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Buttenwiesen

10.05.2019

Surteco GmbH in Buttenwiesen kämpft gegen Flaute an

Die Surteco GmbH in Buttenwiesen kämpft gegen eine Flaute an.
Bild: Benjamin Reif

Dekor-Druckerei für Möbel-Oberflächen in Buttenwiesen verzeichnet Umsatzeinbußen und hat die Wochenarbeitszeit reduziert. Die Gewerkschaft protestiert

Von „Hiobsbotschaften“ spricht die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie. Gemeint ist ein deutlicher Absatzrückgang in den letzten beiden Jahren bei der Surteco GmbH in Buttenwiesen, den die Geschäftsführung einräumt. Die Beschäftigten am Standort leisten derzeit einen freiwilligen Entgeltverzicht von fünf Prozent, das heißt die Wochenarbeitszeit wurde um zwei Stunden reduziert. Dies wurde bei einer Mitgliederversammlung der Gewerkschaft im Gasthaus Lagoi in Buttenwiesen deutlich.

„Die Beschäftigten haben derzeit nichts zu lachen bei Surteco in Buttenwiesen“, berichtet Torsten Falke, Bezirksleiter der IG BCE in Augsburg, „viele haben derzeit die sprichwörtliche Faust in der Tasche, weil sie erbost über das Verhalten der Geschäftsführung sind“. Nach drei Jahren massiver Überstundenbelastung und Umstrukturierungen aufgrund der Übernahme von Aktivitäten der Firma Süddekor, folge nun eine Flaute, die auf dem Rücken einer stark belasteten Belegschaft ausgetragen werde, so der Gewerkschafter.

Wie aus Kreisen des Betriebsrates zu erfahren sei, würden trotz hervorragender Ergebnisse des DAX-notierten Mutterkonzerns der Surteco SE, die Gürtel bei der Surteco GmbH enger geschnallt. Nachdem sich das Unternehmen unlängst von einer ganzen Reihe von Beschäftigten angeblich einvernehmlich getrennt habe, werde derzeit „mit einem Personalkonzept, das Mitarbeiter krank macht, rumexperimentiert“, erbost sich Bezirksleiter Falke.

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„Der Branche geht es schlecht“

Dieter Baumanns, Vorsitzender der Geschäftsführung der Surteco GmbH, bestätigt: „Der Branche geht es schlecht.“ In einer Pressemitteilung erklärt Baumanns, dass einige Abnehmergruppen der Surteco GmbH, wie beispielsweise die Laminatfußbodenindustrie, seit mehreren Jahren mit Absatzrückgängen zu kämpfen haben. Dies führe zu deutlichen Umsatzrückgängen in einzelnen Teilsortimenten der Surteco GmbH und in deren Folge zu einem negativen Ergebnis für das Geschäftsjahr 2018.

Unter anderem betroffen sei der Bereich Dekordruck, der am Standort Buttenwiesen betrieben wird. „Selbstverständlich muss ein Unternehmen auf einen solchen Nachfragerückgang und die daraus resultierende Unterauslastung der Produktionsanlagen reagieren und alle Maßnahmen ergreifen, um schnellstens wieder in die Gewinnzone zu kommen. Nur so können die Arbeitsplätze an allen Standorten langfristig gesichert werden“, erklärt Baumanns. Durch die Wirtschaftskrise 2008 navigierte die Surteco „mit rechtzeitigem und beherztem Handeln ohne größere Blessuren“. So halte es das Unternehmen auch jetzt.

In den Standort Buttenwiesen habe die GmbH in den vergangenen fünf Jahren mehr als 30 Millionen Euro investiert und hier den Sitz des Unternehmens ausgebaut. Seit 2015 wurden mehr als 200 neue Mitarbeiter in Buttenwiesen eingestellt, berichtet Baumanns.

„Während nahezu alle Wettbewerber Standorte im Ausland, etwa in Osteuropa oder Asien betreiben, hat die Surteco den deutschen Standort für Dekordruck gestärkt. Marktbegleiter hingegen reagierten auf die Absatzsituation mit Kurzarbeit. Ein Wettbewerber steht ganz zum Verkauf und manche Maschine musste abgestellt werden“, weiß der Geschäftsführer.

Umfassendes Sparprogramm wurde angeordnet

Die Surteco GmbH habe ein umfassendes Sparprogram aufgelegt, das alle Bereiche betreffe. Bei den Sachkosten gehen die umgesetzten Einsparmaßnahmen vom Materialverbrauch über optimierte Produktions- und Verwaltungsprozesse bis hin zu den Einkaufspreisen. Vertriebs- und Verwaltungskosten seien ebenso im Visier eines speziell installierten Projektteams, wie etwa die Kosten für Transport und Verpackung.

Alle Mitarbeiter sind laut Baumnanns von diesem Sparprogramm betroffen: tarifliche wie außertarifliche genauso wie Management und Aktionäre – diese mit einer Kürzung der Dividende um 30 Prozent. Mitarbeiterzahlen wurden durch verschiedene Maßnahmen angepasst. So verzichtete die GmbH auf Neueinstellungen freigewordener Stellen bei sogenannter natürlicher Fluktuation oder machte Angebote zu Aufhebungsverträgen, beispielsweise für Arbeitnehmer, die kurz vor der Altersrente stehen. „Auf betriebsbedingte Kündigungen konnte dank der einvernehmlichen Lösungen verzichtet werden“, sagt Baumanns. Zusätzlich sei für die nicht ausgelasteten Betriebsteile gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern die Umstellung von der 40-Stunden-Woche auf die 38-Stunden-Woche vereinbart worden.

Baumanns bestätigt in diesem Zusammenhang, dass eine beschlossene Tariferhöhung um drei Monate verschoben wird. Das Unternehmen halte sich jedoch selbstverständlich an den Tarifabschluss. Die Tarifvertragsparteien hätten jedoch ausdrücklich die Möglichkeit vorgesehen, dass Unternehmen, die Verluste erzielen, die Tariferhöhung verschieben können.

Gewerkschafts-Bezirksleiter Torsten Falke bezeichnet dies als „kurzfristige Panikreaktionen“ bei der Surteco GmbH. Das Unternehmen werde jetzt noch mehr Mitarbeiter verlieren, die sich auf einem guten Arbeitsmarkt adäquat bezahlte Stellen aussuchen könnten.

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