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Rieblingen

21.09.2019

Was passiert mit der alten Dorfwirtschaft?

Das Bild zeigt den Gasthof Adler im Jahr 1904. Früher spielte sich hier das gesellschaftliche Leben in Rieblingen ab. Heute steht die alte Gaststätte leer und ist ungenutzt. Wie es weitergeht, weiß keiner.
Bild: Stadtarchiv Wertingen

Plus Das ehemalige Wirtshaus Adler in Rieblingen steht seit vielen Jahren leer. Nun gibt es einen Investor, der Interesse an diesem geschichtsträchtigen Gebäude hat. Welche Pläne er hat.

Die Geschichte der alten Dorfwirtschaft in Rieblingen beginnt nach dem Dreißigjährigen Krieg. Zu dieser Zeit war der kleine Ort im Zusamtal eine unbewohnte Wüstung. Noch zehn Jahre nach Kriegsende berichtete der Prettelshofener Pfarrer in seinem Taufbuch verwundert über die Taufe eines Mädchens, dessen Familie „schon in Rieblingen“ wohnt. Kein Wunder also, dass Joachim Handschuh 1660 nur um die 50 Gulden für die Dorfwirtschaft zahlen musste.

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Ein Investor aus Binswangen hat Interesse

All das fand Konrad Bestle (73) aus Possenried heraus. Seit 2011 fertigt er gemeinsam mit Wertingens Zweitem Bürgermeister Johann Bröll und dem Stadtarchivar Johannes Mordstein eine Häuserchronik von Rieblingen an. Dabei spielt natürlich auch die alte Dorfwirtschaft „Adler“ eine große Rolle. Wie es mit diesem Gebäude weitergehen soll, ist momentan noch unklar. Ein privater Investor aus Binswangen hat eine Bauvoranfrage gestellt, weil er das Haus abreißen und auf dem Gelände sechs Einfamilienhäuser bauen will. Ob diese genehmigt wird, wird momentan im Bauausschuss diskutiert.

Der stellvertretende Bürgermeister Bröll , der selbst aus Rieblingen kommt, wünscht sich, dass wieder ein Gebäude mit ähnlichen Dimensionen auf das Gelände kommt. Sehr gut könnte er sich Wohnungen für Senioren vorstellen. „Wir können den Bauplatz komplett barrierefrei machen und die Bushaltestelle ist auch direkt vor der Tür“, sagt Bröll. So könnte man Wohnraum für Ältere bieten, für die das Leben am Dorfrand zu gefährlich ist. „Aber auch Wohnungen für junge Menschen brauchen wir in Rieblingen dringend. Für Leute, die zwar aus dem Elternhaus ausziehen, aber Rieblingen nicht verlassen wollen, gibt es momentan überhaupt keine Möglichkeit.“

Konrad Bestle forscht seit 2011 über die Geschichte Rieblingens. Auch über die alte Dorfwirtschaft Adler in der Ortsmitte hat er einiges herausgefunden.
Bild: Müller

Werden tatsächlich Einfamilienhäuser gebaut wie der Investor vorgeschlagen hat, befürchtet Bröll Interessenten aus Augsburg oder München. Stattdessen wolle er zunächst die Bedürfnisse von Leuten befriedigen, die schon im Ort wohnen. Früher war der Gasthof auch für ihn ein wichtiger Treffpunkt. „Nachdem das andere Lokal im Ort Anfang der 90er-Jahre zugemacht hatte, spielte sich fast alles nur noch beim Adler ab“, erinnert er sich.

Wohnungen für Senioren oder junge Familien

Für Konrad Bestle hatte die Wirtschaft ebenfalls eine große Bedeutung. Im Gedächtnis geblieben ist ihm vor allem der wöchentliche Frühschoppen, jeden Sonntag nach der Kirche. „Eigentlich hat sich dort das ganze Dorfleben abgespielt. Im Wirtshaus fanden alle Hochzeiten, Vereinsfeiern und Leichenschmäuse statt, die es in der Umgebung gab“, sagt der Heimatforscher.

Seine Faszination mit der Vergangenheit des Wertinger Umlandes begann zunächst, weil er mehr über seine eigene Familiengeschichte herausfinden wollte. Jetzt ist das Forschen zu seinem Hobby geworden, für das er manchmal auch ganze Nachmittage im Bistumsarchiv verbringt. Und aktuell eben die Geschichte der Rieblinger Gastwirtschaft aufarbeitet.

So sieht das Gasthaus heute aus. Bestle denkt nicht, dass es jemals wieder in Betrieb genommen werden kann.
Bild: Müller

Auf älteren Fotos kann man gut erkennen, dass der Gasthof früher noch um eine Brauerei und eine Käserei erweitert war. 1925 kaufte Alois Binswanger die Wirtschaft, die nach seinem Tod von seiner Frau Anna weitergeführt wurde. Sie starb 1992, danach hatte die Wirtschaft zunächst nur noch sporadisch und schließlich gar nicht mehr auf. Seitdem steht es leer. Für eine Wiedereröffnung sieht Bestle keine Möglichkeit. „Das Gebäude wurde nie wirklich renoviert. Meiner Meinung nach sind die Familienhäuser eine gute Idee, solange sie im Stil des Lokals gebaut werden.“

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