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Ortsdurchfahrt

25.09.2019

Plädoyer für einen modernen Straßenbau

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Gernot Hartwig

In Buttenwiesen wird derzeit geplant, wie die Sanierung aussehen soll. Als Ortsvorsitzender des Bund Naturschutz und Mitglied einer Arbeitsgruppe im Verkehrsministerium hat Gernot Hartwig eigene Vorstellungen

In Buttenwiesen wird es jetzt ernst. Das Thema Ortsdurchfahrt steht auf der Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung am kommenden Montagabend. Genauer gesagt geht es um eine Vereinbarung zwischen dem Staatlichen Bauamt Krumbach und der Gemeinde über den Ausbau der Ortsdurchfahrt, die eine Staatsstraße ist. Mit dem Thema befasst sich schon lange auch Gernot Hartwig, Gemeinderat und Ortsvorsitzender des Bund Naturschutz (BN). Als solcher arbeitet Hartwig überregional im BN-Landesarbeitskreis Verkehr und ist regelmäßig als BN-Vertreter in einer Lenkungsgruppe im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bauen und Verkehr an Planungsprozessen beteiligt.

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Herr Hartwig, wie kommt es, dass Sie in der Lenkungsgruppe mitarbeiten?

Innenminister Herrmann hat sich dafür interessiert, wie man den Verkehr innerorts beruhigen kann. Ob das eine Möglichkeit ist, um auf den Bau von Umgehungen zu verzichten. Er hat sich den Bund Naturschutz ins Haus geholt, denn das ist ja seit Langem eine Forderung des BN. Die oberste Baubehörde bildete dann die Lenkungsgruppe, der ich neben anderen Vertretern des BN angehöre. So bin ich bis zu dreimal im Jahr in München im Ministerium tätig.

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Und was tut die Lenkungsgruppe dort genau?

Drei Orte in Bayern wurden als Modellorte ausgesucht, in denen der Verkehr durch den Ort beruhigt wird, um Umgehungen zu vermeiden. Es sind Bad Endorf bei Rosenheim, Unterrödel bei Hilpotstein und Bad Kohlgrub bei Oberammergau. Die Orte bekommen keine Umgehung, sondern Verkehrsberuhigung. Die Lenkungsgruppe war schon häufig vor Ort. Und wir sind auch immer wieder gefragt, um in Gemeinden unsere Vorstellungen zu erklären. In der Lenkungsgruppe arbeiten drei Leute des Bund Naturschutz – ich als Sprecher der Lenkungsgruppe, Richart Mergner, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz und Thomas Frey, Regionalreferent für Schwaben.

Hat die Lenkungsgruppe die Möglichkeit, die staatlichen Verkehrsplanungen in Bayern zu beeinflussen?

Im Verkehrsministerium wurde erkannt, dass wir vom Bund Naturschutz keine Spinner sind, auch wenn unsere Forderungen zunächst für manche Menschen seltsam klingen. Gleichzeitig haben wir erkannt, dass das Ministerium Sachzwängen ausgesetzt ist, aber dass es bei Gesetzen große Ermessensspielräume gibt. Und natürlich gibt es finanzielle Vorgaben. Wir arbeiten übrigens sehr gut zusammen, es gibt eine Vertrauensbasis.

Hat Ihre Arbeit auch Auswirkungen auf Buttenwiesen, wo jetzt die Sanierung der Ortsdurchfahrt ansteht?

Die Bürger von Buttenwiesen haben ja 2011 im Rahmen eines Bürgerentscheids festgelegt, dass auf eine Umgehungsstraße verzichtet wird. Seither geht es um die Sanierung der Ortsdurchfahrt. Und die will der Bund Naturschutz, ebenso wie die Gemeinde. Und das möglichst bald, es ist jetzt wirklich Zeit.

Und gibt es da unterschiedliche oder ähnliche Vorstellungen?

Ich muss sagen, dass Bürgermeister Hans Kaltner große Sorgfalt walten lässt bei den Planungen für den Ausbau und die Sanierung, die ja vom Staatlichen Bauamt Krumbach gemacht wird, weil es sich um die Staatsstraße 2027 handelt. Wie die Gemeinde Buttenwiesen, so will auch der Bund Naturschutz, dass die örtlichen Gewerbetreibenden nicht beeinträchtigt werden. Die kleinen Betriebe und Geschäfte sind wichtig, um das Leben im Ort zu erhalten. Gut finden wir vom BN, dass es eine glatte Fahrbahn mit weniger Lärm geben soll und einen Kreisverkehr beim Stehlesberg, was die Bürger ja gefordert haben. Gut finden wir auch, dass die Kreuzbergstraße ein Stück verlegt werden soll, sodass vor dem Gasthaus Mengele ein kleiner Platz entsteht. Sehr gut ist auch, dass vor dem Arzthaus die Ampel bestehen bleibt und eine Querungshilfe eingebaut wird.

Woran fehlt es dann Ihrer Meinung nach?

Die bisherigen Planungen sind dem Bund Naturschutz deutlich zu wenig für eine gute Lebensqualität im Ort. Wir brauchen eine Unterbrechung für die lange gerade Streckenführung zwischen den Supermärkten und dem Gasthaus Mengele in der Ortsmitte. Wir brauchen durchgehende Radwege im Ort entlang der Straße. Die moderne Straßenplanung denkt ganz anders als früher, als allein der Autoverkehr im Mittelpunkt stand. Heute denkt man von außen nach innen. Außen der Fußweg, dann die Radwege und dann erst das Auto. Der Radweg sollte rot markiert sein, so wie das in Städten schon üblich ist. Der Fußweg sollte ohne Bordsteinkante sein. Das ist ein Signal für den Autofahrer zum langsamen Fahren. So entsteht keine Furt, durch die man durchbrausen kann. Was fehlt, ist auch ein für den Autofahrer deutlich besser erkennbarer Ortsanfang von Lauterbach her. Dort sollte man einen Kreisverkehr bauen. Eine Querungshilfe wäre auch bei den Supermärkten notwendig. Und wir halten einen Flüsterasphalt für notwendig.

Ist das nicht zu viel gefordert, einen Radweg entlang der Ortsdurchfahrt. Wo soll der hin?

Das Modell gibt es, wie gesagt, in Städten schon erfolgreich, zum Beispiel in Augsburg. Dort gibt es – Beispiel Oberhausen – auch eigene Busspuren. Und das verlangsamt ja auch den Autoverkehr.

Macht das Straßenbauamt denn da mit?

Straßenbaubehörden wollen natürlich, dass der Verkehr fließt, gerade auf einer Staatsstraße. Aber die Bürger haben 2011 Weitblick bewiesen und sich gegen eine Umgehung entschieden. Hätten wir damals eine Umgehung gebaut, müssten jetzt zwei Straßen unterhalten werden und die im Ort wäre in Buttenwiesener Baulast gefallen. Beim Thema Verkehr und Fahrzeugbau kündigt sich derzeit ein massiver Wandel an. Wir wissen nicht, wie die Straßen in 30 Jahren aussehen. Aber wir sollten auf den Wandel vorbereitet sein.

Gernot Hartwig informiert über seine Arbeit und zum Thema Ortsumgehung im Rahmen eines Vortragsabends am kommenden Freitag, 27. September, 19.30 Uhr im Gasthaus Mengele. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

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