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08.02.2015

Von Hinz und Kunz

Gemeinsam mit seinen Zuhörer(inne)n – im Bild die Veranstalterinnen Barbara Mahler (links) und Burga Endhardt von der Wertinger Kunstschule KuK machte sich Alfred Sigg auf die Suche nach den Ursprüngen von Familiennamen.
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Gemeinsam mit seinen Zuhörer(inne)n – im Bild die Veranstalterinnen Barbara Mahler (links) und Burga Endhardt von der Wertinger Kunstschule KuK machte sich Alfred Sigg auf die Suche nach den Ursprüngen von Familiennamen.
Bild: Schoen

Warum es besonders viele Demharters gibt und woher die Namen Lehmeier und Bröll stammen

Die eigentliche Veranlassung, warum jemand den Namen Kraus, Straub (struppig), Schön, Lange, Dü(i)rr, Klein oder Schwarz bekam, der dann zu einem Familiennamen wurde, bleibt in der Regel im Dunkeln. „Einer ihrer Vorfahren muss allerdings von entsprechender Gestalt gewesen sein“, erklärte Alfred Sigg. Der 72-Jährige hatte diese Woche in der Kunstschule KuK einiges über die in der Region gängigen Familiennamen zusammengetragen.

So wurden im Laufe des Abends nicht nur die Namen der Besucher beleuchtet, sondern auch die in der Region bekannten Personen: Seitz (Sigberg), Kunz (Konrad), Hinz (Heinrich), Killensberger (Kilian). „Alles Namen, die aus Rufnamen gebildet wurden.“ Ihre Entstehung gehe bis ins 12. Jahrhundert zurück.

Namen, die aus Berufsbezeichnungen abgeleitet wurden, stellen heute die größte Gruppe dar: Müller, Schmid, Meier (von Major, der Größte), Weber, Schulz (von Schultheiss), Wagner, Schneider, Huber (der Kleinere), Reiter, Brändle oder Senger (vom Abbrennen, Sengen der Felder).

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Glatte Haare hatte beispielsweise der „Schlichthärle“. Auf fehlende Haarpracht weist auch „Bschorr“ denn wörtlich meint das einen „Beschorenen“. Interessant wurde es bei den sogenannten „Übernamen“. Wochentage und Jahreszeiten konnten so die Vorlage für einen Familiennamen sein: Freitag, Sonntag, Winter, Sommer.

Sigg stellte auch Kurioses fest: „Gott, Teufel oder Bischof könnten aus dem kirchlichen Umfeld stammen.“ Allerdings sei auch möglich, dass der Betroffene gerne Theater spielte. Eindeutig sei dagegen die Herkunft des Namens Denzel: „Ein Tänzer im Theater.“

Bis zur Einführung der Standesämter im Jahre 1873 wurden Namen auch immer wieder geändert oder bekamen neue Schreibweisen. „Meier mit ai, ay, ey sind ein gutes Beispiel“, so Sigg.

Namen wurden ab dem 12. Jahrhundert aus Herkunfts- und Wohnstätten, aus Land- und Forstwirtschaft, aus dem Nahrungsmittelgewerbe, aus dem Holz-, Metall- und Töpferhandwerk, aus Leder- Textil- und Pelzverarbeitung sowie aus Dienstleistungen und Standesbezeichnungen abgeleitet. Auch nach körperlichen und geistigen Eigenschaften, der Kleidung, des Besitzstandes der Menschen wurden Namen geformt. Bäume, Flüsse, Regionen und die Bodenbeschaffenheit waren ebenfalls Grundlage für die Bildung von Familiennamen.

Warum der Familienname „Demharter“ in der Wertinger Gegend so häufig ist, erklärt Sigg mit der Fruchtbarkeit der Familien auf den vier Demhart-Höfen: „Den Namen gibt es in Deutschland sonst nirgends mehr.“

Sigg suchte auch nach dem früheren Wertinger Ehrenbürger „Hitler“ in den Telefonbüchern: „Ich fand aber nur einen Eintrag.“ Für die Herkunft des Namens gebe es zwei Möglichkeiten: Ein unterirdischer Wasserlauf (Hiedel) oder das Aufschlagen von Hütten für Märkte. Boshafte Pfarrer sollen unehelich geborenen Kindern schon mal Namen wie Quitorius verpasst haben und Findelkinder wurden nach dem Fundort benannt.

Vorfahren von Bürgermeister Willy Lehmeier könnten einen Hof als Lehengut bewirtschaftet haben. Ein beleibter Mensch wurde vor hunderten von Jahren „Bröll“ genannt.

Eine Auffälligkeit hat Alfred Sigg am Schluss festgestellt: „Frauen spielten bei der Namensbildung so gut wie keine Rolle.“

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