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Benefizkonzert

20.12.2016

Weihnachtsmusik für malawische Kinder

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Zum Benefizkonzert hatte der Freundeskreis Sunganani in die Wertinger Bethlehemkirche eingeladen. Es musizierte das Saxofonquartett Quattrofoglio.

Seit zehn Jahren besteht der Wertinger Freundeskreis „Sunganani“. Zum zweiten Mal musizierte das Saxofonquartett „Quattrofoglio“ jetzt zugunsten gehörloser Kinder in einem der ärmsten Länder der Welt

Wer eine Postkarte erhält, bewahrt sie jahrelang auf und hängt sie an Weihnachten über die Zweige seines Christbaums. Dazu kommen bunte Fäden und Stofffetzen. Und aus Toilettenpapier reißen sie Lametta. – Barbara Lienert erzählt von Malawi, ein südostafrikanisches Land, in dem die gebürtige Wertingerin nach ihrem Abitur überraschend gelandet war. Dort verbrachte sie nicht nur ein ganzes Jahr, sondern feierte auch das Weihnachtsfest: „eine große Party mit Tanz in der Kirche, Softdrinks und lauter Musik.“

Musik in der Kirche gab es am vergangenen Sonntagabend ebenfalls, allerdings eher besinnlich und festlich, und in Wertingens evangelischer Bethlehemkirche. Dort erzählt Barbara Lienert von ihrem Weihnachtsfest in Malawi. Denn das Saxofonquartett Quattrofoglio spielt an diesem Abend ein Benefizkonzert zugunsten des Freundeskreises „Sunganani“. Den gründete die Familie Lienert, als Tochter Barbara zurückgekehrt war aus Afrika, nämlich vor zehn Jahren.

Zum kleinen Jubiläum fand sich auch Wertingens Bürgermeister Willy Lehmeier in der Bethlehemkirche ein. „Nicht um zu spielen oder zu singen“, sondern um das Konzert mit einigen Fakten und nachdenklich machenden Worten einzuleiten. „Wenn viele Leute in vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann werden sie das Gesicht der Welt verändern“, zitiert er den Wertinger Flüchtlingshelfer Wolfgang Plarre. Ähnliches passiere hier. Seit zehn Jahre unterstütze der Freundeskreis Kinder und Jugendliche einer Schule in Malawi, einem Land, das weltweit zu den allerärmsten gehört. In den Kindergarten gehen, die Schule besuchen, eine Ausbildung machen gehörten in Deutschland und Bayern zum Standard. „Wer eine Behinderung hat, dem wird geholfen“, reflektiert der Bürgermeister. In Afrika dagegen hätten diese Kinder keine Lobby, wachsen in Hinterhöfen auf.

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In festlich glitzernden Kleidern und dunklen Anzügen starten die vier jungen heimischen Musiker – Barbara Mayr (26), Viktoria Wörle (24), Valentin Steinhart (20) und Andreas Kapfer (27) – ihr Programm. Variantenreich lassen sie mit ihren Saxofonen Stille in den Konzertsaal einkehren. Dank ihres gefühlvollen Spieles rieseln sanft und sachte – zumindest gedanklich – die Schneeflocken vom Kirchendach. „Leise rieselt der Schnee“, was harmonisch beginnt, endet in modern aufgepeppten schrägen Disharmonien. So schräg wie sich Korruption und Krankheiten in dem Land Malawi zeigen.

Der Wertinger Freundeskreis unterstützt eine Schule im Süden Malawis, an der Jungen und Mädchen im Alter zwischen vier und 20 Jahren lernen, sich im Leben zurechtzufinden. Sie alle sind schwerhörig oder gehörlos. Bei 180 Euro Jahreseinkommen einer Familie sei es schwierig, 50 Euro jährliches Schulgeld für ein Kind aufzubringen. „Es fehlt an Aufklärung“, machen Barbara und ihr Vater Gotthard Lienert den Konzertbesuchern klar. Diese wollen die vier Musiker gerne unterstützen. Zum zweiten Mal musizieren sie bereits zugunsten des Freundeskreises. Nach der zeitgenössischen weihnachtlichen Musik geben sie bravourös einen Einblick in die klassische Saxofonliteratur und zeigen sich schließlich sehr erfreut darüber, dass die rund 200 Gäste bei den abschließenden traditionellen Weihnachtsliedern sie mit kräftiger Stimme unterstützen. „Das ist nicht selbstverständlich“, macht Barbara Mayr ihrem Publikum klar.

An diesem Abend ist es selbstverständlich, ebenso wie sich die inneren Absprachen der Musiker auf die Zuhörer übertragen. Wann ist Klatschen angesagt? Die Frage erübrigt sich, halten die jungen Saxofonisten den Spannungsbogen doch selbst beim Umblättern ihrer Noten aufrecht. Umso gewaltiger bricht der Applaus an den passenden Stellen über sie herein. Der Dank sind großzügige Spenden – 1600 Euro – die, so verspricht’s Gotthard Lienert, ganz direkt bei den jungen Menschen in Afrika ankommen werden.

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