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Sehenswerter Kurzfilm

16.05.2018

Tatort Laugnakreisel – nicht wegschauen!

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2 Bilder
Das Wertinger Jugendhaus unter der Führung von Tobias Kolb den ersten Preis beim Wettbewerb „Zivilcourage“ geholt. 500 Euro gab es für ihren vierminütigen Film. Gedreht wurde Anfang des Jahres in der Unterführung des Laugnakreisels in Wertingen. Das Bild zeigt ein Teil des Filmteams, von links Marco, Murat, Jonas, Selcuk und Stadtjugendpfleger Tobias Kolb.
Bild: Bärbel Schoen

Die Wertinger Jugend dreht einen packenden kleinen Thriller. Der räumt einen Preis ab

Mitten in der Nacht Rauchschwaden, grelles Scheinwerferlicht, verzerrte Stimmen, ein gellender Schrei, klickende Handschellen: Die Unterführung des Wertinger Laugnakreisels wurde vor einigen Wochen zum Tatort. Glücklicherweise nicht in der Realität, sondern lediglich für einen Video-Clip. Das Filmteam im Wertinger Jugendhaus hatte sich im Februar daran gemacht, einen spannenden Streifen zu drehen, um ihn beim „Wettbewerb für Helden“ – vom Kriminalpräventiven Rat Augsburg ausgelobt – einzureichen. Die Jury fand ihn am Ende so spannend, dass er jetzt mit dem ersten Platz ausgezeichnet und mit 500 Euro belohnt worden ist.

„Am Drehtag war es extrem kalt“, erinnert sich Stadtjugendpfleger Tobias Kolb zurück. Und an eine lange Nacht für die Akteure. „Um drei Uhr morgens hatten wir die Szenen endlich im Kasten“, berichtet Jonas, der Kameramann, von effizienter Dreharbeit, von Bärenhunger und Erschöpfungszuständen. Aus zwei Stunden Rohmaterial hat er anschließend einen Trailer von knapp vier Minuten geschnitten und im Internet tagelang nach Gema- freier Musik gesucht. Musik, die im Film nicht nur Spannung aufbauen kann, sondern auch Nervenkitzel erzeugt, sodass es dem Zuschauer Schauer über den Rücken jagt.

Technik, Drehbuch und Musik sind das Eine. Mit den Darstellern steht und fällt ein Film. „Ich glaube, wir haben ein gutes Händchen bei der Verteilung der Rollen bewiesen“, sagt Tobias Kolb. Da ist zum Beispiel Lara mit der schwarzen Wollmütze. Ihre großen und stechenden Augen erzeugen Gänsehaut. Sie nehmen den Betrachter mit in eine Gefühlswelt, die von Grausamkeit und Kälte geprägt ist. Im Film wird bewusst kein einziges Wort gesprochen. Mimik und Gestik bestimmen die Erzählung: Eine Mädchengang lungert im Tunnel herum, ist aggressiv. Eine Radfahrerin nähert sich, das Quietschen der Reifen ist zu hören. Ein abrupter Stopp. Schreie, Blut, Tritte. Ein Jogger beobachtet die Gewaltszene...

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Eingreifen oder lieber wegducken? Das scheint er sich zu fragen. Der Clip zeigt eindrucksvoll, wie jeder handeln und helfen kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Eingreifen und Zivilcourage zeigen? Der Wettbewerb greift ein Phänomen in unserer Gesellschaft auf. Viele reagieren mit Wegsehen und Schweigen und meinen, dass sie ja doch nichts machen könnten. Dabei sind im Alltag nicht Heldentaten gefragt, eher couragiertes Auftreten.

Tobias Kolb ist mächtig stolz auf seine Schützlinge, von denen etliche schon längst dem Jugendalter entwachsen sind. Mehr als zwei Dutzend Personen waren am Dreh beteiligt. Manche standen hinter oder vor der Kamera, andere holten einfach Pizza und belegte Brötchen.

Mit einem Film und dem Geschehen darin könnten sich Jugendliche identifizieren. „Sie können helfen, Aggressionen und Ängste zu überwinden“, sagt Kolb. Seine „Helden“ werden künftig hinschauen, da ist er sich sicher. Der Begriff „Zivilcourage“ sei vielen während des Drehs klarer geworden. Niemand müsse sich als Held beweisen, oft genügten schon kleine Dinge. Wichtig sei, wachsam zu sein und hilfesuchende Personen wahrzunehmen.

Zivilcourage kann Leben retten. So wie das von Janin, der Protagonistin im Video-Clip. Am Schluss klicken die Handschellen – angelegt von echten Polizisten. „Das war keine alltägliche Situation“, sagt Martina Guß. Die Wertinger Polizeichefin steht hinter dem Anliegen der jungen Leute. Auch wenn es in der Zusam-stadt in der Vergangenheit noch nie zu solchen Gewaltattacken gekommen ist – zumindest nicht zu solchen, die bekannt wurden – dürfe man die Lage nicht schönreden. So etwas kann nach Guß’ Ansicht immer und überall passieren, auch in Wertingen. Wichtig sei: Handeln, laut rufen, sich Verbündete suchen, dem Opfer nach Möglichkeit helfen und sofort den Notruf absetzen. „Trotzdem sollte man sich selbst nicht in Gefahr bringen“, sagt Guß. Der Videoclip sei ein ideales Lehrbeispiel.

Und zwar nicht nur für die Jugendlichen: Zwei Beamte von der Wertinger Polizeistation kamen tatsächlich, um die Jugendlichen bei ihrer Filmaktion zu unterstützen. Im Videoclip fahren sie mit Blaulicht vor und laufen in die Unterführung.

Hier geht‘s zum Clip: https://www.youtube.com/watch?v=TAOooMke7P8

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