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02.06.2008

Staunen über Sonne, Mond und Sterne

Zusmarshausen-Streitheim - "Vom Schöpfer gegeben. Dem Menschen zur Freude." Kein Spruch der Welt könnte an dieser Stelle besser passen als dieses in Granit gemeißelte Zitat! Es ist das Lebensmotto eines Mannes, der auch mit 76 Jahren unermüdlich seine Ziele verfolgt: Martin Mayer. Seit dem Tag der Großen Sonnenfinsternis 1999 betreibt er in dem kleinen Zusmarshauser Ortsteil Streitheim "seine" Sternwarte.

VON MARKUS SCHWER (Text) und Marcus Merk (Fotos)

Zusmarshausen-Streitheim "Vom Schöpfer gegeben. Dem Menschen zur Freude." Kein Spruch der Welt könnte an dieser Stelle besser passen als dieses in Granit gemeißelte Zitat! Es ist das Lebensmotto eines Mannes, der auch mit 76 Jahren unermüdlich seine Ziele verfolgt: Martin Mayer. Seit dem Tag der Großen Sonnenfinsternis 1999 betreibt er in dem kleinen Zusmarshauser Ortsteil Streitheim "seine" Sternwarte. Eine Beobachtungsstation, bei der es mehr um das Erleben der großen Zusammenhänge von Sonne, Mond und Sternen geht als um die pure Befriedigung wissenschaftlichen Forschertriebs. Gut 1000 Menschen kommen Jahr für Jahr in die Volkssternwarte, um ein Gefühl zu bekommen für die Größe und Unfassbarkeit des Universums. Modelle und Objekte helfen dabei - angefangen von einem kleinen Ball und einem Schuhbändel, die die Entfernung von Satelliten zur Erde simulieren, bis zu zwei Teleskopen für die nächtliche Sternenschau.

Doch nicht nur in Vorträgen und bei Führungen will Mayer den Menschen die Sterne vom Himmel holen. Jeder, der als Fußgänger oder Radler auf dem vom Naturparkverein Westliche Wälder ausgeschilderten Rundweg vorbeikommt, soll sein Wissen bei jedem Wind und Wetter erweitern können. Sozusagen im Vorbeigehen. "Astronomische Pergola" heißt dieses Projekt, das Mayer seit einem knappen Jahr vorantreibt und das noch vor den großen Ferien über die Ziellinie gehen soll. Ein überdachter Anbau wird Einblicke bieten auf Livebilder des Wettersatelliten Meteosat 8, die auf einen Flachbildschirm übertragen werden, auf ein Foucault'sches Pendel, das die Erddrehung beweist und erlebbar macht. Planetenmodelle werden die Größenverhältnisse und Entfernungen aufzeigen. Die Sonnenuhr an der Südwand zeigt die schönsten Stunden des Tages an, und eine Glaskugel misst die Sonnenscheindauer, indem sie das solare Licht bündelt und auf einen Kartonstreifen Löcher brennt.

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Einen Meilenstein hat Mayer nun dieser Tage gesetzt. Im wahrsten Sinne des Wortes: Gut eine halbe Tonne schwer ist die Granitplatte aus China, 2,30 Meter lang und 1,3 Meter breit, die die Basis darstellt für den Gnomon. Er geht zurück auf die babylonische Zeit und heißt auf Deutsch: Schattenstandsanzeiger. Der Großaitinger Steinmetzmeister Bernd Röhrich hat millimetergenau jene Linien in den Stein gefräst, die verdeutlichen, wie lange die Schatten im Winter bei tiefstehender Sonne und wie kurz sie doch im Hochsommer sind. Das Objekt, das die Schatten wirft, ist ein 20 Zentimeter hoher Obelisk, den der Augsburger Goldschmiedemeister Christof Lachenmann-Fries aus Edelstahl gefertigt und mit einer blauen Kugel gekrönt hat. Ebenso interessant wie beeindruckend ist dabei, dass der Schatten an den Tagen der Tagundnachtgleiche - also am 21. März und am 23. September - eine exakt gerade Linie erzeugt - Sonnenschein statt Schneefall vorausgesetzt. Als vorige Woche der Obelisk feierlich auf die Steinplatte gesetzt wurde, schien die Sonne, die Schattenspitze wanderte in die gelb eingefärbte Nord-Süd-Linie, und der Kommentar lautete schlicht: "Jetzt ist in Streitheim der wahre Mittag." Zwölfe war's nach mitteleuropäischer Zeit, 13 Uhr Sommerzeit.

Speziell für die geografischen Daten der Streitheimer Sternwarte ausgerechnet hat die Schattenlinien Pater Gregor Helms, der seit bald 30 Jahren am Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg Mathematik, Physik und Astronomie unterrichtet. Der Benediktiner ist wie Mayer einer, der die Wissenschaft erlebbar machen will. Zwei seiner Kollegiaten hat er gar so begeistert, dass sie derzeit das Schulplanetarium wieder auf Hochglanz bringen.

Andere mit seiner eigenen Begeisterung anstecken konnte der ehemalige Leiter des Violauer Bruder-Klaus-Heims, der von seiner Frau Ottilie seit Jahrzehnten bei all dem unterstützt wird, jetzt auch, als es darum ging, Mitstreiter zu finden. Denn immerhin mehr als 30 000 Euro investiert Mayer in die "Pergola astronomiae".

Die Mühe lohnte sich: Mit je rund 5000 Euro unterstützen der Bezirk Schwaben, der Landkreis Augsburg, der Markt Zusmarshausen und die Kreissparkasse das Projekt. "Das ist nicht für mich. Ich will die Menschen ,aufschließen¿ für die Wirklichkeit des Universums", wird der gläubige Katholik nicht müde zu betonen. Dabei ist das gar nicht nötig. Es steht doch in Stein gemeißelt: "Dem Menschen zur Freude."

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