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Gottmannshofen

16.09.2019

Sie pilgern seit 65 Jahren für den Frieden nach Gottmannshofen

Ein Spalier mit Fahnen bildete den feierlichen Rahmen am Kriegerdenkmal, als Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier seine Rede hielt.

Rund 30 Vereine nehmen an der Wallfahrt des Gottmannshofener Soldatenvereines teil. Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier ruft in seiner Rede zum Gedenken auf.

Es war bereits die 66. Wallfahrt, als am Sonntag Kriegsteilnehmer und Soldaten mit mehr als 30 Vereinen zur Pfarrkirche Mariä Heimsuchung nach Gottmannshofen zogen.

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Als sich die Vereine in aller Früh mit ihren Fahnen an der Reatshofer Kapelle trafen, lag der Nebel über der Landschaft. Sie marschierten mit der musikalischen Begleitung der Bläserharmonie Wertingen, dem Altardienst und den zahlreichen Fahnen- und Standarten sowie Teilnehmern aus verschiedenen Ortschaften hinauf zur Wallfahrtskirche. Klaus Heinrich, Vorsitzender des Krieger- und Soldatenvereins Gottmannshofen, begrüßte die Vereine und Ehrengäste, darunter Landrat Leo Schrell und Bürgermeister Willy Lehmeier sowie die Vertreter des Bayerischen Kameraden- und Soldatenvereinigung und Stadtpfarrer Rupert Ostermayer. Heinrich freute sich, dass wieder so viele nach Gottmannshofen gekommen sind, um für den Erhalt des Friedens zu beten. Stadtpfarrer Ostermayer ging in seiner Ansprache darauf ein, dass der Friede schon in der Familie, in uns selbst und in unserem unmittelbaren Umfeld beginnt.

Die Friedenswallfahrt findet bereits zum 66. Mal statt

Im Anschluss an den feierlichen Gottesdienst zogen die Vereine und Teilnehmer mit ihren Fahnen zum Ehrenmal im Friedhof. Im Mittelpunkt der Friedenswallfahrt stand die Totenehrung am Kriegergrab, welche die Bläserharmonie Wertingen musikalisch umrahmte, wie auch schon den Gottesdienst.

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Warum der Einsatz für den Frieden so wichtig ist

Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier ging in seiner Ansprache auf die Schlacht um Verdun im Jahr 1916 ein. Mehr als 200.000 Menschen starben im Schlamm und Dreck, ohne Hoffnung, den Granaten ausgesetzt. Wer davonkam, war für sein ganzes Leben gezeichnet. Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, begann der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Knapp 60 Millionen Menschen verloren während des sechs Jahre dauernden Krieges ihr Leben. Er sollte das deutsch-polnische Verhältnis noch viele Jahrzehnte belasten. Fassungslos stellen wir heute fest, dass viele Menschen aus diesen schrecklichen Ereignissen anscheinend nichts gelernt haben, so Lehmeier. Im Gegenteil: Je länger Kriege zurückliegen, desto wichtiger werde das Erinnern. Ein Krieg ist beendet, wenn die Waffen schweigen. Seine Folgen aber seien ein Erbe für Generationen.

Rund 30 Vereine zogen bei der 66. Soldaten-und Friedenswallfahrt mit ihren Fahnen hinauf zur Wallfahrtskirche Maria in Gottmannshofen.
Bild: Konrad Friedrich

Die Demokratie mit Haltung verteidigen

Um diesem schweren Erbe gerecht zu werden, müsse man wachsam bleiben, sich politisch für Demokratie einsetzen und in Frieden leben. Das beginne im Kleinen, etwa dem nachbarschaftlichen Miteinander. Lehmeier zitierte den Ausspruch Joachim Gaucks: „Wir lassen uns das Vertrauen zu uns selbst und zu unserer Demokratie nicht nehmen.“ Das sagte Gauck in seiner Bilanz am Ende seiner Amtszeit als Bundespräsident. Auch dem demokratischen und stabilen Deutschland würde Gefahr drohen. Gauck forderte deshalb eine „wehrhafte und streitbare Demokratie“. Er nannte die EU ein „einzigartiges Friedens- und Wohlstandsprojekt“ und die richtige Antwort auf aufkeimenden Nationalismus. So äußerte sich auch der heutige Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der sagte: „Das vereinte Europa ist die rettende Idee.“ Das sei ein Auftrag für alle: Nicht nur gedenken und mahnen, sondern die Demokratie mit Haltung zu verteidigen. Dafür sei jeder Einzelne nötig.

Der Soldatenverein Gottmannshofen führt die Wallfahrt seit 1954 durch, die Mitglieder halten an dieser Tradition fest. Lehmeier dankte dem Verein für die Durchführung der Friedenswallfahrt.

Zum Abschluss wurde das Kameradenlied gespielt. Die Fahnen senkten sich und drei Böllerschüsse, abgegeben von Kannonier Peter de Liefde, verhallten in den nebligen Morgenhimmel.

Auch die Reservisten marschieren durch den Landkreis - ihnen geht es aber darum, Solidarität zu zeigen: Reservisten marschieren für ihre Kameraden

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