1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Orgelsommer mit Hauch von Weihnachten

Dillingen

29.07.2015

Orgelsommer mit Hauch von Weihnachten

Der Eichstätter Domorganist Martin Bernreuther überzeugte an der Sandtner-Orgel in der Basilika mit einem abwechslungsreichen Programm.

Domorganist Martin Bernreuther erinnerte an ein besonderes Lied

Von Gernot Walter

Stadtpfarrer Wolfgang Schneck hatte in seinen Begrüßungsworten darauf hingewiesen, und die 110 Besucher der letzten diesjährigen Orgelmatinee haben die Melodie erkannt. Der Domorganist Martin Bernreuther aus Eichstätt hat nämlich eine Rarität des letzten bedeutenden Klostermusikers des Reichsstifts Ottobeuren Franz Xaver Schnizer (1740-1785) ausgewählt. In dessen 6. Sonate in G-Dur erklingt als liebliche Spieluhr-Weise eine Reminiszenz an das Lied „Stille Nacht“, das Franz Xaver Gruber 1838 aufgeschrieben hatte. Von Mozartschem Geist erfüllt war eine erfrischende Pastorelle mit fröhlichem Figurenwerk, das presto-bewegte Finale atmete Rokoko-Verspieltheit.

Aus dem 17. Jahrhundert bildete der Domorganist Dietrich Buxtehudes Choralvorspiel (BuxWV 223) „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ als durchsichtigen dreistimmigen Satz ab. Die Variationen, fantasieartige Elemente und die ornamentreichen Choralfragmente als Fugenthema konnte Bernreuther schlüssig, virtuos und pointiert darstellen. Den unerschöpflichen Einfallsreichtum J. S. Bachs brachte der Organist kenntnisreich zum Ausdruck. In der zehn Sätze umfassenden Partita „Ach, was soll ich Sünder machen?“ (BWV 770) verstand es Bernreuther, eine klar zeichnende Registrierung zu wählen, sodass sich die klangliche Differenzierung auf den zwei Manualen widerspiegelte.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Eine ganz andere Stimmung verbreitete das expressive „Cantabile“ des Franzosen César Franck. Mit Oboe, Trompete und Grundstimmen registrierte Bernreuther die elegische Melodie auf dem Schwellwerk. Ebenfalls im 19. Jahrhundert angesiedelt das Finale aus der 1. Sonate 0p. 42 in d-Moll von Alexandre Guilmant. Die Perpetuum-Mobile Bewegung im neobarocken Toccatastil kulminierte der Eichstätter mit Doppelpedal und bombastischen Fanfaren zu einem markanten Schlusspunkt.

Vom Vater William des bekannten Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber erklang eine feierliche Prozession mit wuchtig einherschreitenden majestätischen Akkorden. Schon zu Beginn zeigte sich die Vertrautheit Martin Bernreuthers mit der Sandtner-Orgel, denn auch im Dom zu Eichstätt spielt er auf einer Orgel aus Dillingen. Großer Beifall für das anregende abwechslungsreiche Programm. (pm)

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
IMG_6650(1).JPG
Wertingen

Anwohner fordern anderen Kindergarten-Standort

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden