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Dillingen

02.07.2017

Was ist Heimat? Und wie lange noch?

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3 Bilder
Ein Blick aufs Kesseltal. Am Wochenende fand der Bayerische Heimattag in Dillingen statt. Dazu gehörte auch eine Fotoausstellung zum Motto „Stadt, Land, Fluss“, die Bilder aus dem Landkreis Dillingen zeigt. Die Vernissage fand in der Dürnitz im Dillinger Schloss statt.
Bild: Karl Aumiller

Wie sehr sich die Region verändert, verdeutlichten drei Referenten im Dillinger Schloss anlässlich der Eröffnung des Bayerischen Heimattages.

Ein knallgelbes Rapsfeld im Vordergrund, dahinter ein Dorf, der Kirchturm ragt in die Höhe, so ein Foto aus dem Kesseltal ist zurzeit in einer Ausstellung der VHS-Fotogruppe zu sehen. Doch auch Industrieanlagen hat das Team um Wolfgang Elster festgehalten. Auf einer Landschaftsaufnahme rauchen die beiden Türme vom AKW Gundremmingen im Hintergrund. Solarzellen und eine gewaltige Stromleitung teilen Landschaften, auch das hat die Gruppe festgehalten. Die Ausstellung, die am Freitag in der Dürnitz im Rahmen des Bayerischen Heimattages eröffnet wurde, zieht ins Foyer der Dillinger Stadtsparkasse ein. Dort wird sie bis 14. Juli gezeigt.

Nach der Vernissage in der Dürnitz wurden die Bayerischen Heimattage im Mozartsaal des Schlosses eröffnet. Auch dort verdeutlichten vor allem Fotos, wie sich der Landkreis und seine Städte in vielen hundert Jahren verändert haben.

Eingangs hatte Professor Hubert Weiger, zurzeit Präsidiumsvorsitzender des Bayerischen Heimattages, daran erinnert, dass Heimat untrennbar mit der Natur verbunden ist, aber auch durch Geschichte, die bebaute, gestaltete Umwelt und Kultur für uns prägend sei. Daher standen die Heimattage, die dieses Jahr in Dillingen stattfanden, unter dem Motto „Stadt, Land, Fluss“. Dillingen sei durch seine Geschichte und die Donau geprägt. „Ein Fluss, der wie kein zweiter Nationen verbindet.“ Neben dem Historischen Verein dankte Weiger vor allem Dillingens Oberbürgermeister Frank Kunz, weil die Stadt die Umsetzung sehr unterstützt hatte.

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Dieser gab in seiner Rede einen kurzen Abriss über die reiche Geschichte Dillingens, angefangen von der ersten Nennung der Burg (heute das Schloss) anno 973, über die Gründung der Universität 1549, den Garnisonssitz ab 1682, die Gründung der Regens-Wagner-Stiftung, die auf Johann Evangelist und Theresia Haselmayr zurückgeht, bis zur Gebietsreform bei der die (1241 zum ersten Mal genannte) Stadt Dillingen, in den 1970er Jahren um sechs Stadtteile erweitert wurde.

Dass sich auch drumherum einiges verändert hatte, daran erinnerten die drei Referenten im Anschluss, wie Arnold Schromm vom Historischen Verein.

Erst Ende des 12. Jahrhunderts seien die Städte Lauingen, Dillingen, Höchstädt und Gundelfingen gegründet worden. Um Licht und Raum zu schaffen, wurden im 19. Jahrhundert die Stadtmauern abgerissen. Die Industrialisierung sorgte im 20. Jahrhundert für einen massiven Wandel. Inzwischen veröde manch Altstadtkern, würden Parkplätze große Lücken reißen, gebe es in der Altstadt immer mehr Leerstände. „Es ist ein Kampf um jedes Haus. Verlieren wir ihn, verlieren wir die Wurzeln und alle Städte werden gleich und gesichtslos“, mahnte Schromm.

Bezirksheimatpfleger Peter Fassl sagte, unter den dreien Stadt, Land und Fluss, sei das Land der Gewinner. Weil nasse Wiesen und Moore im 19. Jahrhundert als Keimzelle für Krankheiten galten, wurden sie trockengelegt. Flüsse wurden korrigiert, um Schifffahrt zu ermöglichen, die Wasserkraft wiederum bereitete den Weg für die Industrialisierung. Und eines der Ziele, die Menschen vor Überschwemmungen zu schützen, habe zurückgeschlagen. „Aber das ist eigentlich kein Wunder.“ Ein Zurück zur Natur hält der Heimatpfleger für unmöglich. Dabei habe ein Fotowettbewerb gezeigt: Die Menschen hätten ein großes Bedürfnis an einer harmonischen Landschaft. „Dieses Bedürfnis sollten wir ernst nehmen.“

Agathe Lehr, ehemals Lehrerin an der Dillinger St. Bonaventura-Realschule, stellte das Unesco-Donauprojekt vor. Schüler entlang der Donau arbeiten dabei nationenübergreifend mit verschiedenen Aktionen zusammen. Mit Bildern und einem Film hatten die Realschüler Dillingens festgehalten, wie schön die Donau ist, wie viele Tiere es dort gibt. Aber auch Bilder von Überschwemmungen oder Müllablagerungen zeigte die Präsentation, die Agathe Lehr, inzwischen Koordinatorin des Donauprojekts für Deutschland, mitgebracht hatte.

Um Bilder ging es auch, als Kreisheimatpfleger Alois Sailer – laut Weiger „die fleischgewordene Reinkarnation des Heimattages“ – mit seinen Mundartgedichten den Abend auflockerte. Für jedes Wort habe er drei schwäbische, sagte Sailer. Es sei wie ein Farbenkasten, mit dem er seine Gedichte in Wörter male.

Für seine Anekdoten gab es nicht nur viel Applaus, manch einer der rund 150 Besucher musste auch schallend lachen, weil der Heimatpfleger bestimmte Begebenheiten so exakt und gewitzt beschreibt. Seit 51 Jahren ist Sailer Heimatpfleger. Es dürfte, so Professor Weiger, schwerfallen, einen länger gedienten Kollegen in Bayern oder Deutschland zu finden. Johann Böhm, Vorsitzender des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege brachte es auf den Punkt: „Alles nur kein Langeweiler – unser Alois Sailer.“ Böhm überreichte Oberbürgermeister Kunz zum Schluss die neueste Ausgabe des Heimathefts, in deren Mittelpunkt Stadt und Kreis Dillingen stehen.

Den Abend hatte das Lanzinger Trio aus Syrgenstein musikalisch umrahmt. Zur Überraschung des Publikums hatte es zu Beginn mit den drei vermeintlich traditionellen Zither, Hackbrett und Gitarre direkt den Klassiker „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin intoniert, und damit den Mozartsaal gerockt.

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