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11.09.2018

Welcher Baum folgt auf die Napoleonstanne?

Der trockene Sommer hat der Napoleonstanne nochmals zugesetzt. Jetzt ist klar, dass der mächtige kranke Baum so nicht weiter auf der Anhöhe zwischen den Wertinger Stadtteilen Gottmannshofen und Hohenreichen stehen bleiben kann.
Bild: Bärbel Schoen

Drei Bäume stehen zur Wahl. Die Bürger dürfen mitentscheiden, wie es an der historischen Stelle zwischen Gottmannshofen und Hohenreichen weitergehen soll. Der alte Baum wird auf eine andere Art erhalten bleiben.

Es führt kein Weg mehr daran vorbei: In vier Wochen muss die Napoleonstanne hoch oben auf dem Bergrücken von Gottmannshofen aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Dort steht sie seit 1905 und erinnert an die Schlacht bei Wertingen vom 8. Oktober 1805. Dass sie kränkelt, sah man ihr schon länger an. Der diesjährige heiße Sommer hat dem über hundert Jahre alten Baum nun den Rest gegeben. Die Zweige des einst mächtigen Baumes hängen schlaff herab, die Nadeln sind braun geworden. Ein trauriger Anblick.

Die Nachricht von der möglichen Fällung hat vor einem halben Jahr hohe Wellen geschlagen. Für die Bürger galt der Baum als ein Wertinger Wahrzeichen. Generationen trafen sich an diesem markanten Punkt, der leicht zu finden ist. An Silvester begrüßten einige an der mächtigen Napoleonstanne, die eigentlich eine Fichte ist, beispielsweise alljährlich das neue Jahr mit bunten Raketen.

Viele Bürger machten sich in den vergangenen Monaten Gedanken zur Zukunft des Baumes und des Platzes. Der Platz auf der Anhöhe zwischen Hohenreichen und Gottmannshofen ist immer noch ein besonderer, und er soll es auch bleiben. Darin sind sich alle einig.

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Die Vorschläge, die aus der Bevölkerung kamen, wollen die Verantwortlichen im Rathaus jetzt mit berücksichtigen. Wertingens Umweltreferent Klingler berichtet: „Wir wollen die Napoleonstanne bis auf vier bis fünf Meter kürzen und stehen lassen.“ Als Habitatbaum könne er so erhalten bleiben und vielen Tieren Unterschlupf bieten. Sollte sich ein Bildhauer inspiriert fühlen, könnte der Stamm künstlerisch bearbeitet werden und als Denkmal dienen. Aus dem gefällten Teil will man Sitzgelegenheiten bauen. So wird die sterbende Napoleonstanne wieder zum Leben erweckt. In ihrer unmittelbaren Nähe wird ein neuer Nadelbaum gepflanzt.

Bei der Wahl des Baumes wollen Umweltreferent Ludwig Klingler und Betriebshofleiter Johannes Deisenhofer die Bürger mitentscheiden lassen. Vorab haben sie sich unter anderem in der Wertinger Baumschule Reiter Rat geholt. Denn so einfach gestaltet sich die Auswahl eines geeigneten Baumes an dieser exponierten Stelle nicht. „Die Artenauswahl ist äußerst beschränkt“, stellte Ludwig Klingler fest, was Gärtnermeister Johann Reiter bestätigt. Mehrere Faktoren müssten berücksichtigt werden: Klima, Feuchtigkeitsbedarf, Luftbewegung, Bodenbeschaffenheit und Standort. Gleichzeitig müsse nachhaltig gedacht werden. Klingler: „Der Baum soll langfristig vital bleiben, und die zunehmende Trockenheit vertragen.“ Pflegeaufwand und Kosten sollten ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Auswahl spielen.

Von einer Weißtanne, wie verschiedentlich gewünscht worden war, raten Johann Reiter und seine Tochter Gabriele Bschorr jedoch ab: „Es handelt sich um einen Wildbaum, der halbschattig aufwachsen muss. In freier Flur hat eine Weißtanne nichts verloren.“ Gegen die Tanne spricht, dass sie empfindlich gegen Spätfröste ist und bei Trockenheit leicht von Pilzen befallen wird. Und auch die vielfach gewünschte Nordmanntanne lehnen die Experten ab: Sie zählt nicht zu den heimischen Arten und passt aufgrund ihres Habitus eher in einen Garten.

Je besser der Baum zum Standort passt, desto besser kann er anwachsen und gedeihen. So sind letztendlich drei Nadelbäume nach Abwägung aller Faktoren übrig geblieben: die Colorado-Tanne (Abies Concolor), die Fichte (Picea abies) und die Große Küstentanne (Abies grandis). Alle Drei können die Wetterrisiken relativ gut wegstecken. Über ein Voting dürfen unsere Leser mitentscheiden, welcher Baum die berühmte Napoleonstanne ersetzen darf. Bei Ludwig Klingler, Johannes Deisenhofer, Johann Reiter und Gabriele Bschorr steht der Favorit bereits fest: Die „Große Küstentanne“ eignet sich ihrer Meinung nach am besten. Reiter: „Diese Tanne wird einmal ein stattlicher Baum.“ Seit dem 19. Jahrhundert ist sie in Europa heimisch geworden. Wenn sie gut anwächst, kann sie jährlich 50 Zentimeter und mehr zulegen. Mit bis zu 50 Metern Höhe wird sie der Napoleonstanne in wenigen Jahren in nichts nachstehen. Aufgrund ihrer Pfahlwurzel gilt sie als äußerst sturmfest.

Die Colorado-Tanne, bekannt als Amerikanische Silber-Tanne, wirkt besonders in Parks und großen Gärten dekorativ. Ihre derben Nadeln sind blaugrün. Sie stellt – genauso wie die Große Küstentanne und die Fichte – geringe Standortansprüche und erträgt Trockenheit und Frost gleichermaßen. Allerdings reagiert sie empfindlich auf Wind.

Sollten sich die Leser aus nostalgischen Gründen für eine Fichte entscheiden, müssen sie wissen, dass sie wegen ihrer flachen Wurzeln höchst anfällig für Windwürfe ist und gerne von Borkenkäfern heimgesucht wird. Je nach Standort kann die Fichte bis zu 50 Meter hoch werden.

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