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24.07.2010

Seit Jahren Probleme am Gartnersee

Gundelfingen Sehr überrascht ist Ernst Schoupa nicht, als er am Telefon von der tödlichen Schlägerei am Gartnersee erfährt (wir berichteten). "Das wundert mich überhaupt nicht", sagt der Vorsitzende der Wasserwachtsortsgruppe in Gundelfingen. Bis zu zwölf "Übernachtungsgangs" fänden sich bei schönem Wetter Wochenende für Wochenende am See zum Feiern und vor allem zum Trinken ein. "Die sind dann nicht mehr Herr ihrer Sinne, haben keine Hemmschwelle." Mit den "Helfern vor Ort" hat Schoupa hier im Einsatz schon so manch brenzlige Situation erlebt. Messerstechereien, sogar Schießereien. "Wir sind da gar nicht mehr direkt vor Ort gegangen, sondern 300 Meter entfernt stehen geblieben und haben ihnen zugerufen, wenn es Verletzte gibt, sollen sie sie rüberbringen." Mit Drohungen könne man diesen Gruppen, die hauptsächlich aus den umliegenden Landkreisen kämen, ohnehin nichts anhaben. "Die lachen drüber, wenn man sagt, man holt die Polizei. Und wir haben keine Ambitionen, da hinzugehen." Schließlich seien die Wasserwachtler in der Unterzahl und hätten keine Polizeigewalt. Und bis die Polizei komme, könne es schon mal eine Stunde dauern.

Mittlerweile, sagt Schoupa, hätten die Mitglieder der Wasserwacht, die Dienst am Gartnersee schieben, alle einen dicken Hals auf diese Gruppen. Erst kürzlich förderten sie bei einem Tauchgang knapp 50 Glasflaschen aus dem See zu Tage. Daneben ganze Autoreifen mit Felgen, Papierkörbe. Doch oftmals bleibe es nicht dabei, dass die Flaschen nur im See versenkt würden. "Die werfen dann so lange mit Steinen darauf, bis sie zerspringen. Und wir haben dann Badegäste mit zerschnittenen Füßen zu versorgen." Inzwischen meiden viele Gundelfinger den Gartnersee - vor allem am Wochenende.

Am Samstagabend, wenige Stunden vor dem tödlichen Angriff auf einen 40-jährigen Heidenheimer, feierte die Wasserwacht Ortsgruppe noch ihr Sommerfest am See. Viel sei an diesem Abend aufgrund des Regens nicht mehr am losgewesen . Doch Probleme gab es auch diesmal. Mit einem Auto sei einer mit hoher Geschwindigkeit über die Liegewiese geprescht. "Wenn da ein Kind läuft, dann ist es tot." Zwei Polizisten aus den Reihen der Wasserwacht seien dann auf den Fahrer zugegangen und hätten ihn in die Schranken gewiesen, so Schoupa.

Bürgermeister will Gespräche mit der Polizei führen

Nach der tödlichen Attacke, sagt Gundelfingens Bürgermeister Franz Kukla, müsse es nun Gespräche, auch mit der Polizei, geben, wie in Zukunft die Sicherheit am See gewährleistet werden kann. Kommende Woche berät der Stadtrat ohnehin über die Einrichtung einer Sicherheitswacht in der Gärtnerstadt. "Aber die können im Grunde auch nicht wirklich etwas ausrichten. Genauso wie die Wasserwacht. Doch wir wollen nicht einfach abwarten und zuschauen, bis so etwas noch einmal passiert." Johann Fisel, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Dillingen, ist über derartige Auswüchse am Gartnersee nichts bekannt. "Aber oft erfahren wir solche Sachen auch nicht, weil uns keiner alarmiert." Im Allgemeinen komme es aber an allen Baggerseen im Landkreis immer wieder zu Vorfällen.

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