1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Warum die EU die Zusaminsel ermöglichte

Wertingen

03.05.2019

Warum die EU die Zusaminsel ermöglichte

Copy%20of%20IMG_2590.tif
3 Bilder
Die lang gezogene Zusambrücke und die künstliche erschaffene Zusaminsel waren noch vor etwas mehr als zehn Jahren ein Wunschtraum des Bürgermeisters und vieler Bürger. Insgesamt kostete das Projekt rund drei Millionen Euro. 1,2 Millionen davon bezuschusste die Europäische Union.
Bild: Benjamin Reif

Plus Nicht nur in den ärmeren Teilen der Europäischen Union, sondern auch im Landkreis Dillingen fließt Geld der Staatengemeinschaft in Strukturprojekte. Wie Wertingen zu 1,2 Millionen kam.

Vor zehn Jahren beschloss die Stadt Wertingen die Neugestaltung der Zusaminsel. Wo heute der Stadtmarkt stattfindet und vor allem bei schönem Wetter viele Wertinger ihre Mittagspause im Freien verbringen, herrschte vor der Neuerrichtung 2010 eher Tristesse. An den Ufern der ehemaligen Stadtmühle wucherte das Gestrüpp vor sich hin. Besserung schien lange Zeit nicht in Sicht, denn es war klar, dass eine Neugestaltung mehrere Millionen Euro kosten würde. Doch dann erfuhr man in der Stadtverwaltung, dass die Wertinger Zusaminsel für ein Förderprogramm der Europäischen Union (EU) in Frage kommen würde. Die Stadt bewarb sich und bekam tatsächlich den Zuschlag. Für insgesamt drei Millionen Euro wurde die Zusaminsel geschaffen, das Areal wurde vom Schandfleck zu einem der schönsten Orte Wertingens. Das Wasserrad ist ein Blickfang und zu einem Erkennungsmerkmal der Stadt geworden.

Rund 1,2 Millionen Euro für das Projekt kamen aus einem Fördertopf der EU. Eine schöne Sache für Wertingen – doch stellt sich bei genauerem Hinsehen die Frage, warum die Beamten in Brüssel überhaupt Geld für die Baumaßnahme in Wertingen bereit gestellt haben.

Darum gab es Geld von der EU für die Zusaminsel

Die EU verfolgt ein zentrales Anliegen: Die „Kohäsion“ innerhalb der Staatengruppe aus 28 Mitgliedern zu erhöhen. Der abstrakte Begriff wird in der Soziologie verwendet und lässt sich ungefähr mit „Zusammenhalt“ übersetzen. Um diesen Zusammenhalt herzustellen, fließen Gelder in verschiedenste Projekte, die der Allgemeinheit dienen und die Lebensqualität verbessern sollen. In ärmeren Mitgliedsstaaten wie Rumänien oder Bulgarien sind das oft Infrastrukturprojekte oder Einrichtungen des öffentlichen Lebens. In reichen Gegenden – der Landkreis Dillingen ist im europaweiten Vergleich sehr wohlhabend – setzt die EU andere Prioritäten bei der Förderung.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Die Kohäsionspolitik der EU wird vor allem durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) und den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) vorangetrieben. Der ESF fördert vielerlei integrative Projekte, etwa das Programm „Finde deinen Weg“ in Dillingen (wir berichteten). Der EFRE hat im Zeitraum von 2014 bis 2020 ein Budget von enormen 351 Milliarden Euro. Damit werden Forschungsprojekte, Digitalisierungsmaßnahmen oder Projekte gegen den Klimawandel gefördert. „Nachhaltigkeit“ ist hier das Schlüsselwort – und das gilt auch in der Stadtentwicklung. Was die EU nicht fördern will, sind Prestigeprojekte, welche mehr Schauwert als Nutzen besitzen.

Als ein solches wurde im Jahr 2009 die Errichtung der Zusaminsel nicht eingestuft. Vielmehr attestierten die Brüsseler Prüfer der Stadtverwaltung, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. Ursprünglich waren der Neubau der Zusambrücke und die Gestaltung der Zusaminsel zwei getrennte Bauvorhaben gewesen, die dann zusammengefasst wurden. Durch die umfangreiche Neugestaltung des Areals mit Zusaminsel, Brücke und Grünanlagen sahen die Geldgeber der EU ein ganzheitliches und nachhaltiges Projekt, welches das Allgemeinwohl förderte. Auch der Freistaat beteiligte sich an den Kosten.

Der Wasserkreislauf wird auf der Zusaminsel anschaulich gemacht

Besonders wohlwollend wurde auch die Art und Weise bewertet, wie die Ökologie und der Wasserkreislauf anschaulich gemacht wurden. Auf einer Schautafel am Ende der Zusambrücke werden heimische Tierarten vorgestellt. Das Wasserrad befördert Wasser über ein ausgeklügeltes Leitungssystem zu einem Wasserspiel auf einer Ausbuchtung der Zusambrücke und lässt dieses spielerisch wieder in die Zusam zurücksprudeln. Und nebenan wird in einem privaten Wasserkraftwerk wirklich Öko-Strom erzeugt – durch ein Schaufenster ist die Turbine sichtbar.

Das einstige Gelände der Sägemühle ist zu einer „Bereicherung für das Wertinger Stadtleben geworden“, findet Stadtbaumeister Anton Fink rückblickend. Es sei damals die richtige Entscheidung gewesen, das Projekt trotz einiger Kritik weiter zu verfolgen.

Komplettiert wird das Areal heute mit einer Infotafel, auf der die Geschichte der einstigen Stadtmühle beschrieben wird. Vergleichsweise dezent wird dort auch auf die großen Geldgeber hingewiesen – den Freistaat Bayern und die Europäische Union.

Lesen Sie mehr zum Thema, wie sich die EU im Landkreis bemerkbar macht:

Bringt die EU junge Leute im Landkreis Dillingen auf den richtigen Weg? mit dem Kommentar Die EU investiert in Dillingen klug Geld

Hier hat der Landkreis Freunde in Europa

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Bocksberg.tif
Freiluft-Gottesdienst

Wenn die Gläubigen ihrem Pfarrer applaudieren...

ad__pluspaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live, aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Plus+ Paket ansehen