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17.03.2020

Senioren mit Balladen gefesselt

Gerhard Schmidt beschreibt mit Gestik und Mimik das Grauen des Königs Belsazar von Babylon, als sein Todesurteil mit Feuerhand geschrieben auf der weißen Palastwand auftaucht. Das Gedicht stammt von Heinrich Heine.
Foto: Sauter

Gerhardt Schmidt bot einen „Lichtblick in Corona-Zeiten“

Über 40 Senior(innen) wollten sich den Auftritt von Gerhard Schmidt im barocken Deutschordensschloss in Lauterbach nicht entgehen lassen. Nach einer Stärkung mit Kaffee und Kuchen versetzte der ehemalige Gymnasiallehrer die Seniorenschar in eine Zeit, die zwei Jahrhunderte zurücklag, aus der auch das barocke Gebäude stammt. Mit Schillers „Bürgschaft“ fesselte der Laugnaer Rezitator die Zuhörer ebenso wie mit Goethes „Zauberlehrling“. Dabei verstand er es exzellent, aus den Balladen ein „Ein-Mann-Theater“ zu formen, denn er trug die klassische Literatur nicht nur auswendig vor, sondern spielte die einzelnen Szenen so glaubhaft mit passender Mimik und Gestik, dass sich die Senioren mitten im brausenden Geschehen fühlten.

Bekamen sie bei Heinrich Heines „Belsazar“, dem frevelhaften König von Babylon, eine Gänsehaut, als eine Geisterhand des Königs Todesurteil mit Feuerschrift an die Wand schrieb, so zitterten sie mit „Nis Randers“ um eine glückliche Rückkehr aus der tobenden See. Natürlich kannten viele die Balladen noch aus ihrer eigenen Schulzeit, und bei Ludwig Uhlands „Der wackere Schwabe“ konnten einige auch ganze Passagen auswendig aufsagen.

In den kurzen Pausen drehte sich das Gespräch meist um die eigene Schulzeit, in der Gedichte eine größere Rolle spielten als heute und auch das Auswendiglernen als Gedächtnistraining gang und gäbe war.

Auch der Humor kam nicht zu kurz. Gerhard Schmidt rezitierte dazu einige Gedichte von Eugen Roth, der mit seinen „Ein Mensch-Gedichten“ die Alltagssorgen und -freuden von uns Menschen wohl am treffendsten beschrieb. So blieb es nicht aus, dass Marlies Landherr namens des Seniorentreffs die zweieinhalb Muse-Stunden mit dem Menschen Gerhard Schmidt als „Lichtblick in schweren Corona-Zeiten“ lobte und Literatur als Medizin für das Gemüt und die Seele empfahl. Ihr Dank galt auch den Frauen des Seniorentreffs, die bei diesem literarischen Nachmittag für das leibliche Wohl sorgten.

Leider musste sie noch einen Wermutstropfen in den gelungenen Nachmittag gießen, denn der für April vorgesehene und schon ausgebuchte Termin bei der Augsburger Allgemeinen musste wegen der Corona-Krise abgesagt werden. (mas)

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