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Gründungsfest

08.05.2015

Starke Jungs und Mädels für alle Notfälle

Der größte Brand in der Wertinger Nachkriegsgeschichte: Am 16. Mai 2007 fing eine Halle der Firma Creaton Feuer. Der gewaltige Rauchpilz war schon von Weitem zu sehen.
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Der größte Brand in der Wertinger Nachkriegsgeschichte: Am 16. Mai 2007 fing eine Halle der Firma Creaton Feuer. Der gewaltige Rauchpilz war schon von Weitem zu sehen.

Die Wertinger Feuerwehr löscht Brände, befreit Verunglückte aus Autowracks und zieht auch mal ein Pferd aus dem Bach. Warum dieses Wochenende nicht alle Helfer das 150-jährige Bestehen der Wehr feiern können

Bei der Wertinger Feuerwehr nennen sie ihn liebevoll Opa. Gemeint ist Herbert Braun (66), der sich seit 52 Jahren der Sache der Floriansjünger verschrieben hat. Mit 63 endet die aktive Dienstzeit, aber Braun ist noch immer mit Feuer und Flamme bei der Feuerwehr. „Ich bin dafür da, Menschen in Not zu helfen und hätte gerne noch weitergemacht“, sagt der frühere Fürstenfeldbrucker. Für das Team ist der „Opa“ immer noch unersetzlich, auch wenn er nicht mehr an vorderster Front steht. Die Liebe hat Braun Anfang der 1970er Jahre in die Zusamstadt verschlagen. Und seit dieser Zeit hat der 66-Jährige als Feuerwehrmann viel erlebt. Brände haben die Wertinger Feuerwehrleute gelöscht, Schwerverletzte aus Autowracks befreit, Sandsäcke bei Hochwasser gefüllt, Hunde eingefangen, ein Pferd aus dem Bach geholt. An diesem Wochenende feiert die Freiwillige Feuerwehr ihr 150-jähriges Bestehen. Die Festredner werden vermutlich diese Erfolgsgeschichte im Dienst am Nächsten würdigen.

Beim Blick in die Geschichte bleibt auch Kommandant Rudolf Eser immer wieder an einem Ereignis hängen – dem Brand bei der Firma Creaton am 16. Mai 2007. Um 7.59 Uhr ging der Alarm los. „Und um 8.01 Uhr waren wir mit dem ersten Fahrzeug vor Ort“, sagt Eser mit einer gehörigen Portion Stolz. Viele der 58 aktiven Feuerwehrleute (hinzu kommen 14 Nachwuchskräfte in der Jugendfeuerwehr) wohnen in der Nähe des Feuerwehrgerätehauses in der Dillinger Straße 30 – ein Idealfall und eine Voraussetzung für kurze Hilfsfristen. Bei Creaton hatte Material an der Folienschweißanlage Feuer gefangen, die Halle brannte ab, der Schaden machte mehrere Millionen Euro aus. „Ein Rauchpilz stand wie eine Atomwolke am Himmel“, erinnert sich der Kommandant. Auswärtigen Feuerwehren habe er den Weg nicht erklären müssen. „Ich sagte nur, fahren Sie auf Sicht.“ Den größten Brand der Nachkriegsgeschichte haben die Feuerwehren der Region bravourös bewältigt. Ein Übergreifen der Flammen auf andere Gebäude konnte verhindert werden.

Damit die Feuerwehr helfen kann, brauche sie auch die entsprechende Ausrüstung. Bei den Beschaffungen gab es nach Informationen unserer Zeitung in der Vergangenheit mitunter Reibereien. Der Kommandant ist deshalb froh, dass die Stadt Wertingen vor zwei Jahren einen Feuerwehrbedarfsplan aufgestellt hat. Inzwischen läuft die Ausschreibung für ein Hilfeleistungs-Löschfahrzeug 20 (im Tank sind 1600 Liter Wasser und 120 Liter Schaum), das etwa 400000 Euro kosten wird und im Frühjahr 2016 bereitstehen soll. Die Wertinger Feuerwehr ist nicht irgendeine unter den Wehren im Landkreis Dillingen. Neben den Floriansjüngern aus der Zusamstadt haben in der Region nur die Feuerwehrler in Dillingen und Lauingen eine Drehleiter. Deshalb ist die Wertinger Feuerwehr immer wieder außerhalb der Stadtgrenzen im Einsatz.

Den Feuerwehrverein führt eine Frau: Anna Kerber. Am 7. Mai 1998 hatte die heutige Diplom-Pädagogin mit ihrer Freundin einen Info-Abend bei der Wertinger Feuerwehr besucht. „Und da bin ich gleich dabei geblieben“, blickt die Gottmannshoferin zurück. Fünf Mädels traten damals ein. Sie waren aber nicht die ersten Frauen bei der Wertinger Wehr, informiert Kerber. Den Anfang mit der Frauenpower hatten 1978 drei Damen gemacht, die jetzt passive Mitglieder sind. 13 von gut 70 Aktiven sind mittlerweile Frauen. Im Ganzen hat die Wertinger Wehr etwa 140 Mitglieder, erläutert die Vorsitzende. Ihr gefällt der Teamgeist in der Truppe. „Wir helfen anderen in der Not und erleben bei der Erfüllung unserer Aufgaben ein Gemeinschaftsgefühl“, sagt Kerber.

Die Anforderungen an die Feuerwehren steigen, erklärt Kommandant Eser. Wenn die Helfer etwa zu verunglückten Gas- und Elektroautos gerufen werden. „Es gab auch schon ein Jahr, in dem wir 264 Mal im Einsatz waren“, sagt Eser. Und auch beim Gründungsfest an diesem Wochenende werden nicht alle Mitglieder der Wehr feucht-fröhlich feiern können. 16 Mann müssen in Bereitschaft sein. „Wir können doch den Schutz der Bevölkerung nicht vernachlässigen“, erklärt der Kommandant den Grund.

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