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Stade Zeit im Zusamtal

16.12.2011

Schwäbische Weihnacht begeistert die Wertinger

„ Iahr liabe Leit, i weiß, was des is...“Armgard Miller liest

Armgard Miller erzählt in der evangelischen Bethlehemkirche in Wertingen.

Es ist dunkel in der vollbesetzen Bethlehemkirche in Wertingen, nur auf einen Platz fällt Licht. Eine Frau sitzt dort und schon mit ihren ersten Worten fängt sie die Zuhörer ein, begleitet durch die Geschichte, die vor mehr als 2000 Jahren in Bethlehem geschah. Eine Erzählung, die ein jeder kennt, aber die bei der „Schwäbischen Weihnacht“ auf so ganz andere Weise vorgetragen wird.

„Iahr liabe Leit, i weiß it, was des is...“ sind die Worte, mit denen Armgard Miller, die Nichte des Verfassers Arthur Maximilian Miller und Tochter des Komponisten Robert Maximilian Miller, beginnt. Sie spricht frei, kaum einmal fällt ihr Blick auf den Text, der vor ihr liegt, die Hände unterstreichen, was die Worte ausdrücken. Mit spürbarer Freude führt sie die Zuhörer durch die Erzählung, macht die Figuren lebendig und bringt sie in unser heimatliches Schwaben.

Manches ist so menschlich, dass die Zuhörer verstehend nicken, wenn etwa ein Josef feststellt, die Braut ist schwanger – wie er weiß, nicht von ihm - und er zunächst ans Fortrennen denkt, bis ein Engel ihn zur Besinnung ruft. Oder auch schmunzeln, als das Paar auf der Reise nach Bethlehem mit ganz alltäglichen Problemen wie einem Wegweiser zu kämpfen hat, der unleserlich ist. Der Autor dieser Erzählung ist einer der bedeutendsten Mundartdichter im bayerischen Schwaben. Seine Texte regten den Bruder zum Komponieren an. Die Besonderheit dieses Werkes liegt im Spiel zwischen Erzählung und Musik und natürlich der schwäbischen Mundart. Immer, wenn die Worte Millers verklingen, das Licht von der Erzählerin zum ausgezeichneten Chor und den Musikern wechselt, ist es keine Unterbrechung, sondern eine Hinführung zum weiteren Geschehen.

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Die Musikstücke sind Bestandteil der Erzählung, wenn beispielsweise gemahnt wird: „Du hausch ,ja’ gsait“, oder die Hirten verkünden: „Loosat, Leit und land ui saga“. Der Leiter des Liederkranzes Wertingen und der Orchestervereinigung Höchstädt, Werner Bürgle, hatte schon bei der Begrüßung Erwartungen geweckt, die allesamt erfüllt wurden.

„Die Texte von Arthur Miller sind von hoher sprachlicher Reinheit“, sagte er bei der Begrüßung, „Sie werden heute einige Worte hören, die nicht mehr in Gebrauch sind, von Bräuchen, die man heute nicht mehr so kennt.“

Auch Bürgle findet im Werk der Brüder Miller „Momente zum Lachen, aber auch welche zum Nachdenken.“

Es erging vielen Besuchern dieser Aufführung gleich: Man war verwundert, als fast zwei Stunden sehr kurzweilig vorbei waren. Die Worte der Erzählerin, Armgard Miller, waren da noch nicht vergessen: „Verzähla sott i eich a Gschicht“. Keine Geschichte. Ein Erlebnis!

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