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10.07.2010

Warum die schöne Else dem tapferen Ritter Kunz kein Glück bescherte

Geschafft! Nach dem Weg durch den Wald hat Alois Britzelmeier nun die Reste der Burgmauer entdeckt. Fotos: Brigitte Bunk
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Geschafft! Nach dem Weg durch den Wald hat Alois Britzelmeier nun die Reste der Burgmauer entdeckt. Fotos: Brigitte Bunk

Rischgau Lange Zeit glaubten die Menschen, dass es auf der Straße zwischen Fultenbach und Zusamzell spukt. Auch noch damals, als der frühere Altenmünsterer Lehrer Alois Britzelmeier in Zusamzell aufgewachsen ist. "Als meine Mutter mich nach Fultenbach schicken wollte, und ich hätte vor Einbruch der Nacht den Rückweg nicht geschafft, habe ich alle Ausreden gesucht, um nicht gehen zu müssen", erinnert sich der heute 77-Jährige zurück.

Der Ursprung dieser Sage, die von Generation zu Generation weitererzählt wurde, liegt im Jahr 1408. Zu hundert Prozent geschichtlich belegt werden konnte sie laut dem Villenbacher Bernhard Lernhard nie. Aber sie ist bis heute noch bekannt: "Um die angesehene verwitwete Bürgerstochter Elsbeth Rehlinger werben drei Freier. Bei Ritterturnieren in Augsburg stellten sie ihren Adel und Edelmut unter Beweis. Neben Ritter Schellenberg und Königseck warb auch Ritter Kunz um ihre Hand, der zwar den anderen beiden im Adel nicht nachstand, es aber an Tugendhaftigkeit fehlen ließ." So steht es im Historischen Zeitspiegel von 1194 bis 1994 geschrieben, dem Heimatbuch der Gemeinde Villenbach.

"Da sich die schöne Elsbeth für Burghart von Schellenberg entschied, schwor Kunz von Villenbach Rache. Dazu nahm Kunz Söldner in Dienst und lauerte mit 200 Reisigen in einem Waldstück bei Ustersbach dem Brautzug von Elsbeth und Schellenberg auf, welcher auf dem Weg zum Schloss Seifriedsberg war. Ein Pfeil aus Kunzens Bogen eröffnete den Kampf um die Braut. Ritter von Schellenberg sank tödlich getroffen zu Boden und Kunz fiel es leicht, Elsbeth zu rauben. Sogleich entführte er sie zur Kunzenburg nach Villenbach und hielt sie dort gefangen. Er glaubte, Elsbeth doch noch als Gemahlin gewinnen zu können. Mit dieser Tat war die Geduld des Augsburger Rates gegenüber Ritter Kunz erschöpft. Hans von Königseck wurde mit weiteren fünf Hauptleuten befohlen, gegen die Feste Villenbach zu ziehen, um Elsbeth aus der Hand des Raubritters zu befreien. Nach einigen erfolgreichen Abwehrmanövern war die Burg schließlich nicht mehr zu halten. Ritter Kunz flüchtete deshalb vor seinen Gegnern zusammen mit Elsbeth durch einen unterirdischen Gang, der nach Ellerbach führen soll. Dort jedoch ereilte den geschmähten Kunz Ritter Hans von Königseck, er hieb sein Schwert auf ihn nieder und Kunz hauchte unter freiem Himmel seine schwarze Seele aus. Elsbeth war somit befreit, die Burg jedoch so geschliffen, dass sie nicht mehr aufzubauen war."

Die Sage wurde 1927 als Theaterstück in Villenbach aufgeführt. Dieses diente 1994 wiederum als Vorlage für eine weitere Aufführung. "Damit hat die Geschichte der Freilichtbühne begonnen", erinnert sich Bernhard Lernhard, der von der ersten Aufführung an Regie führte und bis vor kurzem Abteilungsleiter war. Anlässlich der 800-Jahr-Feier von Villenbach waren alle voll motiviert. Kostüme, Helme und Waffen haben sich die Villenbacher machen lassen. "Die Schilde und Waffen mussten tauglich sein, denn wir hatten richtige Kampfchoreographien." Die Schilde haben gehalten. Und im Gegensatz zur zerstörten Burg, die von auswärtigen Wanderfreunden gar nicht so leicht zu finden ist, wird die Freilichtbühne schon in den nächsten Wochen wieder Ziel vieler Besucher sein.

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