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Wertingen

28.06.2019

Was die schwimmenden Sanitäter aus Wertingen besonders belastet

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3 Bilder
Ein Übungseinsatz der Wasserwacht-Ortsgruppe Wertingen: Auch in und an Fließgewässern wird der Ernstfall geprobt.
Bild: Wasserwacht

Plus Die Ortsgruppe Wertingen besteht seit 50 Jahren. Drei Mitglieder erzählen von ihrem ehrenamtlichen Dienst. Wie sie ausgebildet wurden und was sie erleben.

Braungebrannt am Badebecken patrouillieren und dabei ab und zu mit netten Mädels flirten – das gängige Bild vom Wasserwachtler ist schnell korrigiert, wenn man mit denen spricht, die dabei sind. Peter Keiß, Markus Heigl und Daniela Rembold gehören der Wasserwacht Wertingen seit 45, 37 und neun Jahren an und erzählen aus ihrem Erfahrungsschatz. Der Grund: Die Wasserwacht Wertingen besteht 50 Jahre – im internen Kreis wird dieses Jubiläum am Samstag im Schloss gefeiert.

Der Wasserwachtler als Sonnyboy im Freibad, oder die Wasserwachtlerin als Nixe am Badestrand – was ist da dran?

Markus Heigl: Wir sind Wasserretter, das heißt ausgebildete Sanitäter und Rettungsschwimmer. Scherzhaft gibt es den Spruch vom „Sanitäter, der auch schwimmen kann“. Peter Keiß: Die Wasserwacht ist eine Gemeinschaft des Bayerischen Roten Kreuzes und somit eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Unsere Ortsgruppe in Wertingen ist deshalb räumlich im BRK-Haus an der Pestalozzistraße angesiedelt. Dort haben wir Garage, Büro und Depot. Unsere Schulungen führen wir als Gast in den Lehrräumen der Krankenpflegeschule durch, die auch im Haus angesiedelt ist.

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Die Wasserwacht Wertingen bildet Jugendliche aus

Wie kommt man denn zur Wasserwacht?

Daniela Rembold: Ich bin in der Ortsgruppe für die Jugendausbildung zuständig. Die meisten kommen als Kinder zu uns, weil sie schwimmen und tauchen lernen wollen. Sie machen dann die verschiedenen Ausbildungsscheine und, wenn es gut geht, bleiben sie in der Gruppe. Viele bringen ihre Freunde mit und schätzen die Gemeinschaft. Derzeit machen bei uns rund 40 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis zwölf Jahren das Jugendtraining. Keiß: Es wäre schön, wenn die alle bei uns bleiben, aber das ist nicht so. Viele wandern nach der Schulzeit ab, wenn sie in den Beruf gehen. Man muss bedenken, dass alles bei uns ehrenamtlich passiert. Für unsere Dienste und für die Ausbildung muss sehr viel Freizeit geopfert werden, bei Erwachsenen ist das oft der ganze Urlaub.

Die Ausbildung ist nicht einfach, wie man hört...

Keiß: Sie beginnt mit einem Einführungsseminar, beinhaltet das Jugendschwimmabzeichen, Schnorchelabzeichen, das silberne Rettungsschwimmabzeichen, das bedeutet, dass man 300 Meter in Kleidung innerhalb von zwölf Minuten schwimmen muss, 25 Meter Streckentauchen, Abschleppen 50 Meter mit Kleidung. Zum Schluss wird eine Realsituation mit einer Puppe nachgestellt, bei der die Prüfung abgenommen wird. Markus Heigl: Ein wichtiger Aspekt ist natürlich auch die Sanitätsausbildung. Es wird also doppelt ausgebildet als Sanitäter und Wasserretter. Auch nach den Grundkursen müssen wir uns ständig weiterbilden und uns immer wieder prüfen lassen.

Wie sieht ihr Dienst in der Praxis aus?

Heigl: Man kennt uns vor allem vom Wachdienst im Freibad. Wir sind keine Schwimmmeister, aber wir unterstützen sie an Wochenenden und Feiertagen. Aktuell betreuen wir das Freibad Wertingen. Im Hallenbad geben wir im Winter Schwimmkurse.

Vielfältige Aufgaben der Wertinger Wasserwacht

Und an den Seen und Flüssen...?

Heigl: Dort sind wir aktiv, wenn wir von der Rettungsleitstelle gerufen werden. Wir werden im Ernstfall per Handy verständigt, treffen uns an der Geschäftsstelle und fahren dann raus. Aktuell betreuen wir das Gebiet von Wemding bis Asbach-Bäumenheim, Lauingen und Günzburg. Bei einem Einsatz arbeiten oft mehrere Wasserwachtgruppen zusammen. Das betrifft vor allem Vermisstensuchen und Ertrinkungsfälle. Für solche Fälle gibt es unsere Schnelleinsatzgruppen in Wertingen, Lauingen und Dillingen. Wir verfügen auch über Spezialisten wie eine Boots- und eine Tauchtruppe.

Wie gehen sie bei einer Vermisstensuche vor?

Rembold: Wir bilden eine Suchkette im Wasser. Dabei tragen wir Neoprenanzüge zum Eigenschutz, Helm und Wasserretterweste. Heigl: Wir suchen zu Fuß oder schwimmend, wir suchen auch mit dem Boot oder tauchen. Wobei das oft schwierig ist wegen der Sichtverhältnisse. Im Baggersee hat man eine Sichtweite von 1,50 Metern, in der Zusam sieht man nichts, da muss man sich vortasten.

Hatten Sie bei Ihren Einsätzen auch schon schlimme oder schwierige Erlebnisse?

Heigl: Suizide sind schlimm, es ist ein Problem, die Menschen zu finden. Aber meistens haben wir es, gerade im Freibad, mit kleinen Verletzungen zu tun.

Haben sie schon tödliche Ertrinkungsfälle erlebt?

Heigl: Nein, zum Glück nicht. Im Wertinger Bad ist noch nie jemand ertrunken. Keiß: Ertrinkende sind besser zu retten und zu erkennen, wenn sie um sich schlagen. Das Gefährliche ist der stille Tod. Oft gehen Menschen, und dabei gerade Kinder, ganz still unter und keiner merkt oder erkennt es.

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