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Wertingen

06.09.2019

Was eine Wertingerin in Chicago vermisst

Isabel Lachner studiert in Chicago für ein Semester Jura. Die Unterschiede der Millionenmetropole zu ihrer Heimatstadt Wertingen sind gewaltig – doch das neue Leben in der Großstadt bietet nicht nur Vorteile. Zum Beispiel vermisst die Wertingerin „normales Brot“.
Bild: Isabel Lachner

Von der Zusamstadt in die drittgrößte Stadt der USA: Isabel Lacher studiert dort Jura. In der Metropole, in der etwa tausendmal so viele Leute leben wie in ihrem Heimatort, ist vieles anders als zuhause

Seit dem Abitur war für Isabel Lacher klar, dass sie irgendwann ein Auslandssemester während ihres Studiums machen wollte. Doch wo die Jurastudentin - seit 2016 ist sie an der Uni Augsburg eingeschrieben - dieses letztendlich absolvieren würde, wusste sie zunächst nicht. „In ein Land innerhalb Europas zu gehen, kam für mich zwar auch in Frage. Aber als ich auf das Angebot meiner juristischen Fakultät aufmerksam wurde, auch innerhalb der USA studieren zu können, war für mich klar, dass ich genau das machen wollte.“

19 Studierende dürfen jedes Jahr nämlich an einer von sechs verschiedenen Universitäten innerhalb Amerikas studieren. Der erste Schritt: ein Bewerbungsschreiben mit Angabe der Wunschuni. Bei Isabel war es Chicago. Es folgte das persönliche Bewerbungsgespräch mit vier Mitstreitern in Gegenwart des projektleitenden Professors. Nachdem sie auch dies erfolgreich gemeistert hatte, bekam sie im Dezember 2018 ihre feste Zusage für das Semester überm großen Teich. Bis es dann schließlich Anfang August in die USA ging, waren die kommenden Monate geprägt durch die Vorbereitungen für die große Reise, für die die Wertingerin zudem ein Stipendium vom DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) erhielt.

Chicago hat tausendmal so viele Einwohner wie Wertingen

Und nun ist sie am Chicago-Kent College of Law mit insgesamt rund 125 weiteren Austauschstudenten. „Während meines Semesters lerne ich das amerikanische Rechtssystem und zugleich die Unterschiede zum deutschen kennen.“ In den USA werde ganz anders Wissen vermittelt als in Deutschland, berichtet Isabel. Anders als hierzulande gibt es zum Beispiel eine Anwesenheitspflicht.

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Neben den Kursen werden vom College jedoch viele weitere Veranstaltungen angeboten und natürlich ist ein weiterer Pluspunkt neben dem inhaltlichen Lernen auch das Verbessern der englischen Sprache. Nicht zuletzt ist der Kontakt zu den unterschiedlichen Nationen eine weitere Bereicherung ihres Aufenthalts. „Insgesamt sind etwa 30 Nationen vertreten. Der größte Teil kommt aus dem asiatischen Raum. Zudem habe ich schon viele Studenten aus Frankreich, der Ukraine, Norwegen, der Schweiz, Russland und vielen anderen Ländern kennengelernt.“ Mit diesen unterhalte sie sich nicht nur über juristische Themen, sondern auch über Lebensgewohnheiten und anderes, so die junge Wertingerin.

Lacher wohnt in den „Canterbury Court Apartments“ im achten von siebzehn Stockwerken eines Altbaus, in dem viele internationale Studenten wohnen. Sie fühlt sich dort „fast wie in einem Studentenwohnheim“. Die Apartments befinden sich im eher wohlhabenden Viertel Gold Coast.

Mit ihrer Heimat Wertingen sei die Großstadt Chicago nur in ganz wenigen Punkten zu vergleichen. „Man hat nicht nur die überragenden Hochhäuser und Straßen, sondern auch den Oak Street Beach, am Lake Michigan, der nur fünf Minuten von meiner Wohnung entfernt ist. Der See ist wunderschön, und man fühlt sich jetzt im Sommer wie im Strandurlaub.“ Von dort sieht man laut Lacher die Skyline der drittgrößten Stadt der USA – der Großraum Chicago hat knapp 10 Millionen Einwohner.

Isabel Lacher vermisst "normales Brot" in den USA

Zudem schätzt die Studentin die „größere“ Offenheit der Menschen im Gegensatz zu denen in Deutschland. „Deshalb kommt es schon des Öfteren vor, dass man einfach mitten in der Stadt oder am Strand angesprochen wird und daraus nette Gespräche entstehen. Die Mentalität hier ist grundsätzlich anders als in Wertingen, oder dem Rest von Deutschland“, berichtet Isabel. Sie vermisst allerdings ihre Familie und Freunde zu Hause. „Und mir fehlt das Autofahren und das damit verbundene schnelle von A-nach-B-Kommen, etwa beim Einkaufen. Was ich auch vermisse sind guter Kaffee, das kennen die Amerikaner scheinbar leider nicht, und ‘normales’ Brot, so wie wir es in Deutschland kennen.“ Doch langweilig wird es ihr in ihrer derzeitigen Heimat Chicago nicht, denn ob Sportveranstaltungen, Wassershows, einen Cocktail auf der Dachterrasse des Willis oder Hancock Towers trinken oder unterschiedliche Veranstaltungen im Millenium Park erleben können: „Es ist immer etwas geboten.“

„Ich bin gespannt auf die mir noch bevorstehenden Monate.“ Auf jeden Fall kann sie in „Windy City“ (wegen des ständigen Windes wird Chicago so genannt) nach ihrem derzeitigen Sommerfeeling, unter Umständen auch noch einen kalten Winter, in dem es kälter als -20 Grad werden kann, erleben.

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