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Wertingen/Meitingen

05.03.2015

Singen und trällern stärkt kleine und große Menschen

Die 43-jährige Sozialpädagogin Birgit Sölch hat selbst schon oft erfahren, dass Singen aufheitert. Täglich singt sie auch mit ihren Kindern Helene und Quentin. Bild: Hassan

Wie wichtig ein Singen frei von Leistungsdruck ist. Und wie Kinder ganz von selbst lernen

Region Wertingen Bei langen Autofahrten, langweiligen Arbeiten und in dunklen Räumen weiß sich die achtjährige Helene zu helfen: „Ich summe und singe einfach – irgendwas.“ Bereits als kleines Baby hat ihre Mutter Birgit Sölch ihr und ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder Quentin regelmäßig vorgesungen. Perfekt Noten lesen kann die 43-jährige Herbertshofenerin nicht, dafür singt sie für ihr Leben gerne.

„Alle Menschen singen gerne, wenn man sie lässt“, sagt Elisabeth Balser. Die 48-jährige Gesangslehrerin hat im Laufe ihrer eigenen Kindheit, Jugend und langjährigen Arbeit mit Schüler(inne)n vielfältige Erfahrungen gesammelt. Immer wieder beobachtete sie, wie Menschen – die teilweise große Probleme im Leben hatten – sich mit dem Singen veränderten und stabil wurden. „Sie können ihre Reaktionen besser auf die Umwelt abstimmen.“

Dass die Musik etwas mit den Menschen macht, das ist auch der Ärztin Dr. Sabine Duttler seit Langem klar. „Singen liegt in der Menschheitsentwicklung vor der Sprache“, erklärt die 65-jährige Biberbacherin, „es stimmte auf Rituale ein und half, die Emotionen zu kanalisieren.“ Bis heute helfe das Singen den Menschen und allen voran Kindern, ihre eigenen Emotionen nach außen zu bringen.

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Seit gut vier Jahren musizieren die Ärztin Sabine Duttler und die Gesangslehrerin Elisabeth Balser gemeinsam in einem Quartett und tauschen sich über ihre Erfahrungen aus. So entstand die Idee, weiter zu recherchieren und ihre Erkenntnisse weiterzugeben (siehe Info).

Wichtig sei, sind sich die beiden einig, das Leistungsdenken aufzugeben. „Wenn ein Kind frei von Leistung seine Singfähigkeit entwickeln kann, entsteht ein großes Glücksgefühl“, sagt Sabine Duttler. Noch vor dem Sprechen fangen die Kinder oftmals an zu summen und brummen. Dass Kindergartenkinder noch nicht alle „richtig“ singen können, sei normal. Durch hören und singen kämen der Rhythmus, die exakten Tonhöhen und alle Feinheiten irgendwann ganz selbstverständlich. Und nach und nach werden die kleinen Sänger(innen) flexibler und kreativer.

Wie wir eine Muttersprache brauchen, um Fremdsprachen zu erlernen, seien auch die Dreiviertel- und Viervierteltakte unserer Kultur als Grundlage wichtig, um sich später beispielsweise in arabische und asiatische Rhythmen einzufinden. Elisabeth Balsers größter Wunsch wäre, dass Eltern und Großeltern ganz selbstverständlich mit den Kindern singen und alle Leute in einen Chor gehen. Den beiden Frauen geht es darum, dass Kinder und Menschen spontan und miteinander singen.

Durch den Eigenausdruck entstehe Selbstbewusstsein. Die Stimme sei etwas sehr Persönliches und ein idealer Zugang zum eigenen Körpergeschehen. „Deswegen kann man einen Menschen auch so stark verletzen, wenn man sagt, du kannst nicht singen oder mach den Mund nicht so weit auf“, weiß die Ärztin Duttler. „Dabei ist es so gesund und wichtig, dass die Menschen singen.“

Normal solle es wieder werden, dass Kinder, Jugendliche, Eltern und alte Menschen zuhause vor sich hinträllern, dass das Singen ein Stück Alltag ist. Denn, so betonen sie: „Spontanes Singen ist noch ein Stück gesünder als geplantes.“

Vortrag „Singen – warum eigentlich“ ist der Vortrag umschrieben, den die Ärztin Dr. Sabine Duttler und die Gesangslehrerin Elisabeth Balser am Mittwoch, 11. März, von 19.30 bis 21 Uhr im Wertinger Familienbüro der St. Gregor-Jugendhilfe halten. Sie informieren Eltern, Erzieher, Lehrer und Senioren über die positiven Auswirkungen des Singens auf Psyche und Geist von Kindern und Erwachsenen. Die Veranstaltung findet im Familienbüro Wertingen in der Josef-Frank-Straße 3 und ist für die Besucher kostenfrei. Infos unter Telefon 08272/9932973.

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