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Verkehr

27.09.2018

Temposünder und „Übergewichtige“

Viele Lastkraftwagen fahren über die Brücke, obwohl sie das wohl nicht dürfen.
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Viele Lastkraftwagen fahren über die Brücke, obwohl sie das wohl nicht dürfen.
Bild: Günter Stauch

Der Staatsstraßen-Ausbau vor Roggden verschärft die kritische Verkehrssituation im Raum Hettlingen zusätzlich. Manche Eltern haben Angst um ihre Kinder

Die Ortsverbindungsstrecke zwischen den beiden Wertinger Stadtteilen Hettlingen und Roggden führt zunächst kerzengerade nach Nordwesten. Sie wird dabei von einer Baumallee umsäumt, wie man sie in der Region nur noch selten erleben kann. Die Straße verläuft schließlich in einem sanften Linksbogen direkt zur Zusambrücke, die in hellgrauen Tönen leuchtet. Ob die Fahrer der viel zu schweren Lastzüge, die weit mehr als die maximal vorgeschriebenen siebeneinhalb Tonnen Gewicht mitführen, den idyllischen Anblick dort genießen können, ist nicht überliefert. Als durch glaubhafte Aussagen von Augen- wie Ohrenzeugen gesichert gilt hingegen das verbotswidrige Überqueren des schmucklosen Bauwerks. Das ist aber zurzeit nicht das einzige Problem am Stadtrand von Wertingen.

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Seit Langem und erst recht seit vergangenem Juli mit Beginn der Staatsstraßen-Umleitung bei Roggden verbreiten neben den Brummis auch die eher leichteren Pkw Angst und Schrecken bei der Bevölkerung. Inner- wie außerorts. Da wird gerast, überholt und geschnitten, was das Zeug hält. Eindringlich warnt zwar eine Schilderkombination südlich von Geratshofen vor dem anspruchsvollen Kurvenverlauf über rund anderthalb Kilometer Länge. Auch gilt auf der mittlerweile als berüchtigt geltenden „Rennstrecke“ nur Tempo 80. „Da geht immer was ab, und seit der Sperrung der Staatsstraße ist dort verrückt viel los“, berichtet einer, der über viele Jahre als Berufskraftfahrer ein gutes Gespür für Geschwindigkeit und Tonnage entwickeln konnte: Stefan Demharter steuerte einst die ganz großen Gespanne über Hunderttausende von Kilometern pro Jahr. Und hat jetzt als Betreiber der ersten Beton-Tankstelle in der Region seit einem Jahr alle Hände voll zu tun, aber immer noch Zeit genug, um kurz aus einem Augenwinkel das brenzlige Geschehen wenige Meter neben sich zu verfolgen.

„Da wird schon im Gewerbegebiet zügig Gas gegeben und überholt“, weiß der umtriebige Jungunternehmer. Der Mann weiß aber noch nicht, über wen er sich in diesen verkehrsreichen Tagen mehr aufregen sollte - über seine Berufskollegen oder den vorüberrauschenden Individualverkehr. „Da brettern auch mal 40-Tonner Richtung Roggden die Straße entlang“, ist sich der Branchenkenner ganz sicher, der als erfahrener Insider jedes einzelne Kilo Fahrzeug gut einzuschätzen versteht. Auffallend seien dabei die auswärtigen Kennzeichen. Allerdings überlegt sich der Geratshofener, warum eigentlich mitunter fast ebenso gewichtige Busse oder breiträdrige Ackerflächenmonster legal passieren dürfen. Dem unscheinbaren Brückchen über Zusamfluten widerfahren schwere Zeiten nicht zum ersten Mal. In denen verschwanden laut dem ehemaligen Zweiten Bürgermeister und Heimathistoriker Alfred Sigg zum Ende des Zweiten Weltkriegs haufenweise Waffen und Munition. Das Militär entsorgte an dem Übergang, der im Zuge der Flussregulierung 1928 aufgelegt wurde, Handfeuerwaffen, Gewehre sowie jede Menge Munition.

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Gefahren lauern Heike Kahler zufolge aber vor allem auf dem Fahrstreifen zwischen den Leitpfosten davor, den sie schon lange „nur noch mit Herzklopfen“ hinter sich bringen kann: „Die 80 sind viel zu hoch, da kann es schon bei Tempo 50 kritisch werden“, urteilt die Schulleiterin über die Lage an der viel befahrenen Stelle, die seit einiger Zeit auch die Gespräche im Freundeskreis dominiert. Dort wird auch fest geradelt, trotz der von ihr so beschriebenen Situation: „Kurvig,unübersichtlich, schmal.“ Letzteres treibt Frank Stepan so um, dass Hettlingens Ortssprecher im Stadtrat seit zwei Jahren die Werbetrommel für eine Verbreiterung der vor einem Vierteljahrhundert gebauten Straße rührt. „Wenn da nichts geschieht, passiert eines Tages mal etwas Schlimmes.“ Um das Thema weiß auch die Kommune, die vor wenigen Tagen mit einer provisorischen Randerweiterung reagierte, doch für eine Asphaltierung fehlt das liebe Geld und Grundstücksverhandlungen verliefen schon in der Vergangenheit zäh.

So wie der momentane Umleitungsverkehr, den ganz Eilige einfach meiden und dabei wissentlich wichtige Verkehrszeichen ignorieren. „Wir haben alles ausreichend ausgeschildert“, heißt es aus Wertingens Bauverwaltung. Laut Markus Felber weisen etliche Tafeln rechtzeitig sowohl auf die Gewichtsbeschränkungen hin als auch die vorgeschriebenen Ausweichstrecken wegen der Bauarbeiten an der berüchtigten Hesselbachkurve hinter der Zusamstadt. Die Reise soll bis zum Abschluss der Maßnahmen Ende 2018 entweder über Binswangen und Zusamaltheim gehen oder über Laugna und Marzelstetten. Problematisch sei es dabei bei angesteuerten Betrieben in Roggden. „Dort spielt sich im Moment noch das meiste Aufkommen ab, weit mehr als bei uns in Hettlingen“, betont Ortssprecher Stepan. Dennoch würde auch dort viel gefahren. „Nicht unbedingt nur Raser, aber wir spüren schon die deutliche Zunahme“, ist sich Stadtjugendpfleger Tobias Kolb, der seinen sieben Jahre alten Sohn Hannes nicht mehr mit dem Rad zum Kicken ins Nachbardorf fahren lässt. Beruhigend auf alle kann da nur das Erscheinen uniformierter Spezialfahrzeuge mit aufgesetzter Leuchte wirken. „Wir überwachen alle Baustellen und Umleitungen ganz genau“, versichert Polizeihauptkommissar Erwin Kalkbrenner und zeigt auch ein Herz für Beschwerdeführer: „Das wird von uns ernst genommen und wir gehen der Sache nach.“ Notfalls bewaffnet mit der Lasermesspistole.

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