenzwinkern getroffenen Leitspruch kaum zu stören. „Wir geben zu, ein etwas provokanter Titel, der zunächst aufhorchen, aber den Kenner der Fleckviehzucht sicher nicht auf falsche Gedanken kommen lässt“, hieß es vonseiten der Gastgeber in der Schwabenhalle. Man habe lediglich die Erfolge im Bereich der Zucht auf natürliche Hornlosigkeit in den Mittelpunkt stellen wollen. Die studierte Landwirtin Estelmann, deren Herz nach eigener Aussage schon immer für die Tierzucht schlägt, gab dennoch ein „kurzes Nachdenken“ über den Titel zu.

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