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Kirche

17.10.2015

Schritt zur Lebenswirklichkeit?

Pfarrgemeinden in der Region verfolgen die Weltbischofssynode mit Spannung. Warum sie sich einig sind, dass die Kirche der Realität ins Auge blicken muss

Rund 300 Bischöfe beraten sich derzeit in Rom. Es geht um die Haltung der Kirche zu Ehe und Familie. Als „dringend notwendig“ empfindet der Wertinger Stadtpfarrer Rupert Ostermayer die Diskussionen. „Denn“, so Ostermayer weiter, „die Lebenswirklichkeit ist heute eine ganz andere.“

Die Kluft zwischen der kirchlichen Lehre und der Realität sei in den letzten Jahren immer weiter auseinandergeklafft. So könnte es schon beinahe zu spät sein, jetzt zum Beispiel über die Zulassung von geschiedenen Wiederverheirateten zur Kommunion zu reden. „Die meisten betroffenen Menschen haben das für sich längst abgehakt und eine eigene Lösung gefunden.“ Ostermayer plädiert deshalb für mehr Ehrlichkeit. Probleme in Ehe und Familie sollten nicht mehr still und heimlich gelöst werden. Die Kirche müsse den Tatsachen ins Auge blicken. „Menschen sind eben wie sie sind“, sagt der Wertinger Stadtpfarrer. Dabei müsse man nicht alles für gut heißen. „Die Religion ist dazu da, den Menschen eine Richtschnur zu geben.“

Auch in Lauingen prallen Glaubenslehre und Lebensrealität oft aufeinander. „Nicht nur in Fragen der Sexualmoral“, sagt Stadtpfarrer Raffaele De Blasi. Niemand würde sich heute daran stoßen, wenn Christen über andere böse redeten, „obwohl sie wissen, dass jeder Mensch Abbild Gottes ist“. Der Lauinger Stadtpfarrer kennt auch homosexuelle Menschen in seinem Umfeld: „Ich versuche keinerlei Unterschiede zu machen, sondern grundsätzlich jedem mit Wohlwollen, Respekt und Freundlichkeit zu begegnen.“ Eine Reform, wie sie die Synode anstrebt, könnte das Leben der Menschen bereichern.

Schritt zur Lebenswirklichkeit?

Für Dekan Dieter Zitzler, Seelsorger in der Pfarreiengemeinde Blindheim, gehört der christliche Umgang mit Wiederverheirateten nicht unbedingt zu den drängenden Fragen. „In Schwenningen diskutierten wir eher darüber, wo die Familie in der Kirche überhaupt noch vorkommt und wo Paare Möglichkeit haben, sich zu treffen“, berichtet er von einer Pfarrgemeinderatssitzung. Dass die Ehetheologie überdacht werden müsse, steht für den Dekan außer Frage. „Die Ehe soll für den Menschen da sein und nicht die Menschen für die Ehe.“

Von der Synode erhofft Dekan Dieter Zitzler sich für die christliche Ehe eine größere Wertschätzung. „Die Trauung ist nicht nur ein schönes Fest, sondern ein Lebensentwurf.“

Dass erstmals Paare zur Bischofssynode geladen wurden, findet Zitzler einen hoffnungsvollen Ansatz: „Es nützt nichts, nur theoretisch über Familie zu sprechen.“

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